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Im Interview: ConXious - Selbst in der Außenseiter-Nische sind wir Außenseiter

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Conxious ist eine der wenigen Bands einer Szene, die für Individualität steht, aber leider in Österreich nicht sehr stark vertreten ist. Für viele Bands aus dem Progbereich ist es schwierig, ihr Publikum zu finden, da es fast keine wirklichen Zielgruppen gibt, die als Publikum einheitlich funktionieren. Sehe ich mir ein Konzert einer anderen, übrigens äußerst guten österreichischen leicht alternativen Prog-Band wie Phi an, dann ist das Publikum zu sicher 90% ein komplett anderes als bei einer eher im klassischen  Rock/Metal-Prog agierenden Band wie ConXious. Zusätzlich musizieren ConXious ohne genre-typische Keyboards und sind doch relativ eigenwillig und sperrig ohne jeglichen Easy Listening-Kleister, der sogar im Progbereich relativ häufig vorkommt. Wie lebt es sich eigentlich als österreichische Prog-Band? Wir fragen mal genauer bei Bandboss Alexander nach.

 

MP: Ihr habt gerade nach vielen Jahren ein neues unbetiteltes Album veröffentlicht. Wie lange arbeitet man eigentlich als Prog Metal-Band an den Songs?

Alexander: Unser letztes Album ist ja schon 10 Jahre alt, daher war es diesmal so, dass manche Songs auch viel Zeit hatten, um reifen zu können. Viel Zeit kostete auch die genaue Instrumentierung, da wir extrem viele Takt- und Time-Changes innerhalb kurzer Zeit haben. Und die müssen in jeder Nuance passen. Entscheidend ist, ob man die Teile rhythmisch eher vorne, eher laid back, spielt, oder wie es mit Modulationen und Variationen aussieht oder man stellt sich Fragen, welchen Platz z.B. fills usw. bekommen. Die Taktwechsel sind teilweise gar nicht offensichtlich, sondern fallen nur auf, wenn man versucht, mitzuzählen oder wenn man headbangen will.  Und subtile Changes sind deutlich schwieriger einzustudieren als klar herausstechende. Meistens klingen Songs schon nach ein oder zwei Durchgängen gut und die Arbeit an den Details kann dann ewig dauern.

MP: Ihr betreibt eure Band nicht als Fulltime-Job. Was sind die Vorteile, keine Zwangsverpflichtungen zu haben?

Alexander: Was ich wirklich fein finde, ist die völlige Freiheit, die Musik zu machen, die ich wirklich will und mich keinem geschmacklichen Zwang unterordnen zu müssen, außer meinem eigenen und den meiner Band-Kollegen. Wir sind völlig unkommerziell in unserem musikalischen Schaffen. Mainstream ist uns wurscht und es gibt gottseidank genug Leute, die das zu schätzen wissen.
Schon in der Instrumentierung stehen wir ohne Keyboard ziemlich alleine in der Prog-Nische da. Selbst in der Außenseiter-Nische sind wir Außenseiter.  Mir als diagnostiziertem Zwangsindividualisten taugt das.

MP: Wirkt sich das aufs Songwriting aus?

Alexander: Ja klar. Wir freuen uns zwar, wenn man unsere Musik mag, aber es ist nicht vordringlichstes Ziel. Auf unserer CD gibt es deswegen auch einen Stilmix, den sicher nicht jeder cool finden wird. Da gibt es neben progressiven Breaks, Trash-Metal, richtige Folksongs, klassisch orientierte Stellen, bluesige Solos, schräge Harmonien, Hardrock-Reminiszenzen und gefühlvolle Parts Manchmal macht es mir beim Komponieren Spaß, Erwartungshaltungen genau nicht zu erfüllen. Deswegen herrscht selbst in der Band manchmal Unklarheit, was der Refrain, was die Strophe und was nur eine Bridge ist. Mir fällt Songwriting recht leicht, ständig sind da Ideen und Themen, deswegen mache ich es mir bewusst schwer, um nicht in vorhersehbare Muster zu fallen. Da gibt es keinen Kompromiss und nur was von der ersten bis zur letzten Sekunde gefällt, gilt als fertiger Song.

MP: Wie sieht die Studio-Arbeit im Hause conXious aus?

Alexander: Dies war die erste CD, die wir ganz in Eigenregie in meinem Studio aufgenommen haben. Jede Menge Arbeit und jede Menge Experimente. Die Schwierigkeit war, den erdigen Live Sound aus unserer spartanischen Instrumentierung (Bass/Drums/Gitarre) zu erhalten und trotzdem das Potential des Studios und der Songs auszunutzen.
Die Produktionsseite war ein Abenteuer. Dabei lernt man noch mehr über Dynamik, Sound und Instrumentierung. Hat alles sehr viel Spaß gemacht, viel Toleranz von unseren Familien gefordert und ich war richtig froh als es vorbei war. Jetzt freue ich mich darauf wieder live zu spielen.

MP: Mit wie vielen verkauften Exemplaren rechnet man als österreichische Prog Metal-Band?

Alexander: Wichtig ist, dass sich das alles halbwegs selbst finanziert und das hat es bis jetzt jedes mal. Wir werden ca. 500 CDs verkaufen, wobei ich nicht einschätzen kann, inwieweit der Verkauf auf den MP3-Plattformen den Verkauf realer CDs einschränkt. Man wird sehen.

MP: Verkauft ihr auch international?

Alexander: Ja, am meisten nach Deutschland, aber auch Italien, Frankreich usw.

MP: Bringt ihr das Album in Eigenregie raus?

Alexander: Ja

MP: Seid ihr mit dem Ausdruck Prog-Metal zufrieden?

Alexander: Die Bezeichnung hat uns sehr dabei geholfen, uns bei der Rolle als Organisator und Support für internationale Progbands zu positionieren. Wir haben ja mit Bands wie Pain of Salvation, IQ, Subsignal, Sieges Even, Leprous, Vanden Plas, Riverside, Flower Kings, Arena, Orphaned Land, Spock's Beard, Andromeda usw. Konzerte organisiert und selbst gespielt. Das Publikum weiß, was es erwarten darf, wenn wir im Spiel sind. Man kann mit der Bezeichnung leben. That's it.

MP: Welche musikalischen Vorbilder haben die einzelnen Musiker bei euch?

Alexander: Ich steh auf Songwriter wie Bob Dylan, Gitarristen wie Mark Knopfler und Chris Rea. Dann kommen natürlich die Guitar Heroes à la Zakk Wylde, Marty Friedman, Yngwie Malmsteen, Steve Morse usw. Und noch die Progressive Bands, allen voran Fates Warning. All das hat mein Songwriting beeinflusst, inklusive meiner Beschäftigung mit klassischer Gitarre.
Unser Sänger Michi ist großer Alice Cooper Fan. Mein Bruder und Schlagzeuger Michael ist stark von Progressive Music beeinflusst und hört gerne Rush, Royal Hunt, Arena usw.
Unser Bassist Pio hat einen sehr breitgefächerten Geschmack von modernem Metal bis Jazz, Funk und Reagge.

MP: Was hältst du von der neuen Dream Theater-Scheibe?

Alexander: Habe ich nicht gehört. Ist sie gut? DT waren nie mein Fall, obwohl ich eine Music Man JP6 (John Petrucci – Dream Theater - Signature Model) spiele. Die Gitarre ist der Wahnsinn.

MP: Wie geht ihr denn vor, wenn es um einen neuen Song geht? Entsteht der zufällig?

Alexander: Meistens bereite ich die Songs und Lyrics vor, und wir erarbeiten dann in der Band gemeinsam die Feinheiten. Bei der Gesangslinie gibt es ein paar Grundideen und einen Text, der viel zu viel Worte hat um in die Melodie zu passen. Das Riff und die Gitarrenlinien sind am Anfang rhythmisch und melodiemäßig sehr dominant und die anderen Instrumente und Vocals bauen sich darum auf, sodass in der Kombination was Neues, Gemeinsames entsteht.

MP: Viele Prog-Bands schreiben leider auch viel Dur-lastige Positivismus-Mucke, was für mich teilweise unhörbar ist, weil ich melancholische Musik bevorzuge. Viele Prog-Bands, versuchen, alle Ausdrucksmöglichkeiten auszuloten, was gar nicht so ideal ist. Seid Ihr mehrheitlich melancholisch orientiert? Setzt ihr emotionale Ausdrücke bewusst ein wie z.B. ein Filmmusik-Komponist? Oder gibt's Tendenzen und Vorlieben und ihr geht das aus dem Bauch heraus an?

Alexander: Ich habe einen sehr bewussten Ansatz was Stimmungen in der Musik betrifft. Ich versuche musikalisch eher einen Kontrapunkt zu setzen. Eine romantische Textstelle von einem Killer-Riff unterlegt, nachdenkliche Passagen verspielt unterlegt, trauriges in Dur und fröhliches in Moll. Dabei geht es mir darum: Das Texten bedeutet immer eine Reduktion von Inhalten aufs Wesentliche. Dabei gehen wichtige Komponenten in Reim und Takt unter. Das ergänze ich durch das musikalische Gegenteil. Z.B. May I dare, das erste Lied auf unserer CD ist ein Liebeslied an meine Frau Gudrun. Die romantische Seite ist im Text und die energetische Seite im Riff. Jedes für sich alleine wäre nicht komplett. Viel kommt aus dem Bauchgefühl, und wird dann bearbeitet und analysiert, bewusst verzerrt oder übertrieben oder reduziert und geplättet. Je nach Bedarf.

MP: Falls ein internationales Tourangebot kommt, wäre es für euch überhaupt möglich, das anzunehmen?

Alexander: Das kommt auf das Angebot an. Ich bin ein sehr lösungsorientierter Mensch.

MP: Wo spielt es sich für eine Prog-Band in Wien am besten?

Alexander: Wir haben viel in der Szene und im Reigen gemacht. Kleine Sachen gerne auch im Replugged usw. Ich vermisse das alte Rockhaus.

MP: Habt ihr zu anderen österreichischen Prog-Bands Kontakt?

Alexander: Eher mit internationalen. Aber das möchte ich gerne in nächster Zeit ändern.

MP: Euer Artwork ist sehr ungewöhnlich, passt aber zu einer Progband sehr gut?

Alexander: Das tolle Artwork ist von der Künstlerin Constance Stabilk. Wir hatten einen Facebook-Wettbewerb und dieses Bild hat uns einfach umgehauen. Ich liebe diese Sience Fiction Romantik.

MP: Wieso habt ihr die CD nach euren Bandnamen betitelt?

Alexander: Die CD heißt conXious, weil sich so viel in unserer Band-Identität geändert hat in den letzten 10 Jahren. So haben wir auch vier der wichtigsten Songs unseres Repertoires neu aufgenommen, weil sie sich in all den Jahren stark verändert haben. Auf einem Track ist ein unglaublich cooles Gitarrensolo von Marcus  Harrison zu hören. Er war Sänger und Gitarrist unseres ersten  richtigen Line ups und hat hier einen tollen Beitrag geleistet.

MP: Wo sollen Interessanten die CD bestellen?

Alexander: Zu bestellen gibt es die CD auf allen wichtigen Musik-Portalen und auf
unserer website www.conXious.com Auch auf Öffnet externen Link in neuem Fensterfacebook sind wir natürlich vertreten und  freuen uns natürlich über eure Likes.

 

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