Interview

Scarecrow NWA im Interview: "Volks Rock'n Roller" werden wir sicher nie!

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Scarecrow NWA feiern Jubiläum. Die Grazer sind immer für erstklassigen Metal gestanden und sie werden es auch in Zukunft tun, wie mir Bernd (Vocals) und Alex (Gitarre) versicherten. Über ihr eigenes Resume, Grenzen in der Musik, über die gesellschaftlichen Aufgaben von Künstlern und über die Grazer Szene, wo einzelne Akteure im Underground Großes leisten, wo aber im größeren Konzertbereich eher wenig läuft, haben wir mit den beiden Kapazundern gesprochen...

Metalpresse: Scarecrow NWA 2015. 20 Jahre sind vergangen. Wie gesund und fit fühlt man sich?

Bernd: Erstmal danke für euer Interesse an uns alten Knackern. Ich fühl mich, und bin es auch, sehr fit und gesund und voller Tatendrang und Motivation. Aber ich bin ja erst seit 15 Jahren in der Band, fragen wir mal Alex wie es bei ihm aussieht.

Alex: Hallo & danke auch von meiner Seite. Ich muss gestehen dass ich fitter bin als vor 20 Jahren, haha - Musik machen hält eben fit, gesund und trotzt dem Alter.

Metalpresse: Man fühlt sich also bandtechnisch fit genug, in die nächsten 20 Jahre zu starten? Hat man 2015 andere Bandträume als früher? Wo steht heute der Fokus?

Alex: Ja, auf jeden Fall. Der Abgang von Ohlson hat uns zwar überrascht und kurzzeitig etwas zurückgeworfen, aber irgendwie hat uns das auch noch mehr als bisher zusammengeschweißt. Ich kann nur für mich sprechen aber ich werde spielen, solange ich eine Gitarre halten kann.

Bernd: Aber sicher, die Buben (Gsputi und Stef) sind ja noch mehr oder weniger junge Hupfer und ich bin, so wie Alex, fitter und motivierter als vor Jahren. Wenn wir dann optisch auch noch was hermachen warum nicht auch in 20 Jahren Mucke machen?

Alex: Andere Bandträume hat man sicherlich. Man wird ja nicht nur älter, setzt dadurch andere Prioritäten und sieht alles etwas anders als 20 Jahre zuvor, sondern man muss auch mit der Zeit gehen. Unser Fokus hat sich bezüglich Mucke machen aber nicht geändert. Wir spielen das was uns gefällt und finden es natürlich immer wieder erfreulich, wenn es auch den Hörern zusagt. Live-Auftritte haben wir in den letzten Monaten etwas zurückgeschraubt, aber das liegt nicht am Alter sondern an dem Umstand, unseren neuen Bassisten einzulernen und neue Lieder zu schreiben.

Bernd: Jetzt unbedingt was zu erreichen, den großen Deal zu landen, solche Sachen sind sicher jetzt nicht mehr im Vordergrund. Wir haben doch schon einiges erreicht und viele schöne Erinnerungen gesammelt. Und natürlich auch Erfahrungen, gute wie schlechte. Da verändert sich der Fokus sicher. Ich denke uns geht es jetzt viel mehr um die Musik als um das Drumherum. Songs schreiben, neue Ideen verarbeiten und die dann wieder live zu präsentieren, liegt für mich sicher im Vordergrund. Und wenn die "neuen Ideen" halt nicht den Metal neu erfinden sondern vielleicht teilweise old school sind dann passt das so, man muss in unserem Alter die Welt nicht mehr neu erfinden.

Metalpresse: Welche Ideen hat man fürs nächste Album?

Alex: Schön, dass man von uns auch noch ein nächstes Album erwartet, hehehe... Ich muss sagen, dass die neuen Songs meines Erachtens mehr Tiefgang haben, man erkennt unseren Stil gut heraus und es zieht sich bereits ein schöner roter Faden durch die ersten Songs. Wird sicher wieder ein Schmankerl für den anspruchsvollen Hörer.

Bernd: Also die Motivation für ein nächstes Album ist sicher da, aber wir haben da keine extreme Eile damit. Wie Alex schon gesagt hat, sind die Songs insgesamt harmonischer, stimmiger. Ich finde auch, dass sie - zumindest teilweise - sofort im Ohr hängen bleiben, was eher untypisch für uns ist. Gesanglich bin ich vielleicht nicht mehr ganz so über allem drüber sondern mehr in die Musik eingebettet, tut den Liedern nicht schlecht. Am Kaltenbach Open Air kann man sich dann erstmals davon überzeugen, da gibts neue Songs live.

Metalpresse: Was will man zukünftig anders machen als beim noch immer aktuellen Album?

Alex: Auf jeden Fall werden wir wo anders aufnehmen und produzieren lassen, aber sonst wird es keine großartigen Änderungen geben.

Bernd: Die Besetzung vielleicht, die ist teilweise auch anders. Wo es thematisch hingeht keine Ahnung, ob es nun härter, düsterer als die Vorgänger wird kann man auch nicht sagen.

Metalpresse: Wie sieht momentan das Songwriting aus?

Alex: Beim Songwriting hat sich eigentlich nichts geändert. Hauptsächlich komme ich mit ein paar Ideen daher, die Kollegen bringen sich dann ein und wir schaffen gemeinsam ein neues Werk.

Bernd: Ich denke es bringt sich jeder mehr ein. Hauptsongwriter ist schon noch Alex, aber er muss das Werkl nicht mehr ganz allein stemmen. Es werden auch Ideen von uns anderen verarbeitet. Gut, das war immer so, aber jetzt vielleicht verstärkt.

Metalpresse: Kann man den Metal auch heute noch neu erfinden? Was wäre der Unterschied im Zugang? Was unterscheidet den Musiker, der einfach neue Songs komponieren will von jenem, der sich unbedingt ständig neu erfinden will? Ist einer der beiden Zugänge höher zu bewerten?

Alex: Ich finde schon. Wir werden wohl nicht diejenigen sein, aber ich denk schon, dass es noch lange nicht zu Ende ist mit neuen Metalrichtungen. Musiker sind da fast wie Sportler, der eine machts aus Spaß und Freude daran etwas zu tun, der andere sieht es als Leistungssport. Hat alles seine Berechtigung.

Bernd: Ich denke man muss den "Metal" nicht neu erfinden. Aber man kann ihn neu interpretieren bzw. mit diversen Einflüssen verfeinern bzw. erweitern. Wer einfach - was ist daran einfach? - neue Songs komponiert die auf schon dagewesenem basieren hat es auch nicht leichter als jemand der sich und alles neu erfinden will. Allerdings kann es sein, dass ersterer mehr Spaß an der Sache hat bzw. eher Zufriedenheit findet. Ein guter Song ist ein guter Song, ob er nun auf die eine oder andere Art entstanden ist, ob er durch seine Schlichtheit fasziniert oder durch Komplexizität. Für mich gibts da keinen Unterschied.

Metalpresse: Wie viele Songs habt ihr bereits geschrieben?

Alex: 2 bis 3.

Bernd: Ich denke er meint insgesamt, nicht aktuell. Daumen mal Pi würde ich sagen hat Scarecrow bzw. Alex knappe 100 Songs verbrochen (inklusive nie veröffentlichter bzw. modifizierter Werke).

Metalpresse: Welche Unterschiede gibt's auf musikalischer Seite zwischen Gsputi und Alex?

Alex: Das ist mal eine gute Frage. Ich denke wir zwei könnten musikalisch unterschiedlicher nicht sein. So wie vorhin erwähnt. Gsputi ist fürs Gas verantwortlich (Leistungssportler) und ich für die Harmonie, Struktur usw... Aber wir ergänzen uns gerade deshalb wunderbar und mir taugts sehr. Hell Yeah!

Bernd: Gsputi kann während dem Gitarrespielen rotorbangen. Scherz beiseite, für mich ist Gsputi das Paar Hände, das Alex fehlt um spielen zu können was er möchte.

Metalpresse: Bernd, wenn du vom "Zurücknehmen des Gesangs" sprichst, was meinst du damit genau?

Bernd: Ich werd sicher nicht weniger laut sein. Es ist einfach alles bei den neuen Songs und auch bei den aktuellen Versionen der alten viel mehr in die Musik integriert. Ich hab mich ja oft nicht so an Takte etc. gehalten, ich denke es ist nun geradliniger. Aber davon kann sich jeder bei einer unserer nächsten Liveshows überzeugen.

Metalpresse: Bezeichnet ihr euch noch immer als "sophisticated" oder geht ihr "back to the roots" und sagt einfach: Wir spielen melodischen Death Metal oder was auch immer?

Alex: Also die neuen Songs sind stilistisch schon wieder mal eine eigene Musikrichtung. Ich denk "sophisticated" passt da noch ganz gut.

Bernd: Wir werden immer "sophisticated" sein, ist halt unsere Attidüde. Zum melodischen Death Metal möcht ich mal sagen, dass wir meiner Meinung nach gar nicht so sehr ins typische "Melodic Death Metal" Schema passen. Das ist immer Interpretation des Hörers oder Journalisten weil wir halt alles schubladisieren wollen. Auf eine gewisse Weise spielen wir ja auch "Extreme Metal", denn was ist extrem? Ist auch für jeden unterschiedlich. Wir machen Musik die in die Kategorie Metal fällt, Melodie ist auch dabei und Wumms auch, aber ob nun Death, Black, Power, Thrash oder Speed Metal ist doch schnurz.

Metalpresse: Ihr spielt auf dem diesjährigen Kaltenbach Festival am 21. August in Spital am Semmering. Gibt's eine spezielle Show?

Alex: Ja, speziell spät... nein? Es gibt sicher für alle eine Überraschung, alleine unser Neuzugang wird dafür sorgen. Wir denken auch daran, unsere neuen Songs uraufzuführen.

Bernd: Es sollte sich jeder ansehen. Ich glaube nämlich, dass wir auch jene, die mit uns bisher nicht so viel anfangen konnten, überraschen werden und auch unsere treuen Fans ein "Aha-Erlebnis" haben werden. Und um 0:50 Uhr am Kaltenbach Open Air, nach Marduk... Stimmung, Athmosphäre... wie speziell soll es denn noch sein? Ich freu mich jedenfalls!

Metalpresse: Hat sich die Death Metal Szene in den letzten beiden Jahren wieder verändert? Irgendetwas hat sich verschoben oder neu justiert. Vor 4 Jahren hätte ich noch gesagt, es gäbe eben diese Differenzierung zwischen brutalem, corigen Death oder klassischem Death Metal. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Alex: Das kann ich beim besten Willen nicht beantworten, da ich gar nicht soviel Death Metal hör wie man glauben mag.

Bernd: Ja, auch mir fällt es schwer hierzu was zu sagen. Für mich jedenfalls gibt es diese Differenzierung schon noch, wobei sich mein Death Metal Geschmack auch eher auf die alten Helden der Szene beschränkt. Und dieses Symphonic Death Metal Zeug mit viel Pomp und Trara, hehe. Mit allem was "Core" dabei hat konnte ich nie viel anfangen.

Metalpresse: Auf welche Europa-Tour würdet ihr tatsächlich aufspringen, würde alles passen? Wäre das aus privaten Gründen überhaupt möglich?

Alex: Würde alles passen, kann man ja auch die Familie im Bandjet mitnehmen, somit ist das sicher kein Problem. Ich könnt mir da diverse Bands vorstellen/wünschen! Dream Theater, Periphery, Iron Maiden... ja das wär was.

Bernd: Auf die, die wir nicht durch unsere Teilnahme finanzieren sollen, sondern wo wir dabei sind weil unsere Mucke gefällt. Mir wäre nicht so sehr der Bekanntheitsgrad der Bands wichtig, sondern ob man mit ihnen Spaß haben kann bzw. es eine lange Zeit aushält. Bei mir wäre es privat leichter, da wir noch keine Kinder haben.

Metalpresse: Wird das neue Album wieder ein Konzeptalbum?

Alex: Ich glaube das wissen wir erst, wenn es fertig ist.

Bernd: Welches neue Album?

Metalpresse: Wie offen seid ihr im Songwriting eigentlich? Wo wäre eine stilistische Grenze, die ihr nie überspringen würdet?

Alex: Grundsätzlich wird gespielt was gefällt. Klar ist die Härte im Vordergrund, aber wenn es passt ist jeder Stil willkommen, Klassik, Jazz (nur nicht zu free), Blues,... Aber Rapper werden wir glaub ich keine mitreinnehmen, da wäre meine Grenze.

Bernd: "Volks Rock n´Roller" werden wir sicher nie. Ich mag auch Dubstep bzw. Trip Hop gerne, sowas wäre sicher mal interessant in Kombi. Oder ein wenig elektronische Beats dazu, warum nicht.

Metalpresse: Welchen neuen österreichischen Bands attestiert ihr wirkliche Chancen?

Alex: Gibt es nennenswerte neue Bands?

Bernd: Wie definierst du neue Bands? Einfach eine neue Band zusamengestellt aus lauter alten Hasen oder wirklich neue Jungs, unverbraucht und so?

Metalpresse: Völlig egal. Neue Bands, neue Bandprojekte. Ist dir da was wirklich hochinteressantes untergekommen? Findest du, dass Musik von unverbrauchten Typen anders klingt? Ich sage das deshalb, weil viele alte Hasen oft völlig neue Musik konstruieren und viele der ganz jungen Musiker oft auch nur alte Mucke neu verpacken.

Bernd: Ich muss gestehen, dass ich wirklich neue unverbrauchte Bands jetzt nicht wirklich nennen kann weil ich schlichtweg keine kenne bzw. mir nicht sicher bin ob die neu sind. Allerdings mit dem was du sagst, dass ganz neue eher Old schoolige Sachen machen, stimmt schon, weil es ja funktioniert. Zur Zeit seh ich ja ein wenig einen Trend in Richtung back to the roots, v.a. was div. Line Ups bei Festln angeht und so, also warum nicht auf einen grad aktuellen Trend aufspringen um mal schnell einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Seh ich nichts Schlimmes dabei. Zu den alten Hasen, die eine "neue" Band haben, fallen mir grad nur Reek of Insanity ein, die kenne ich jetzt live noch nicht (shame on me) aber was man so hört und auch an Songs findet, klingt vielversprechend.

Metalpresse: Wie sieht's momentan in der Grazer Szene aus? Spielt ihr häufiger? Es gibt ja ein paar kleine Locations...

Alex: Das Wakuum ist auf jeden Fall die Location wo man gerne spielt. Das kann ich jedem, der es nicht kennen sollte nur empfehlen. 1-2x im Jahr gehört Graz einfach ins Programm und für uns ist das entweder im Explo oder Wakuum.

Bernd: Also es ist jetzt im Underground wieder ein wenig mehr los als die letzten Jahre, aber so wie es vor 15 Jahren zB war, mit einer starken UG Szene, die fast jedes Wochenende wo gespielt hat, ist es nicht mehr, zumindest wenn man rein von Metal spricht.

Metalpresse: Es gibt ja auch 3 größere Locations, dennoch sind wenig internationale Konzerte in Graz. Warum?

Alex: Es sind genügend Veranstaltungen in diesen 3 Locations, auch Konzerte, aber offensichtlich ist man dem Metal bei uns leider etwas abgeneigt, bzw. man setzt sich damit nicht wirklich auseinander. Grad neulich waren Arch Enemy im Orpheum, das war seit langem was für mich Brauchbares (obwohl der Sound... naja). Aber wenn man bedenkt wie das Seerock bereits nach kurzer Zeit runtergekommen ist... erst ein Wochenende, nun Donnerstag Nachmittag. Ja der Metal hat es leider nicht leicht in der grünen Mark...

Bernd: Es kommt jetzt wieder ein wenig mehr. Der Michi Berger vom ÖMJV macht viele Sachen im Explo (Bling Guardian, Eisregen, Doro...) und es wird gut angenommen, also gibt es noch Hoffnung. Dass bei größeren Sachen in der Vergangenheit einiges im Argen lag kann man nicht bestreiten, aber lassen wir die Vergangenheit ruhen konzentrieren wir uns auf die Zukunft.

Metalpresse: Du siehst also Chancen, dass sich zukünftig in der Grazer Konzertszene etwas verbessert?

Bernd: Ich seh die Chancen jetzt nicht schlecht, wenn auch nicht extrem rosig... Da geht noch was.

Metalpresse: In Graz gibt's ja auch ein kleines, aber feines Radio, das Soundportal. Gibt's dort noch die Metal-Special-Sendung?

Bernd: Ob es die Soundportal Metalsendung noch gibt weiß ich nicht, hör selten bis nie Radio. Ansonsten hat Soundportal bei Konzerten, Veranstaltungen (zB. Augartenfest) nicht viel mit Metal am Hut.

Metalpresse: Bernd, ich spreche dich als Sänger an: Könntest du dir vorstellen, realpolitische Texte zu verfassen? Also Klartext? Oder stehst du mehr auf Metaphern und Geschichten, die natürlich auch ähnliche Themen betreffen können, nur in einer anderen Form?

Bernd: Ich bin natürlich auch ein Mensch, der eine Meinung zu den Themen der Politik und der Welt hat, aber ich bin niemand der damit öffentlich hausieren geht. Würde ich deshalb auch nicht in Texten verpacken. Es läuft so vieles falsch und es passiert genug Scheiße auf der Welt, davor kann man eh nicht entkommen, also warum auch noch ständig daran erinnern. Aber von Grund auf verneinen möcht ich die Frage nicht.

Metalpresse: Sind aber nicht gerade Künstler verpflichtet, ihre Meinung zu artikulieren? Wenn nicht die Künstler, wer dann? Sollte man nicht eher die Menschen ermutigen, ihre Haltung öffentlich zu machen angesichts der vielen gesellschaftlichen Missstände und einer schweigenden Mehrheit?

Bernd: Es gibt sicher Künstler, die dazu befähigt sind. Ich sehe mich erstens nicht als Künstler und zweitens nicht zwingend als Vorbild und wenn, bin ich der Meinung, dass meine Taten für mich sprechen sollen und nicht meine Worte. Ich bemühe mich in meinem Leben selbst so zu sein bzw. zu handeln, wie ich es für wichtig, richtig oder sinnvoll halte und eben dadurch ein wenig Vorbildwirkung zu haben. Jemanden durch Reden davon zu überzeugen, dass meine Sicht der Dinge die Richtige ist, davon halte ich nichts. Lass mich schließen mit "Erfolgreich werden nur die, die sich durch eigene Taten profilieren und nicht durch Schlechtreden der anderen. - Wadim Korsch "

Metalpresse: Du trennst nicht die Rolle des Privatmanns, der Taten setzt mit deiner Rolle als Künstler, der Misstände aufzeigen kann? Was auch nicht unbedingt "Schlechtreden" ist, sondern oft einfach dringlich benötigte Gesellschaftskritik...

Bernd: Wie soll ich sagen, ich bin immer derselbe. Wenn ich eine Botschaft habe oder hätte, die ich anbringen will, ist es klar, dass ich die Band da als Plattform nutzen könnte. Aber ich denke nicht, das wir die Form von Metal machen, der mit sozialkritischen und weltverändernden Botschaften korreliert. Deswegen tendiere ich eher zur metaphorischen Sprache denn zur direkten. Sollte für mich der Zeitpunkt kommen, ab dem es unabdingbar ist, aufzuschreien und die Leute wachzurütteln, werde ich es sicher versuchen, halt auf meine Art. Ob ich einmal zwischen den Songs bei einem Konzert Statements abgeben werde, kann ich jetzt nicht sagen. Sowas sollte meiner Meinung nach auch spontan passieren, da erreicht man mehr als mit vorher einstudierten Reden, ist auch eher meine Art.

Wenn ich aber jetzt mal ein Thema rauspicken sollte, dass mir wirklich am Herzen liegt und ich diese Plattform hier dafür nutzen könnte, dann wäre das die Wahlbeteiligung, die in unserem Land immer mehr zurückgeht. Wir alle wollen in einem demokratische Land leben, wollen unsere Freiheiten haben und ich finde das "Wählen" die größte Freiheit von allen ist.  Unsere Vorfahren haben vor nicht allzu langer Zeit dafür gekämpft, dieses Grundrecht zu erhalten und in vielen Ländern der Welt kämpfen Menschen immer noch darum. Auch wenn es uns schwerfällt, die für uns richtige Partei "derzeit" zu finden, so ist es doch besser, diejenigen zu wählen, die am ehesten für unsere Überzeugungen eintreten, auch wenn sie Schwächen haben, als durch unsere Enthaltung denen das Tor zu öffnen, die Demokratie und ihre Werte mit Füssen treten. Das wäre für mich der erste Schritt in die Richtung "aufzustehen und etwas zu ändern"

Metalpresse: Gibt's schon einen konkreten Termin für Wien in diesem Jahr?

Bernd: Also einen konkreten Wien-Termin kann ich dir noch nicht nennen, ich kann nur sagen, dass es im Spätherbst sein wird. Danke mal von unserer Seite an dich Didi und an die Metalpresse für euer Interesse an Scarecrow NWA. Danke an die Leser und an euch alle für geile 20 Jahre und viel mehr!

Wir von der Metalpresse freuen uns auf jeden Fall, euch 2015 endlich wieder live zu sehen. Schließlich zählen die Grazer zu den allerbesten österreichischen Live-Bands!

weitere Infos:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.scarecrow.at


LIVETIPP: Kaltenbach Open Air 2015: Freitag 0:50 - Scarecrow NWA - LIVE ON STAGE

nähere Infos:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.kaltenbach-openair.at

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