Avatarium live garantiert grandiosen Hardrock! Leider vor schütterer Kulisse

Erstellt von Aamon | |   Fotos

Avatarium spielen im Wiener Viper Room. Dazu sitzt mein alter Kollege Drone an den Soundknöpfen. Die schwedische Ausnahme-Band wollte ich immer schon mal live sehen. Das letzte Album ist bis auf Medusa Childetwas entäuschend gewesen, aber insgesamt ist das Jammern auf hohem Niveau. Die Band agiert wirklich musikalischauf hohem Level und die Songs zwischen melodischem Hardrock und Doom haben nicht zuletzt  dank der guten Vocals von Jennie-Ann Smith echten Wiedererkennungswert.70 Fans waren gleicher Meinung und pilgerten in den Viper Room. Das wird dieser Band überhaupt nicht gerecht. Die gesamte Tourläuft leider nicht überragend. Es zeigt sich, dass Qualität nicht immer ankommt.

The Slayerking aus Griechenland sind als Vorband dabei, überzeugen grundsätzlich, aber nach ein paar Songs wirkt ihr Doom Metal doch etwas langatmig. Vielleicht kann die Band unter anderen Vorausetzungen noch einen draufsetzen. Spielerisch war man prägnant, auch die Rhythmik kam phasenweise fett, aber vor 25 Zuschauern kommt die Musik eben doch nicht so zündend rüber, wenn man im Halbdunkel des Viper Rooms musiziert.

Selbstverständlich war das ein Treffen der Musik-Gourmets. Viele kamen doch mit Avatarium-Shirts zur Show. Erfahrungsgemäß sind das jene Gigs, wo die Stimmung perfekt ist, auch wenn es nur ein eingeschworener Haufen an Fans ist, der für Furore sorgt.

Avatarim starten extrem frisch ins Set. Into The Fire, Pearls And Coffins zeigen, wie gut melodischer Hardrock grundsätzlich funktioniert, wie viel Power eigentlich bei dieser Musik rüberkommt. Auch weil  damalige Bands wie Uriah Heep oder Rainbow rezitiert werden, die nicht so oft stilistisch kopiert wurden, wirkt die Musik von Avatarium richtig frisch.

Auffällig ist natürlich das gute Spiel dieser schwedischen Top-Musiker, die sich da zusammengefunden haben. Selten hört man derartig fantastische Soli-Einlagen zwischen Keyboard und Gitarre. Aber auch Jennie-Ann trägt mit ihrem Gitarrenspiel viel zur guten Show bei. Wenn sie mit der Akustik-Gitarrre einen Song anstimmt, hat das was Singer/Songwriter-mäßiges. Dazu bringt sie positive Ausstrahlung mit und überzeugt mit wirklich kraftvoller Stimme. 

Selbstverständlich war auch der Sound großartig. Umsonst nimmt man Soundmann Drone nicht auf Tour mit und ihn wird nicht umsonst bei der Bandvorstellung extra gedankt! Diese Mischung aus wirklich fettem Klang und den feinen, gefühlvollen Hardrock-Elementen war spitze.

Das Publikum ging aus guten Gründen voll ab. Interessant bleibt die Frage, weshalb es Avatarium  noch nicht geschafft haben, größer zu werden. Gerade Vintage und Doom boomen, was aber auch bedeutet, dass einfach extrem viele derartige Gigs stattfinden und dass es auch in dieser Richtung modische Trends gibt. Ein wenig Psychedelic oder die Led Zeppelin/Black Sabbath muss es wohl sein. Um so wichtiger, dass die Band von Bandgründer Leif Edling (Candlemass) eigenständig bleibt.