Album Kritik

Hypocrisy - End Of Disclosure

Erstellt von Eugen | |   Album Reviews

 

HYPOCRISY – End Of Disclosure (Nuclear Blast)Nachdem es seit dem Release von „A Taste Of Extreme Divinity“ und der anschließenden Welttour, es einmal abgesehen von dem ein oder anderen Festival in den vergangenen beiden Jahren, aufgrund der Aktivitäten von Mastermind Peter Tägtgren mit seinem zweiten Aushängeschild PAIN, ziemlich ruhig um HYPOCRISY wurde, durfte man auf das neueste Machwerk unter dem Banner seiner Stammband vollends gespannt sein.

 

Nun, nachdem sich HYPOCRISY in gewisser Weise spätestens seit der „Fourth Dimension“-/“Abducted“-Phase als wahres Death Metal-Chamäleon präsentierten, sprich einerseits doch immer wieder etwas heftiger und bisweilen auch mit einer dezenteren bis offensichtlicheren Old School-Schlagseite und auf der anderen Seite sehr sphärisch, wobei dieses Extrem meiner Ansicht nach mit dem `99er Werk „Hypocrisy“ am extremsten und konsequentesten umgesetzt wurde, Klangwelten in deren Bandbreite sich auch genügend Platz für eher Thrashlastige Songs á la „Point Of No Return“ gefunden hat, darf man durchaus gespannt sein, wie die beiden Schweden und der Norweger auf „End Of Disclosure“ vorgehen würden. Was soll ich sagen, es ist genau das Album in der beschriebenen Schnittmenge geworden, auf das man hoffen konnte. Meister Tätgtgren hat dieses Unterfangen wohl komplett zur Chefsache erklärt und im Gegensatz zur Vergangenheit fast das komplette Material alleine komponiert, aber dazu später etwas mehr.

Eröffnet wird das 2013er Opus mit dem titelgebenden Opener, der für mich anfänglich vor allem im Strophenteil etwas sperrig anmutete, was sich allerdings nach ein paar Hördurchgängen wohlwollend erübrigt hat, der Vergleich zu „Fractured Millennium“, den man in diversen anderen Reviews lesen konnte, kann ich nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, da der Song zwar strukturell von der dynamischen Spannung durchaus mit dem Opener des `99er Outputs vergleichbar ist, sich aber in Bezug auf Melodieführung deutlich abhebt. „Tales Of Thy Spineless“ erzeugt hierzu dann einen willkommenen Counterpart, da es sich hierbei um einen der heftigsten Tracks des Albums handelt, vor allem zeigt sich seit dem Einstieg von Horgh doch auch wieder ein vermehrter Einsatz von blastigen Parts und davon findet man hierin genügend. Der Einstieg und Strophenteil ist eher im oldschooligen Schwedentod angesiedelt, wohingegen der Refrain durchaus dezente Black Metal-Reminiszenzen aufweißt, ehe der Song etwa zur Halbzeit deutlich in thrashigere Gefilde abgleitet um gegen Ende hin nochmals mit Vehemenz loszubrechen. Der dritte Track „The Eye“ stellt für mich fast den Höhepunkt in einem Album voller Höhepunkte dar, ein Midtempokracher, wie er nur aus der Feder von Peter Tägtgren stammen kann, anfänglich kommt sogar leichtes 80er Jahre-Feeling auf. Der Refrain kann nur als Weltklasse bezeichnet werden und thematisch dürfte man sich hierzu wohl „1984“ als Inspirationsquelle genommen haben, ein Klassiker. Das darauffolgende „United We Fall“ ist dann mein persönlicher Fave auf „End Of Disclosure“, ein gnadenlos nach vorne bretternder Kracher im Fahrtwasser von „Through The Window Of Time“, „Point Of No Return“,  „Reborn“ oder „Valley Of The Damned“. Mit „44 Double Zero“ sind wir dann auch schon in der Mitte des Albums angelangt und gemäß dem seit „The Final Chapter“ bekannten Patentrezept, kann auf einen heftigen Track nur ein Midtempostampfer folgen, und dieser zeigt durchaus Vergleiche zu „Fusion Programmed Minds“ vom selbstbetitelten 99er Output auf. Track Nummero sechs, auf den Titel „Hell Is Where I Stay“ hörend präsentiert HYPOCRISY in einem doch etwas gewöhnungsbedürftigem Gewand, wobei dies keinesfalls negativ aufgefaßt werden sollte, da mich dieser Track eher an die zähflüssigen Eruption von „Blessed Are The Sick“ erinnert und mit seiner morbide angehauchten Melodieführung deutlich mehr nach Übersee denn nach Schweden klingt. „Soldier Of Fortune“ präsentiert sich in gewisser Form als Überraschung, nicht weil es nicht eindeutig als HYPOCRISY-Track identifizierbar wäre, sonder eher aufgrund der Tatsache, daß es sich hierbei um ein Co-Komposition vom Meister himself mit seinem dreizehnjährigen Sprößling Sebastian handelt, der wohl die gleichen musikalischen Vorlieben seines Vaters übernommen hat, Grundsätzlich präsentiert sich dieser Song eher im Midtempo angesiedelt mit interessanten rhythmischen Variationen. „When Death Calls“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Song vom 89er BLACK SABBATH-Release „Headless Cross“ geht als einer der härtesten und heftigsten von HYPOCRISY durch, überwiegend gnadenlos nach vorne preschender Death Metal, der allerdings beängstigend perfekt die Gratwanderung zu einem hochmelodischen Refrain meistert, ohne daß man hierbei den Eindruck hätte, daß hier krampfhaft versucht wurde konträre Parts miteinander zu kombinieren, den es klingt durchwegs homogen. Für die reguläre Abschlußnummer konnte man Ex-Schlagzeuger Lars Szöke als Komponisten gewinnen, der hierbei ein sehr sphärisches Kleinod mit beklemmender Atmosphäre, das sich durchaus mit „Shamateur“ oder auch „The Final Chapter“ vergleichen läßt und eigentlich auch aufzeigt, daß nicht nur Peter Tägtgren ein hervorragender Songwriter ist, wobei ich hier auch bei dem einzigen, verschwindend geringen Kritikpunkt bei „End Of Disclosure“ angekommen wäre, nämlich, daß es sich hierbei um das erste Album seit den Anfangstagen der Band handelt, auf dem kein einziger Song aus der Feder von Mikael Hedlund ist, der sich in der Vergangenheit immer als Garant für herausragende und aus keinem Live-Set der Schweden wegzudenkende Tracks wie „Fire In The Sky“, „Weed Out The Weak“ oder „Adjusting The Sun“ präsentierte.

Als Fazit kann man wohl durchaus ziehen, daß HYPOCRISY Anno 2013 stärker denn je klingen und zwar einerseits das Rad oder sich selbst nicht neu erfunden haben, aber mit „End Of Disclosure“ ein Album veröffentlicht haben, daß auch als Best Of der eigenen Bandhistorie durchgeht, denn es findet sich hierauf kein schwacher Moment, es ist alles detailverliebt und ausgefeilt arrangiert worden, der Keyboardeinsatz in den sphärischen Passagen ist zwar wahrnehmbar und erfüllt seinen Zweck perfekt, wurde aber in der Produktion doch an die ihm zustehende, eher untergeordnete Stelle im Gesamtsound gemischt. Über die Produktion an sich braucht man sowieso keine Worte verlieren, sprich auch in diesem Bereich alles im grünen Bereich.

10 Punkte

Zurück