Album Kritik

Arch Enemy - Will To Power

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Arch Enemy waren ja dank des großartigen Amott-Gitarren-Gespans immer musikalisch herausragend. Die Songs empfand ich aber abseits großartiger Soli und Riff-Stafetten nie herausragend. Seit Jeff Loomis dabei ist, scheint es auch hier eine Steigerung zu geben. Viele werden meinen, die Band sei kommerzieller, weil noch melodischer geworden. Finde ich gar nicht.Wobei: Eine absolute Tiefgang-Band im Sinne des Songwritings werden Arch Enemy nie werden, aber zumindest etwas melancholischer scheinen sie im Laufe der Jahre doch geworden zu sein.

Womöglich entspricht Arch Enemy der These des zeitgenössischen Metals. Fett produziert, atemberaubende Instrumentalteile, stilistisch einfach unter dem Banner Extreme Metal laufend, aber dennoch konsumierbar.

Der Opener The Race startet pfeilschnell ins Album, das abseits der flotten Riffs immer auch Songs mit Hymnencharakter bietet. The World Is Yours zeigt übrigens diesbezüglich im Refrain genau diese, zu simple, alte Arch Enemy-Seite, die ich harmonisch nie herausragend empfand: Nett, geht ins Ohr, ist aber sehr seicht. 

Alissa growlt sehr cool und singt bei der Ballade Reason To Believe auch ziemlich gut im Klargesang. Diese Frau war ein Goldgriff.

Ich stehe 2017 überhaupt nicht auf überproduzierte Metalbands, aber Arch Enemy kann ich mir anhören. Die kratzen die Kurve, obwohl auch hier die Drums etwas zu weit vorne sind: Das große Problem des Über-Produktions-Problems sind ja die zu lauten, zu weit vorne stehenden Drums und der zu laute Bass. Zumindest sind hier die Gitarren auch mal etwas heftiger.

Am liebsten habe ich es, wenn die Band ihre Liebe zur klassischen Musik zeigt wie bei Dreams Of Retribution, deren Intro an Yngwie Malmsteen erinnert. Auch hier: Starkes Riffing, aber auch hier ist der Refrain etwas zu billig, zu schwülstig, zu wenig Melancholie und hier hätte man sich auch die 80er-Kitsch Metal-Gedächtnis-Keyboards sparen können. Scheinbar bin ich hin-und hergerissen.

Der Abschluss-Track A Fight I Must Win ist cool, der Refrain geht locker ins Ohr, nervt aber nicht.

Ich bin zwar kein Verfechter des Selbstmitleids und der Weinerlichkeit, aber die ständigen neoliberalen "Du schaffst es, du hast die Power, du bist deines eigenen Glückes Schmied"-Lyrics nerven dann doch etwas, scheinen aber den Zeitgeist gut zu reflektieren.

7,5/10 Punkte

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