Album Kritik

Anomalie - Visions

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

Anomalie veröffentlichen bereits ihr drittes Album.  Das Bandprojekt von Songwriter, Sänger und Gitarrist Marrok (Live-Gitarrist bei Harakiri For The Sky) zeigt mit Visions eine nochmalige Steigerung. Mittlerweile ist man an einem Punkt angelangt, wo kaum noch stlistische Schwächen auszumachen sind. Alles klingt wie aus einem Guss. Sämtliche Zutaten sind perfekt aufeinander abgestimmt. Jetzt ist man dort angelangt, wo es ans Eingemachte geht, wo man auch zukünftig ausbrechen kann in neue Gefilde.

 

Anomalie bedeutet atmosphärische Songs, ausufernde, fast trancige Songkulissen, die aber durchaus einprägsam sind und auch richtige Hooks und Melodien (Beispielsweise das sehr melodische Starless Nights) im Sinne von stimmigen Songwriting besitzen. Auf das wird in diesem Genre leider oft verzichtet.

 

Die Vocals haben Kraft und teilweise großen Ausdruck und sie sind, obwohl sie emotional doch dem Black Metal zuzuordnen sind ... full of volume and deep as hell, was in diesem Genre nicht üblich ist. In einer Passage erinnern mich die Vocals gar an Godgory (diese einzigartige, völlig unterbewertete schwedische Band hat leider erfolglos versucht, dem Death Metal Atmosphäre einzuhauchen), was als großes Kompliment zu verstehen ist.

 

Zusätzlich zum sehr fetten Grundsound, der den feinen und sphärischen Riff-Strukturen  die notwendige Kraft gibt, erzeugt das eine extrem coole Atmosphäre.

 

Es gibt noch 3 wesentliche Zutaten:

 

Die lässigen Chöre, die immer cool klingen, nie aufgesetzt wirken und Songs wie Towards The Sun regelrecht veredeln.

 

Die Akustik-Gitarre, die glasklar arrangiert zwischen den dichten Songstrukturen für zusätzliche Spannung sorgt. 

 

Die Sprecheinlagen, die allesamt genial sind und auch immer songdienlich. Nicht nur jene von Heike Langhans (Draconian), die dieses bedeutungsschwangere Feeling erzeugt, das ich so liebe und das mich in eine komplett andere Welt beamt.

 

Bartholomäus Resch von Our Survival Depends On Us ist übrigens auch als Gastsänger dabei. Apropos: Auf deren letzten Album gibt's auch ähnliche Speech-Vibes. Ich muss glatt mal nachschauen, ob das auch von Heike Langhans eingesprochen wurde.

 

Ein richtig gutes Album, das viele Bands aus diesen melancholischen, leicht trancigen Metal-Genres hinter sich lässt. Man fragt sich oft, was fehlt. Dieses Album zeigt eher, was nicht fehlt. Es ist alles da, es wurde auch aufs Songwriting selbst nicht vergessen.

 

Wobei es auch bei solchen epischen, dahinschwelgenden Songs noch harmonisches Steigerungspotential gibt. Ich glaube, die Reise von Anomalie ist noch nicht zu Ende. 

 

nähere Informationen:

www.facebook.com/The.Anomalie.Experience

VÖ: 17.03.2017
Plattenfirma: Art of Propaganda
Genre: Black Metal/Death Metal
Anomalie Alben: Between the Light, Refugium, Visions

Zurück