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Rückblick aufs Kaltenbach Open Air 2018

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Im Vorfeld des Festivals wurde dieses Jahr viel übers Wetter geredet. Ein  Tief soll genau an diesen Tagen Regen und Kälte in die Bergregion bei Spital am Semmering bringen. Die letzten Jahre waren ja mehrheitlich richtig schön wettertechnisch, man ist mittlerweile sogar etwas verwöhnt worden.

 

2018 war das Wetter  doch etwas durchwachsen, aber nicht wirklich dramatisch. Am Donnerstag war   sogar Kaiserwetter angesagt und auch am Freitag hat teilweise die Sonne vom Himmel gelacht. Wenn es wirklich mal zwischendurch kurz geregnet hat, war es ein leichtes Nieseln. Auch die Temperaturen haben gepasst.  Samstag kam das Tief aber dann tatsächlich etwas in die Gänge. Immer wieder gab‘s Regen. Von wirklicher Kälte und Starkregen aber weit entfernt. Den ersten wirklich stärkeren Regen gab‘s am Festival-Ende traditionell bei Belphegor, dazu später mehr.

 

Infrastrukurell gab es dieses Jahr ein paar Veränderungen, die sehr positiv angekommen sind. 

 

Das aus der Puls 4-Sendung 2 Minuten 2 Millionen bekannte Startup öklo hat dem Kaltenbach-Team seine Dienste angeboten und deshalb standen überall wunderbare, immer gereinigte Öko-Toiletten rum, die sogar mit Licht ausgestattet waren. Diese Verbesserung ist extrem gut angekommen bei den Besuchern.  Selbst im Mainstage-Bereich gab‘s endlich auch eine dazugehörige Pissrinne und sogar Händewaschen war möglich. 

 

Zusätzlich hat man die Händlermeile weiter nach unten in die Kurve versetzt, was auch für mehr Flair gesorgt hat. Hier muss man aber leider zumindest erwähnen, dass die katholische Kirche einen Stand gemietet hat. Mit Metal-Bibeln wurde versucht, Metalfans wieder auf den Pfad der Frömmigkeit zu bringen. Diese Entwicklung finde ich sehr problematisch.

 

Welche Highlights gab‘s musikalisch?

 

Donnerstag  war Anreise-Tag, dennoch war schon recht viel los. Steel Engraved lieferten einen famosen Gig ab, der viel Spielfreude ausstrahlte. Man sieht auch, dass klassischere Bands bei Festivals einfach immer gut ankommen. Hoffentlich wird zukünftig noch mehr in diese Richtung investiert. Die Power Metaller aus Niederbayern werden ihre Reise in die östliche Bergwelt von Österreich nicht bereut haben.

 

Gleich darauf waren Bölzer  dran, definitiv komplett andere Liga. Wenngleich der Ausdrucks-Black Metal der Schweizer selbstverständlich auch für gute Stimmung sorgt, auch wenn die Musik völlig anders gelagert ist. Es ist erstaunlich, wie vielschichtig Bölzer eigentlich klingen, schließlich sieht man hier ein Duo auf der Bühne. Sänger und Gitarrist Okoi Thierry Jones ist wirklich ein außergewöhnlicher Musiker. Sein Gesang ist extrem ausdrucksstark. Interessant auch, wie harmonisch die Musik  in dieser Gitarre/Drums-Konstellation eigentlich rüberkommt. Man sollte es kaum für möglich halten.    Vom typischen Bölzer-Publikum ist am Kaltenbach wenig zu sehen, dennoch erspielt sich die Band viele neue Fans.  

 

Auf Batushka waren viele Fans sehr gespannt, doch die polnischen Black Metal-Kirchgänger überstrapazierten etwas die Geduld des Publikums. Ewig zog sich der Aufbau der sehr ästhetischen Bühnenshow hin. Das war der Stimmung dann auch nicht ganz zuträglich, viele verzogen sich zu den Bierständen, die anderen haben danach eine relativ kurze Show gesehen, die nicht so überzeugend war wie der Gig beim Vienna Metal Meeting, aber doch überdurchschnittlich gut.

 

Der erste viele überraschende Höhepunkt am Freitag war Downfall Of Gaia. Die deutschen Post Black Metaller zauberten  ein sehr düsteres Flair in die Waldlichtung. Sehr brutale, leicht crustige Songs, die aber neben der Raserei auch mal in eine trancigere, melodischere Richtung gelenkt wurden, zeichnet diese Band aus.

 

Eine völlig andere Kiste sind Hirax aus dem schönen Kalifornien. Die Amis sind seit den 80ern dabei und waren immer dritte Liga.  Frontmann Katon W. de Pena  erlangte einige Bekanntheit, weil der sympathische Die Hard-Metalfan nicht nur eine außergewöhnlich positive Stimmung verbreitet, sondern er war auch einer der ersten schwarzen Musiker, der bereits in den 80ern in diese eigentlich weiße Domäne des Thrash Metals vorgedrungen war.

 

Musikalisch muss man die Sache kritischer sehen. Es gibt oft Gründe, wieso eine Band nicht wirklich populär wird. Gleichzeitig ist es immer wieder interessant, dass solche Bands dann auf einmal auf viele  Festivals gebucht werden  und alle so tun, als wären sie schon immer große Fans gewesen. Das alles spielt aber keine Rolle, die Show war cool, die Band ist ja definitiv super angekommen und der rumpelige Thrash Metal hat  doch ein gewisses Flair.   Die Kalifornier haben den Ausflug in die steirische Bergwelt sehr genossen und sich auch nach dem eigenen Gig vergnügt einige Bands angeschaut.

 

 Sie haben also  auch die sehr coolen Goatwhore gesehen. Die Band aus New Orleans  hat einen guten Ruf in der Szene und das zurecht.  Brutaler und direkter Black/Death mit einigen crustigen Einschlägen und vielen Killer-Riffs.

 

Ein Highlight am Freitag war dann die zweite Legende Toxic Holocaust. Das Trio aus Portland, USA war richtig geil. Diese punkigen Highspeed-Thrash-Riffs direkt aus den 80ern  sind einfach nur cool. Leider hat die Band nach ein paar Songs die Show beendet, obwohl sie eigentlich noch Spielzeit gehabt hätten. Schade, die paar Minuten waren fantastisch. Es ging aber Schlag auf Schlag und die nächsten Amis warteten schon.

 

The Black Daliah Murder sind dann nochmal eine Steigerung in Sachen Brutalität.  Hektisch und ultrabrutal fegten sie über die Bühne. Mir geht bei solchen Bands aber  die  Atmosphäre ab und sie stressen mich. Einen Teil der Besucher hat der erstklassige Brutal Death aber ziemlich gut gefallen und auch vor der Bühne ging richtig die Post ab.  

 

Als am Samstag Nachmittag Walgeflüster die Bühne betreten, nieselt es leicht, aber die Fans bleiben stehen und genießen eine wirklich gute Band. Der Name ist mir persönlich etwas zu bedeutungsschwanger, melodramatisch und kitischig, aber die Band ist viel besser als der Name. Toller Atmosphären-Black Metal mit einigen herausragenden Songs, die immer  wieder nach vorne rasen, aber auch schwelgen und stehenbleiben.  Einen Song vom kommenden Album spielten sie auch, der war herausragend atmosphärisch und sehr melancholisch.

 

Auch der Gothic Death Metal der Slowaken von Doomas war mehr als nur nett. Fetter Sound, eingängige Songs und ein meist simpler Groove. Das war definitiv gut hörbar. 

 

Cruachan zauberten am frühen Abend irischen Folk auf die Bühne und agierten fast wie eine Show-Band, weil alles sehr gut durchkonzipiert schien, aber die  Band aus Dublin erzeugte selbstverständlich auch eine authentische  Atmosphäre und Folk Metal kommt live sowieso immer gut an. Im direkten Vergleich waren die Isländer Skalmöld letztes Jahr aber zündender und sind noch  besser angekommen beim steirischen Publikum.

 

Viele waren auf Nervosa aus Brasilien gespannt. Das weibliche Trio zog die Massen. Der Mainstage-Bereich war trotz Regens voll. Die Band ist live natürlich ein Hingucker. Die Mädels ziehen eine gute Show ab, bleiben aber musikalisch einiges schuldig. Sehr varianten-und ideenreich ist der Thrash Metal der Damen nicht gerade.

 

Abends stand Tsjuder und damit  klassischer Black Metal ohne Firlefanz auf dem Programm.  Die Show war gut, die Songs auch, die Abwechslung fehlte aber ein wenig. Dennoch war die Band gut drauf und verströmte viel kalte Black Metal-Vibes, die hervorragend zum immer mehr abkühlenden Wetter passten.

 

Belphegor ist   freilich  eine komplett andere Liga. Ich habe die Band schon dutzende Male gesehen, aber nicht ansatzweise so cool wie an diesem Abend. Das mysteriöse Eyes Wide Shut-Intro kam diesmal noch intensiver, die coolen, sehr sparsamen, aber effektiven visuellen Effekte und dann dieser extrem geniale Einstieg mit dem   episch-sperrigen  Sanctus Diaboli Confidimus.  Was für eine gewaltige Atmosphäre hier erzeugt wurde, ist beispiellos. Trotz des einsetzenden stärkeren Regens  blieben fast alle Fans gebannt stehen.

 

Die Band hat sich vom rituellen Charakter vieler neuerer Bands positiv stimulieren lassen und legte sehr viel Wert auf eine mystische Atmosphäre mit einigen Ruhepausen.   Zusätzlich hüllte Bartl (Our Survival Depends On Us) die Bühne in Mönchskutte gekleidet in Rauch. Diese Show war ein  würdiger Festival-Abschluss. 

 

Leider musste danach noch eine Band ran. Nach so einer intensiven Show  ist es um so schwieriger, wenn man erstens Power Metal spielt und es zweitens zum ersten Mal bei diesem Festival richtig zu schütten beginnt. Ich bin sowieso der Meinung, dass man mit diesen After-Show-Gigs den Bands keinen Gefallen tut. Das Publikum wandert meist relativ geschlossen nach dem letzten Hauptact ab, der Rest geht saufen.

 

Diesmal war es wegen dem atmosphärischen Belphegor-Gigs  davor und dem einsetzenden Starkregens leider ganz krass.  Liquid Steel wären unter anderen Umständen eigentlich ein Festival-Highlight.  Liquid Steel  ist grundsätzlich klasse und erzeugt wohl immer Stimmung. Diesmal spielten die Tiroler vor knapp 15 Die Hard-Fans, die die Band  richtig   abfeierten.   Man sollte ihnen nächstes Jahr nochmals eine Chance geben!

 

Danke ans Veranstalter-Team für 3 fantastische Tage am Semmering!