Interview

Interview: Darkfall - Eine österreichische Death Metal-Institution wird 20!

Erstellt von Aamon | |   Interview

Darkfall aus der Steiermark haben auch mich selbst all die Jahre meiner Metal-Laufbahn begleitet. Eine Band, der Authentizität immer wichtig war, die sich nicht verdrehen läßt. Die Frage ist, ob man dann stagniert oder doch neue Zugänge findet. Wir haben einmal mehr mit Bandboss und Sänger Spiwi über Motivation, Stilbrüche und internationale Karrieren geredet.

Metalpresse: Welches Jubiläum feiert ihr dieses Jahr und warum feiert ihr es?

Spiwi: Wir von DARKFALL feiern heuer unser 20-jähriges Bandbestehen. Nach all den Jahren, und den damit verbundenen Höhen und Tiefen,  sind wir natürlich froh, noch immer dabei sein zu dürfen. Man muss die Feste eben feiern wie sie fallen.

Metalpresse: Wenn du die bisherige Darkfall Karriere Revue passieren lasst, was hättest du definitiv anders gemacht? Was war eine ganz große Fehlentscheidung?

Spiwi:
Sicher hätte in der Vergangenheit einiges besser laufen können, und vielleicht wurde in den vergangenen Jahren einiges liegengelassen, aber anstatt einzelne Entscheidungen zu hinterfragen, sind es wahrscheinlich längere Perioden, welche zu hinterfragen sind.  Bedeutende Fehlentscheidungen sind vermehrt in der Zeit zwischen 2001 und 2003, speziell nach der Veröffentlichung von „Firebreed“, getroffen worden. Damals war vermarktungstechnisch definitiv mehr drinnen, aber wir waren einfach zu blauäugig und auch zu dumm um Kapital aus unserer musikalischen Klasse zu schlagen. Es gab zu der Zeit auch erste Reibereien innerhalb des Bandgefüges, und zu viele verschiedenen Ansichten was die sinnvolle Vermarktung einer Band betrifft. Nach all den guten Kritiken hätte es sofort ein weiteres  starkes Album gebraucht, aber anstatt dessen kam es zum großen Split. Es sollte leider viele Jahre und Besetzungswechsel brauchen, bis endlich wieder Ruhe einkehrte, und zielstrebig an neuen Songs gearbeitet werden konnte.

Metalpresse: In wie weit wirken sich neue Bandmitglieder  auf Songs und Stil aus? Wo schreitest du ein und sagst: so nicht?

Spiwi: Die aktuellen Bandmitglieder sind die Band DARKFALL. Sie definieren diese Band und deren Stil. Jedes Mitglied ist sich unserer Tradition bewusst, hat jedoch auch eigene musikalische Vorstellungen, und versucht diese bei DARKFALL einzubringen. Alles im Einklang mit den Wurzeln der Band. Man versucht neue Dinge aus, erweitert sein Spektrum, aber die Basis wird nie aus den Augen verloren. Bei uns bringt sicher jeder ein. Jeder arbeitet an den Songs mit, wenn gleich dies manchmal auch Diskussionen mit sich bringt. Das Resultat muss passen, nur darauf kommt es an. Aber bei aller Experimentierfreudigkeit, ist es schon so, dass ich nach wie vor in der alten Schule verwurzelt bin. An dieser Grundeinstellung führt nur selten ein Weg vorbei.

Metalpresse: Wie stellt sich die Band-Situation 2015 dar. Stehen neue Pläne an? Ist das Lineup stabil? Was sind die langfristigen Pläne?

Spiwi: Wir arbeiten derzeit an unserem neuen Album, welches irgendwann 2016 veröffentlicht werden soll. Die Aufnahmen haben bereits begonnen, wobei die Schlagzeug- und Rhythmusgitarrenspuren bereits im Kasten sind. Bis zum Sommer werden noch die Soli und Bassspuren fertig werden, danach bereiten wir uns auf die Festivalsaison vor. Wir werden diesen Sommer einige Jubiläumsshows spielen, und werden auf Sommerfestivals in Österreich, Deutschland, Tschechien und in der Slowakei zu sehen sein. Besonders freuen wir uns natürlich schon auf unseren Auftritt auf dem diesjährigen Kaltenbach Open Air, da wir dort erstmals auch neue Songs vor einheimischem Publikum präsentieren werden. Zwischen den Shows werde ich noch meine Parts einsingen, dann stehen noch einige Indoor-Festivals und Clubshows auf dem Plan. Gegen Ende des Jahres geht es dann wahrscheinlich ins Stage One Studio zum Mischen und Mastern. Wann und wie wir das Album dann veröffentlichen, hängt natürlich von mehreren Faktoren ab.

Metalpresse: Ist für eine Band ein internationaler Record Deal noch möglich? Was würde die Band tun? Oder ist das sowieso nicht notwendig, weil man andere Prioritäten hat?

Spiwi: Vorrangig wollen wir uns mal auf die Aufnahmen und anstehenden Shows konzentrieren, dann schauen wir weiter. Es ist derzeit noch völlig offen, ob wir die Scheibe in Eigenregie veröffentlichen, oder ob wir uns auf Labelsuche begeben werden. Vieles hat sich in den letzten Jahren auf dem Markt verändert, und auch vermarktungs- und veröffentlichungstechnisch haben sich neue Mittel und Wege eröffnet. In den kommenden Wochen oder Monaten werden wir uns dahingehend etwas aufschlauen und natürlich auch Informationen von diversen Freunden und Bekannten einholen. Aufgrund dieser Faktoren werden wir dann eine Entscheidung treffen.

Metalpresse: Bleibt der Rahmen für Darkfall immer melodischer Death Metal?

Spiwi: Um ehrlich zu sein, war ich mit dem Zusatz „Melodisch“ nie sonderlich glücklich oder einverstanden. Nimm diesen weg, und wir kommen der Sache wahrscheinlich schon näher. Ich selbst habe die Band DARKFALL nie als Teil dieses Subsubgenres verstanden. Warum wir von den Medien immer in diese Ecke gedrängt wurden, ist mir bis dato schleierhaft. Sicher haben wir markante Gitarrenläufe und Melodien in unseren Songs, aber ich denke dennoch, dass wir uns erheblich von den Vorreitern dieses Genres unterscheiden. Wie dem auch sei, ich persönlich sehe DARKFALL primär im Death und Thrash Metal verwurzelt, alle weiteren Zusätze und Attribute sind nicht weiter relevant.   

Metalpresse: Die alten EPs gibt's momentan als Download. Welche Erkenntnisse hat man gewonnen beim neuerlichen Reinhören in die ganz alten Songs?

Spiwi: Momentan haben wir unsere ersten beiden EPs auf YouTube als Gratis-Stream zur Verfügung gestellt. Die weiteren EPs werden in den kommenden Wochen noch folgen. Auf Streamcloud sind bereits alle unsere früheren Veröffentlichungen als Gratisdownload erhältlich. Vorbei schauen lohnt sich also. Die alten Songs entsprechen vielleicht soundtechnisch nicht ganz dem Standard der Gegenwart, aber es sind nach wie vor gute Songs, und es macht noch immer Spaß sie zu hören. Man kann einfach unsere Entwicklung von Werk zu Werk nachvollziehen, und kann klar erkennen, dass trotz aller Melodien und Harmonien die Grundbasis immer Thrash oder Death Metal der alten Schule war. Dieser Tradition sind wir uns bewusst, und diese gilt es zu bewahren.

Metalpresse: Wie sieht man die eigene Rolle in der österreichischen Metalszene 2015? Sind viele jungen Bands nachgekommen? Welche davon magst du?

Spiwi: Die Band DARKFALL hatte ihre Höhen und Tiefen. Aber ich denke, dass wir einen soliden Stellenwert innerhalb der österreichischen Szene haben. Unsere Fans sind uns über die Jahre hinweg treu geblieben, und wir hegen einige gute Kontakte zu Bands und Medienvertretern im In- und Ausland. Wir sind stolz, Teil einer starken einheimischen Szene sein zu dürfen, wenngleich wir aber auch nicht jedem gefallen oder mit jedem befreundet sein müssen. In den letzten 20 Jahren konnte man in Österreich vieles kommen und gehen sehen. Gutes und auch weniger Gutes. Aber gegenwärtig scheint der Nachschub an guten Bands in Österreich gesichert zu sein, und einige unserer jungen Wilden könnten auf nationaler, vielleicht auch internationaler, Ebene den Durchbruch schaffen. Wer dies sein wird, wird die Zukunft weisen. Aber ein paar Jahre wollen wir auch noch das eine oder andere Wörtchen mitreden.

Metalpresse: Bleibt die Emotion zum Musikmachen auch nach Jahren hoch genug? Oder gibt's einfach Wellen, aber sie bleibt?

Spiwi: Ein gewisses Grundlevel an Verrücktheit ist beim Metalmachen nie verkehrt, und diese Basis scheint bei mir oder uns relativ gut ausgeprägt zu sein. Natürlich gibt es immer wieder Phasen, in denen man sich auch auf andere Dinge konzentrieren möchte oder auch muss. Aber schlussendlich holt einen die Leidenschaft für Metal und im speziellen DARKFALL immer wieder ein. Es ist einfach ein Teil meines Lebens, welcher auch viele Emotionen in mir hervorruft und diese auch widerspiegelt.

Metalpresse: Gibt's euch auch auf Spotify? Wie stehst du zu  Flatrate-Streaming?

Spiwi: Ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung. Ich denke schon, dass unser Vertrieb Spotify abdeckt, aber ich selbst nutze diese Plattform nicht. Ich bevorzuge nach wie vor physische Tonträger, da diese für mich einfach authentischer sind. Gelegentlich nutze ich Plattformen wie Youtube, aber prinzipiell lege ich auf reale Tonträger noch sehr viel Wert.

Metalpresse: Sieht man euch 2015 auch auf internationalen Festivals?

Spiwi: Ja, DARKFALL werden auch heuer wieder im Zuge ihrer 20-Jahresshows auf diversen internationalen Sommerfestivals vertreten sein. Vor kurzem waren wir auf dem Czech Death Fest zu sehen, und weiter geht es mit dem River-Side Festival in Deutschland, dem Gothoom Open Air in der Slowakei und dem Khranice Open Air in Tschechien. Den Abschluss unserer Festivalsaison feiern wir dann auf dem einheimischen Kaltenbach Open Air.

Metalpresse: Ihr spielt am Donnerstag (21. August) beim Kaltenbach Open Air. Was kann man sich dort erwarten?

Spiwi: Diese Show auf dem KOA wird für uns heuer etwas ganz besonders werden, da es für "20 Jahre DARKFALL" in Österreich wahrscheinlich keine geeignetere Location gibt. Wir werden einige neue Songs vorstellen, und auch Drumherum werden wir uns für unsere einheimischen Fans einiges einfallen lassen. Lasst euch überraschen, aber dabei sein lohnt sich mit Sicherheit.

weitere Infos:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://www.facebook.com/DarkfallMetal

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.darkfall.at

Zurück