Interview

Das Kaltenbach Open Air geht 2015 ins 10-jährige Jubiläum.

Erstellt von Aamon | |   Interview

Das Billing des Kaltenbach Open Airs für 2015 ist hochinteressant geraten. Auf den ersten Blick wirkt es ein wenig undergroundig, aber das war durchaus im Interesse der Veranstalter, die mit diesem Gelände weder größer werden können, noch wollen. Von den internationalen Bands ist dennoch kein Füller dabei, sondern nur Killer und auch die guten österreichischen Bands sind im wesentlichen vertreten. Stilistisch gibt's aber Stimmen, die bemängeln, dass zu wenig Augenmerk auf angesagte Stilistiken gesetzt wurde. Wir haben bei Booker Ronny nachgefragt, was dahintersteckt.

Metalpresse:  Das Festival 2014 war für euch auch mit einem Neuanfang verbunden. War es ein erfolgreicher Neuanfang?

Ronny:  Im Nachhinein gesehen kann man sagen: Ja! Sowohl wir, als auch ein Großteil der Gäste waren mit der Neuauflage sehr zufrieden, das hat man an den vielen positiven Reaktionen gemerkt. Das baut natürlich auf und so haben wir uns entschlossen, den Spirit des Kaltenbach Open Air weiterleben zu lassen.

Metalpresse:  Ihr habt bewusst weniger die ganz großen Namen gebucht. Ist es mit größeren Bands gar nicht möglich, am Kaltenbach erfolgreich zu sein als Veranstalter?

Ronny:  Ich denke mit SODOM, NARGAROTH, BELPHEGOR oder auch MALEVOLENT CREATION haben wir doch einige Kapazunder am Start gehabt. Diese Bands bewegen sich sehr wohl in der Elite des Metal Undergrounds. Wie man am Beispiel AMON AMARTH gesehen hat, müssen es nicht immer die ganz großen Namen sein, um Erfolg zu haben. Und wir sind nun mal ein Underground Festival und distanzieren uns ganz klar vom Kommerz. Wir sind nicht bereit, absurde Summen für Bands zu bezahlen. Diese Linie werden wir definitiv weiter verfolgen.

Metalpresse:  Du arbeitest bei Catapult-Promotion im Booking für das Kaltenbach Open Air. Gibt es da inhaltliche Problemzonen, was Stil-Ausrichtung der Bands betrifft?

Ronny:  Diese Frage muss ich verneinen. Ich selbst bin bei Catapult Promotion tätig, das eine hat jedoch nichts mit dem anderen zu tun und Catapult Promotion ist kein Part des Kaltenbach Open Airs. Natürlich habe ich meine Ideen, meine langjährige Erfahrung und meine internationalen Kontakte eingebracht. Mir ist aber wichtig, das Ganze zu trennen. Das sind einfach zwei Paar Schuhe.

Metalpresse:  Das Billing 2015 ist sehr interessant. Mit welchen Bands ist die Booking-Phase easy verlaufen? Gab's auch Bands, die ihr aus finanziellen Gründen nicht bekommen habt?

Ronny:  Ja, wir sind mit dem Ergebnis auch sehr zufrieden. Es waren teilweise wirklich harte Verhandlungen, aber im Endeffekt sind wir sehr glücklich darüber, dass wir dieses Line Up auf die Beine stellen konnten. Natürlich gab es einige Bands, die wir gerne im Kaltenbachgraben gesehen hätten, aber wie schon oben erwähnt sind wir einfach nicht bereit, Summen zu zahlen, die fernab jeglicher Realität sind.

Metalpresse:  Momentan ist in der Metalszene ein großer Teilbereich sehr angesagt, der zwischen Doom/Retro/Post-Black Metal pendelt. Ihr habt mit Agalloch nur eine derartige Band im Programm. Würde das nicht neue Zuschauerschichten bringen und würden nicht gerade solche Bands auch atmosphärisch auf diese schöne Waldlichtungs-Bühne passen?

Ronny:  Wer versichert mir, dass dieses Genre uns mehr Zuschauer bringen würde? Ganz im Ernst, wir haben versucht, wie immer eine gute Mischung aus allen Extreme-Metal-Bereichen zu erzielen, das ist uns gelungen. Es ist klar, dass dieses Genre gerade sehr gefragt ist und wir sind froh, mit AGALLOCH den Vorreiter dieser Szene bei uns begrüßen zu dürfen. Aber es gibt einfach so viele gute und interessante Bands, so dass wir eine ganze Woche füllen könnten. Wir haben diesmal viel Wert auf Exklusivität gelegt.

Metalpresse:  Eine Frage zur Infrastruktur. Ihr bietet fantastisches Bier an und auch das Essen ist immer gut. Aber: War der Platz fürs Essen richtig gewählt? Früher hat man auch an der Kurve ein angenehmes Ambiente erzeugt und drinnen war mehr Platz.

Ronny:  Der Platz für das Essenszelt war definitiv richtig gewählt. Das wurde uns im Nachhinein auch so bestätigt. Aus logistischen und sicherheitstechnischen Gründen, können wir leider die Kurve nicht mehr nutzen. Und was den Platz am Gelände betrifft: ich denke hier war noch mehr als genug vorhanden, wir waren ja nicht ausverkauft.

Metalpresse:  Einige kritische Stimmen gab's zur etwas zu kleinen Bühne. Wird da nachgebessert?

Ronny:  Ja, heuer werden wir wieder eine größere Bühne haben. Das war einer der Kritikpunkte, die wir uns zu Herzen genommen und darauf reagiert haben. Hier wird definitiv nachgebessert. Der Besucher kann sich also über eine größere Bühne am KOA 2015 freuen.

Metalpresse:  Wie viele Zuschauer braucht ihr 2015, um glücklich und zufrieden die Bühnen abzubauen am Sonntag?

Ronny:  Zahlen werde ich hier keine nennen, aber das 10jährige Jubiläum ist natürlich mit vielen Kosten verbunden und wir zählen auf jeden einzelnen Metalhead, uns hier zu unterstützen und auf den Berg zu kommen. Nur so kann es weitere Auflagen unseres Festivals geben.

Metalpresse:  Von wo kommen die Besucher statistisch am häufigsten? Ist der Anteil der Gäste aus dem Ausland angestiegen oder zurückgegangen?

Ronny:  Besucher kommen aus den verschiedensten europäischen Ländern. Eine genaue Auflistung kann ich dir hier leider nicht anbieten, aber der Zustrom ist sehr gut verbreitet. Egal ob aus dem Norden oder Osten, die Leute pilgern von überall auf das Kaltenbach. Das macht uns natürlich schon stolz und bestätigt unsere gute Arbeit.

Metalpresse:  Weshalb hat es ein Metal-Festival in Ost-Österreich eigentlich so schwer?

Ronny:  Das ist eine gute und berechtigte Frage. Wenn wir diese beantworten könnten, wären wir wohl Hellseher :-) Nein im Ernst: Es gibt heutzutage diese ganzen Riesenfestivals wie Nova Rock oder jetzt auch das Rock in Vienna, mit denen die breite Masse angesprochen wird. Das Kaltenbach ist und bleibt jedoch ein kleines Festival im Extremsektor. Natürlich würden wir uns wünschen, dass auch wir jedes Jahr „Sold Out“ sind, aber das kann man nicht vorhersehen und wir können auch niemanden dazu zwingen, unser Festival zu besuchen. Was wir können, ist uns den Arsch aufzureißen, um dem Besucher das Bestmögliche zu einem fairen Preis zu bieten. Apropos Preis: trotz dieses Line Ups haben wir uns entschlossen, den Festivalpass auch dieses Jahr wieder unter 50 Euro zu halten, das ist uns gelungen, und ich hoffe die Leute wissen das auch zu schätzen.

Metalpresse:  Wo würdet ihr eure Grenze ziehen, was Zuschauer-Anzahl betrifft?

Ronny:  Das Gelände ist für knapp 2000 Leute konzipiert, mehr geht nicht und mehr wollen wir auch nicht. Wenn der Vorverkauf weiter läuft wie bisher und auch die Wetterlage passt, sind wir durchaus guter Dinge diese Marke erreichen zu können.

 

Metalpresse:  Stehen die umliegenden Ortschaften und ihre Bewohner nach wie vor hinter euch?

Ronny:  Die Gespräche verlaufen gut und wir haben das Glück, dass die Gemeinde immer voll hinter uns steht. Natürlich gibt es immer wieder negative Stimmen, aber diese gilt es zu überzeugen. Für einen Wintersportort wie Spital am Semmering ist es aus tourismustechnischer Sicht natürlich auch etwas ganz Besonderes, wenn an einem Sommerwochenende die Metalfans hierher strömen und 3 Tage Party machen.

Metalpresse:  Auf welche Bands freust du dich persönlich am meisten?

Ronny: Das gesamte Line Up ist sehr, sehr interessant heuer, so richtige persönliche Favoriten habe ich gar nicht.

Metalpresse:  Nimmst du dir überhaupt Zeit, dir zumindest ein paar Bands anzuschauen?

Ronny:  Ab und an schaffe ich es, mir eine Nummer anzugucken, oder wenn mal ein wenig mehr Zeit bleibt, eine ganze Show. Im Endeffekt bin ich aber den ganzen Tag am Gelände unterwegs und mache viele Kilometer.


Nähere Infos: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kaltenbach-openair.at

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