Album Kritik

Alpha Tiger - same

Erstellt von Andy | |   Album Reviews

Mutig, mutig, die Herren. Ich lernte Alpha Tiger als Traditionsmetal-Underground Hoffnung beim Headbangers Open Air 2011 kennen, wo sie mich mit einer grandiosen Liveperformance und Songs des Debütalbums sowie einer musikalisch passenden "Queen of the reich"-Coverversion begeistern konnten.

Anno 2017 ist alles ein wenig anders. Nach der Trennung von Sänger Stephan Dietrich kam mit Benjamin Jaino nicht nur ein neuer Mann ans Mikro, nein, die Band scheint auch ihren Sound "angepasst" zu haben und einen kompletten Neustart zu planen. Mit Iron Maiden wird sie auf dem neuen selbstbetitelten Album wohl niemand mehr vergleichen, was so manchen Fan auf eine harte Probe stellen wird.

Dem Rezensenten kam schon das düstere Cover etwas spanisch vor und wirklich, nach den ersten Tönen des Eröffnungssongs Comatose wandert der Blick auf das vorliegende Digipack, um sich zu überzeugen, dass es sich wirklich um Alpha Tiger handelt. Und trotz Geduld - die schnellen, klassischen Doublebass-Banger sollten auf diesem selbstbetitelten Tonträger nicht kommen!

Ganz so schlimm wie es vielleicht klingt ist das nicht, doch die offensichtlichen Einflüsse für den aktuellen Output bezieht die Band nicht aus den Achtzigern, sondern definitiv aus dem Jahrzehnt davor.

Durch den deutlichen Einsatz einer (Hammond-)Orgel und fetter Hardrockenergie klingen die Jungs nun teilweise mehr nach Deep Purple oder Uriah Heep als nach klassischen "Kuttenbands". Ein grober und mutiger Schnitt also, welcher sich auch im wohl absichtlich auf Old School getrimmten Sound widerspiegelt.

Dabei machen Alpha Tiger ihre Sache wirklich gut, mit dem bombastischen My dear old friend, dem mit NWoBHM-Vibes ausgestatteten Vice (Praying Mantis anyone?) oder dem mit guten Melodielinien und Gänsehaut-Gitarrenarbeit punktenden, abschließenden Rocksong The last encore können sie wirklich einen guten Eindruck hinterlassen. Irgendwie erinnert die Entwicklung der Band an die Finnen von Sonata Arctica, die sich ebenfalls spätestens mit dem (von mir sehr geschätzten) Unia-Album künstlerisch freispielen konnten. Man könnte auch sagen: Alpha Tiger sind erwachsen geworden.

Nichtsdestotrotz finde ich es witzig, wenn mir beim Hören von Singularity eine Band wie Audrey Horne in den Sinn kommt.

Spannend wird es zu sehen, wie sich neue und alte Songs in der Live-Setlist vertragen und wie tolerant die Fans der Band sind, sich auf den aktuellen Sound einzulassen.

Ich kann als Fan klassischer Rockmusik sehr gut damit leben und vergebe mit Mutbonus

8/10 Punkte.

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