Interview

Unheil über Wien – eine Underground-Institution wird 10

Erstellt von Metalpresse | |   Interview

Das jährliche heimische „Slow und Heavy“ Festival DOOM OVER VIENNA begeht dieses Jahr im Herbst seinen 10-jährigen Jahrestag. Am 13. und 14. November gibt sich also wieder die internationale Doom- und Anverwandtes-Undergroundszene in Wien die Klinke in die Hand (die näheren Infos hierzu findet ihr hier: http://www.facebook.com/events/756143451147653/).

Die Metalpresse hat bei Veranstalter Jürgen von SoundWallEntertainment (http://www.facebook.com/soundwallentertainment) nachgehakt.

 

MP: Hallo Jürgen, danke, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Das Doom over Vienna jährt sich heuer zum zehnten Mal. Lass uns also gleich mal über die Anfänge plaudern. Wie kam es seinerzeit zur Gründung des Festes?

 

S.W.E.: Zuerst mal danke für euer Interesse an unserer kleinen Orgie. Vorweg ist es sicher am besten, das Doom over Vienna separat von unseren Veranstaltungsagenden bei SoundWallEntertainment zu betrachten. Denn wie wir mit S.W.E. am 07.07.07 mit unserer ersten Show gestartet sind, stand bereits das Doom over Vienna II in den Startlöchern, das dann Ende Oktober über die Bühne ging. Wir waren nämlich bei den ersten drei Ausgaben des Fests selbst nur begeisterte Gäste. Gegründet wurde die D.O.V.-Serie nämlich von den österreichischen Doompionieren VORTIGAN. Wie die dann nach der dritten Ausgabe das Handtuch geworfen haben, war es für uns undenkbar, das coole Teil sterben zu lassen, und so ist man sich schnell eins geworden, dass wir die D.O.V.-Serie zukünftig weiterführen dürfen, was wir bis heute als Privileg erachten und zu Ehren versuchen.

 

MP: Verstehe. Wie fing es also denn damals mit SoundWallEntertainment an?

 

S.W.E.: Am Anfang stand mein inzwischen Ex-Kollege Willi. Er war damals noch Geschäftsführer des Wiener Metallokals Escape Metalcorner. Nachdem dort der Keller zu einer Konzertlocation ausgebaut wurde und nebst Fremdveranstaltungen auch das Lokal selbst vermehrt Konzertanfragen bekommen hat, hat dann auch er teilweise das Booking des Lokals übernommen. Nach einer Zeit ist er auf mich zugekommen und hat gemeint: „Wir kennen doch beide viele Leute. Warum tun wir uns nicht zusammen?“. Ich war damals zugegebenermaßen überrascht, da ich von der Veranstaltungsmaterie bis dato absolut keine Ahnung hatte. Da ich aber zu der Zeit durch meine Arbeit beim heimischen Metalfanatics-e-Zine auch oft von Bands damit konfrontiert wurde, wo man denn in Wien spielen könne, bin ich auf den Zug aufgesprungen. Damit war SoundWallEntertainment geboren. Viele Jahre später und nach einigen Teamumbesetzungen bin ich als last standing Gründungsmitglied immer noch dabei, auch wenn das Alter deutlich mehr an mir genagt hat, als mir lieb wäre, haha. Der Willi ist der Szene aber auch noch erhalten geblieben und werkelt nun bei Escape Entertainment. Apropos: die Idee zu unserem Veranstaltungsnamen stammt im Übrigen auch vom Willi. Also, Willi, falls du das hier liest, ich habe dir gerade alle Trümpfe in die Hand gegeben, wenn du den Namen gerichtlich einklagen möchtest, haha.

 

MP: Na auf die Veranstaltervariante von Pungent Stench wird es ja hoffentlich nicht hinauslaufen… Wie gestaltete sich die Doomszene zu euren Beginnzeiten in Wien generell betrachtet?

 

S.W.E.: Naja, das ist zu einem großen Teil schon ein springender Punkt warum es uns überhaupt gibt. Wie wir angefangen hatten, war nicht zwingend geplant, dass wir uns vornehmlich auf Doom-Konzerte spezialisieren. So hatten wir gleich zu Beginn Bands wie Skyclad, Antimatter oder die schwedischen Heavy/Blues Rocker von Blowback aufgeboten. Allerdings hab ich mich zu der Zeit immer intensiver meiner Doom und Stoner Wurzeln aus Anfang der Neunzigerjahre besonnen und da ich seit jeher extensiv/exzessiv quer durch Europa als Festival- und Konzertjunkie auf Achse war, war ich zunehmend unzufrieden, dass ich ständig mit Unmengen an großartigen Doomcombos live konfrontiert bin, die aber nie den Weg nach Österreich fanden, um sich hier präsentieren zu können. Ich meine, es gab zu der Zeit in Wien schon immer wieder so Zufallsausreißer, wie etwa die Grand Magus/Electric Wizard/Cathedral Tour, die in der Arena gastiert hat, oder einzelne legendäre Doomkonzerte vom Alex Wank von Totem Records organisiert, und manchmal auch einzelne Doombands, die sinnlos in einem völlig absurden Crossbooking-Lineup verheizt wurden, aber in Summe tat sich hier extem wenig in diese Richtung. Was auch mit der Grund war, warum ich von der Idee des Doom over Vienna durch die Burschen von Vortigan, also eines speziellen Doomabends in Wien, so angetan war. Wohl zum Leidwesen einzelner damaliger SoundWall-Kollegen hab ich dann vermehrt versucht, Doom/Stoner/Psychedelic/Postrock-Konzerte in Gang zu bringen und mich zunehmend weniger mit anderen Stilistiken zu beschäftigen, die buchungsmäßig ohnehin im Übermaß in Wien abgedeckt waren. Schlussendlich hab ich dann auch 2009 die sogenannte „Springdoom Depression“-Reihe aus dem Boden gestampft, wo ich mir quasi zu meinem Geburtstag jährlich Doom und Stoner Bands genehmigt habe. Aber heimische Bands in diesem Segment waren bedauerlicherweise komplett Mangelware bzw. mit der Lupe zu suchen. Inzwischen hat sich die Szene aber natürlich ziemlich gewandelt…

 

  

Jürgen mit Count Raven beim Springdoom Depression 3

 

 MP: Du sprachst gerade von deinen musikalischen Wurzeln. Das heißt, du warst also immer schon ein Doomhead, oder gab´s auch andere Stile, die dich interessiert haben?

 

S.W.E.: Im Prinzip war ich musikalisch immer schon sehr breit aufgestellt. Als junger Mensch noch viel mehr als heute (im Alter wird man wohl zwangsweise etwas gemütlicher und hat weniger Zeit und Energie, haha), was auch viel mit meinen total unterschiedlichen Bekanntenkreisen zusammen hing. Da gab´s von Klassischer Musik über Crossover/Alternative, bis hin zu einigen elektronischen Spielarten alles Mögliche, zu dem ich Zugang fand. Und natürlich auch jahrelang extrem viel Black/Death/Thrash/Heavy Metal. Aber Bands wie Candlemass, Cathedral, Kyuss oder später dann Bands wie Orodruin aus den USA waren halt auch immer schon dabei. (In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass Wien mit dem psycheDOOMelic Label einen international hochangesehenen Labelpionier hatte, der etwa die „Epicurean Mass“ von Orodruin herausgebracht hat, aber auch Bands wie Penance, Leather Nun America, Mood, Dreaming oder Ramesses uvm.). Ab Mitte der 90er kamen bei mir auch viele Bands dazu wie Masters of Reality, Unida, 35007 und etliche andere, damals gab´s auch noch Stonerkonzerte im Flex und auch manchmal in der Arena, die mich sicher auch sehr mit beeinflusst haben. Und natürlich alte Rockhaudegen wie etwa Wishbone Ash, UFO, Grobschnitt und Konsorten nicht zu vergessen. Interessant ist auch, dass ich zwar klerikales Georgle auch durchaus goutiere, wenn es in einem erhabenerem, doomigen Kontext verwendet wird, aber z.B. Gospel überhaupt nicht ausstehen kann, haha.

 

MP: Zurück zum Doom over Vienna. Heuer ist bereits die zehnte Ausgabe. Gab es da nie Ambitionen, das Ding größer anzulegen, also größere Bühne, bekanntere Bands? Ich meine, die bekannten Doomgranden fahrt ihr ja nicht gerade auf. Teilweise hört man von den Leuten ja, dass sie nicht mal die Headliner kennen…

 

S.W.E.: Haha, ja, das ist wahr. Ich krieg ja von Bekannten auch immer wieder Rückmeldungen, wie: „Ich kenn wieder mal überhaupt keine Band, aber ich komm trotzdem, weil man bei euren Packages sicher sein kann, dass man wieder großartige neue Bands entdeckt!“. Und natürlich bin ich selber ja viel auf Veranstaltungen, wie dem großartigen Doom Shall Rise Festival (R.I.P.), dem Hammer of Doom, den Heavy Days in Doomtown, den Dutch Doom Days, Dublin Doom Days, Hell´s Pleasure Open Air usw., aber auch bei den größeren Doom- und Stonerkonzerten in Wien. Und obwohl wir heuer zum 10-jährigen sogar kurz überlegt hatten, vielleicht mal auf 2 Bühnen auszubauen, habe ich das Doom over Vienna immer als zutiefst dem Underground verpflichtet gesehen. Ich meine, Bands wie Candlemass brauch ich niemandem vorstellen, die kennt man ohnehin. Und im Prinzip sind wir ja auch immer wieder quantitativ gewachsen (mit Ausnahme der sechsten Auflage mit Pagan Altar, wo wir aus finanziellen Gründen etwas reduziert hatten), so ist das D.O.V. ja dieses Jahr bereits zum vierten Mal zweitägig. Aber wenn ich jetzt beispielsweise an jedem der beiden Tage Headliner der Kategorie Eyehategod, Orange Goblin, Saint Vitus, Crowbar, The Sword, Karma To Burn usw. holen würde, würde für andere internationale Acts finanziell einfach kein Spielraum mehr bleiben, da wir ja ein reines d.i.y./Hobby-Projekt sind und völlig ohne Sponsoren auskommen müssen. Und ein D.O.V. mit einem internationalen Headliner und sonst „lediglich“ lokalen Supports würde dem seit jeher internationalen Anspruch der Veranstaltung meiner Ansicht nach nicht gerecht werden. Dann hätten wir zwar mit Sicherheit mehr Zuschauer, aber ich könnte motivational nicht voll hinter der Promo des Festivals stehen, weil es dann ein reines Geschäft wäre. Da lass ich es dann lieber ganz bleiben...

 

MP: D.h. lokale Bands sind für euch weniger interessant?

 

S.W.E.:  Gut, dass du das ansprichst: das soll absolut kein Schlag gegen die heimische Bandszenerie sein, die ich seit frühesten Teenagertagen immer auf vielfältige Weise unterstützt habe, denn wie ihr auf unserer Page http://www.facebook.com/soundwallentertainment/info unter dem Punkt „Persönliche Interessen“ leicht sehen könnt, hatten wir schon tonnenweise heimische Bands, manche auch schon mehrmals. Es gibt da ja durchaus auch sehr starke, gerade in den letzten Jahren auch immer mehr. Das Doom over Vienna selber ist halt dann doch wieder eine eigene Sache, weil wir da doch vermehrt auf Bands schielen und den Musikaffinen schmackhaft machen wollen, die nicht alle paar Wochen sowieso in Österreich spielen. Trotzdem bauen wir auch immer wieder mal den einen oder anderen heimischen Akt ein, so auch heuer...

 

MP: Ok. Aber immerhin hattet ihr ja mit bereits genannten Pagan Altar, aber auch 2x Count Raven, 2x Lord Vicar, Atlantean Kodex, Totenmond, 2x Skyclad, Omega Massif, Toner Low, Jack Frost und Co. auch nicht nur völlig unbekannte Bands. Wie geht ihr generell das Booking an? Auch den Hobby/d.i.y.-Aspekt hast du schon angesprochen…

 

S.W.E.: Ja, wir sind ja genau genommen einfach ein loser Zusammenschluss von inzwischen 5 Musikfreaks, keine Agentur oder sonstige Firma. Finanziell steckt da also das schwerverdiente Privatkapital der jeweils verantwortlichen Person(en) in jedem Konzert. Das beeinflusst das Booking halt schon enorm. Im Prinzip findet das Booking innerhalb eines gesteckten Rahmens aus finanzieller Umsetzbarkeit, eigenen Vorlieben, aktuellen Geschehnissen und Möglichkeiten am „Markt“, terminlichen Aspekten usw. statt. Man schaut halt immer, was würde mir persönlich als Gast gefallen, was hat man selbst für Favoriten oder wollte man immer schon mal holen, was davon ist auch sinnvoll finanziell umsetzbar, welche Dynamiken passieren gerade in der Szene. Und manchmal sind es auch spontanere Angebote, über die man stolpert, die man dann mit einfließen lässt. Und vereinzelt findet halt auch ein bankrottes Huhn einen größeren Körnerhaufen, haha.

 

MP: Ihr seid mit dem Doom over Vienna letztes Jahr vom Escape in den Viper Room übersiedelt. Wie kam es dazu?

 

S.W.E.: Im Prinzip könnte man sagen, das ist gewissermaßen eine „Heimkehr“, denn das erste D.O.V. hat seinerzeit im Monastery stattgefunden, dem Vorgängerlokal des heutigen Viper Rooms, und das zweite war dann bereits im Viper. Im Großen und Ganzen gab es für diese Rückkehr zwei ausschlaggebende Gründe. Auf der einen Seite haben wir das Lineup laufend aufgestockt. Wir wollten uns also die Möglichkeit offen halten, bei etwaigem größerem Publikumsandrang auch nicht aus allen Nähten zu platzen. Zum anderen, und das ist für mich als Booker das Hauptentscheidende gewesen, hatten wir immer viele Exklusivauftritte, also Bands, die nicht auf Tour waren, sondern extra für das D.O.V. angereist sind, und somit oft (z.B. im Flieger) kaum Equipment mitnehmen konnten. Der Viper Room bietet diesbezüglich eine Vollausstattung, was uns bereits im Vorfeld einiges erleichtert.

 

MP: Wo steht denn die einschlägige heimische Szene aus deiner Sicht im Moment gerade?

 

S.W.E.: Es ist wie bereits erwähnt kein Vergleich mehr zu unseren Anfangstagen bei S.W.E.; auf der Veranstalterseite hat sich enorm was getan, allen voran natürlich die Roadtrip To Outta Space-Schiene der Arena Wien, die auch bereits seit 2007 ziemlich geilen Scheiß abliefert. Aber auch sonst finden sich in Wien mit dem Viper Room, mit Stoner Rock Vienna, den Ufonauten, Knödel mit Ei, The Saw Is The Law (R.I.P.), StoneFree Booking, LightBlueMusic und etlichen anderen viele umtriebige Leute. In Innsbruck gibt´s mit Sound Zero und einigen anderen Veranstaltern rund um die P.M.K. etliche lässige Veranstaltungen, in Salzburg macht der Pawel mit Stonerhead On Audiodope einen großartigen Job, die Kapu in Linz ist sowieso Legende, Mushcream Booking natürlich, aber auch viele Konzerte etwa im Conrad Sohm in Dornbirn, im Graf Hugo in Feldkirch, teilweise im Sub, wakUum oder Explosiv in Graz usw., hier tut sich also manches. Auch bei In- und Outdoorfestivals gibt es mit dem Sauzipf Rocks in Kärnten eine Institution, das Funkenflug der Our Survival Depends On Us Leute im Salzburgischen, das Lake on Fire in Oberösterreich und das Stick&Stone Fest in Osttirol, Viper Rooms dreitägiges Desert Sun, Stonerheads neues 2-Tagesfestival im September in Salzburg usw.; Bands sprießen auch aus dem Boden, vor allem im Stonerrock, Postrock, Psychedelic, Sludge Bereich, und erfahren auch immer mehr internationale Beachtung, gehen auf Europatouren  usw.; nur im (True-)Doom gibt´s da leider noch etwas zu wenige für meinen Geschmack, aber das ist für viele junge Musiker halt auch mitunter etwas altbacken oder verschroben... Und auch bei den Labels nehmen die Aktivitäten immer mehr zu, so gibt es neben dem Global Player Napalm Records auch immer mehr kleine Labels, die auf diese Musikrichtung aufspringen, etwa auch The Doc´s Dungeon meiner Kollegin Ute, oder bereits genannte StoneFree Booking.

 

MP: Was hast du denn generell dem Nachwuchs zu empfehlen, wenn man sich entscheidet, selber Konzerte zu veranstalten?

 

S.W.E.: Tut euch das nicht an, haha. Nein, Spaß beiseite. Hilfreich ist natürlich ein gewisser finanzieller Rückhalt; ein gutes Team, das einen unterstützt, berät und auch von Dummheiten aus einer Euphorie heraus abhält, ist absolut wichtig; neben viel Herz auch das nötige geschäftsmännische Hirn, das mir leider oft genug gefehlt hat. Ich bin halt doch eher der Musikfreak als der Unternehmer. Ein gutes und motiviertes Streetteam schadet für Promozwecke freilich auch nicht, auch ein gutes Verhältnis zu Lokationsbetreibern, Sound- und Lichttechnikern, sowie der restlichen Crew vor Ort ist stets anzustreben. Außerdem: hört nicht zuviel auf die vielen selbsternannten Einflüsterer, die euch nur eigene Wünsche aufhalsen wollen, ohne Rücksicht auf Sinnhaftigkeit des Unterfangens. Und traut euch innovativ zu sein, sowohl organisatorisch als auch vom Booking her. Nicht ein völlig unsympathisches Arschgeigerl zu sein und viele Bekannte haben, schadet im Normalfall auch nicht, haha. Schlussendlich ist je nach Größe der Veranstaltung ein guter Umgang mit Behörden unumgänglich und das Wissen über Richtlinien, Genehmigungen, Abgaben und gesetzliche Vorschriften, auch in punkto Sicherheit, relevant, wie ich zum Teil auch erst in meinem Eventmanagementlehrgang erfahren musste.

 

MP: Gab´s bis jetzt bei euren Konzerten irgendwelche Eklats, oder Bands, mit denen ihr gar nicht konntet? Spielen immer Wunschbands bei euch, oder ist da auch öfter was dabei, mit dem man selber nicht so kann?

 

S.W.E.: Naja, wir haben ja das Glück in einem Segment zu fischen, wo die Musiker großteils äußerst angenehme Zeitgenossen sind. Insofern war da noch niemand, mit dem wir überhaupt nicht konnten. Aber natürlich gibt es auch manchmal Bands, wo man sich denkt, die hätte ich persönlich jetzt stilistisch nicht unbedingt gebraucht. Manchmal kriegt man ja auch einen Toursupport aufgedrückt, den man dann auch nicht im Regen stehen lassen kann/will. Oder man hat sich von dem Material, das man (oft auch nur online) kennt, mehr erhofft. Hin und wieder gibt es dann auch die „Vernunftbuchungen“, also Bands, die man nicht unbedingt will, aber aus finanzieller Sicht macht es halt einfach mehr Sinn, die dazu zu nehmen, weil sie gerade auf Tour sind usw.; ansonsten hast du halt auch öfter damit zu kämpfen, dass der gemeine Musiker halt ein Chaot ist und du deshalb bis zum letzten Tag ständig wieder nachadaptieren musst bei allem, was du bereits fixiert oder organisiert hast. Das fängt schon bei der Anzahl der mitreisenden Personen an, für die du Unterkünfte brauchst, die sich aber manchmal selbst bei der Ankunft dann noch überraschend abermals ändert. Aber witzige oder nette Sachen passieren schon auch immer wieder. Etwa wie Sänger Chritus (Lord Vicar, Goatess, Ex-Saint Vitus, Ex-Count Raven, Ex-Terra Firma) nach unserem Konzert den Flieger verpasst hat und wir uns dann die Nacht mit ihm in der Bierwaage um die Ohren gesoffen haben. Seither ist er ein guter Freund von mir, den ich immer wieder gern treffe.

 

MP: Was können wir vom diesjährigen Lineup erwarten?

 

S.W.E.: Zuallererst ist es für mich persönlich natürlich von kaum zu überbietender Großartigkeit, dass mein Kollege Alex diesmal die schwedischen Epic Doomer von Griftegård nach Wien lotsen konnte. Ich habe die Band auf diversen Auslandsfestivals zwar schon viermal gesehen, wollte sie aber immer schon dem heimischen Publikum präsentieren. Ihr klerikal angehauchter, erhabener und spiritueller Doom, wie er etwa am grandiosen „Solemn ~ Sacred ~ Severe“-Album dargeboten wird, ist unerreicht, von Stimmung uns Songwriting her. Aber es wird auch sonst sehr abwechslungsreich. Die belgischen Heavy Metal Urgesteine von Witchsmeller Pursuivant feiern ihr 20-jähriges Bandbestehen, und wer Sänger Luciver Veldmark schon mit seinen Doombands Hooded Priest (die wir auch schon dreimal im Programm hatten) oder den Chilenen von King Heavy erlebt hat, weiß, warum diese Heavy Metal Band absolut stimmig ist auf einem Doomfestival. Zudem sind die kanadischen Doomer von Funeral Circle mit von der Partie, die manchem wohl unter anderem vom Split mit Lord Vicar bekannt sein mögen. Die haben für ihre erste Europatour überhaupt eine sehr spezielle Show geplant, inklusive Darbietung der "Sinister Sacrilege" EP mit Originalmitglied The Grand Inquisitor. Mit den „Minenarbeitern“ von SHAKHTYOR aus Hamburg haben wir eine stark aufstrebende instrumentale Postrockband im Stile von Omega Massif dabei, die ich schon länger beobachte. Mit Tyrant´s Kall kommt eine belgische (female fronted) Combo, die es auf einzigartige Weise schafft, Thrash und Old School Death mit Doom Metal und Lovecraft-Thematiken zu verschmelzen, die Freaks von Epitaph, die bereits seit 1987 (!) ihr klassisches 80er-Doomunwesen treiben, bestechen durch starke Gitarrenriffs, auch wenn der durchgeknallte Sänger mit seinen Mätzchen sicher (und glücklicherweise) polarisieren wird. Das italienische Trio Kröwnn spielt Sabbath´schen Doom mit leichtem Stonereinfluss und Conan/Howard-, sowie Tolkien-Background. Von heimischer Seite bieten wir diesmal die blackened Doomer von Angor mit ihrem rumänischen Sänger auf, die kürzlich ein ziemlich starkes Album bei Lukas Haidinger aufgenommen haben. Außerdem werden die Früherscheinenden sicher vom starken Songwriting der bis dato noch eher unbekannten episch-virtuosen Crimson Dawn aus Italien überrascht sein und mit Et Moriemur haben wir eine tschechische Band mit melodischem Death Doom am Start. Und zwei Bands sind ja noch nicht bekannt gegeben…

 

MP: Wie sieht es eigentlich mit deiner eigenen Karriere als Musiker aus? Spielst oder spieltest du in einer Band?

 

S.W.E.: Da gibt es nicht allzu viel Rühmliches zu erzählen. Als Teenager hab ich E-Gitarre gespielt, dann auch mit 16 gemeinsam mit 4 Bekannten in Oberösterreich eine Band mit dem äußerst kreativen Namen „Pintsuckin´ Buttheads“ gegründet. Allerdings hab ich die Band auch dann indirekt bald wieder zu Fall gebracht, da ich mit meinem Gitarrenspiel noch ziemlich am Anfang stand. Und unser Hauptgitarrist, der zuvor schon in einigen Combos gespielt hatte, meinte, dass ich einfach noch zu wenig kann und er will nicht wieder bei Null anfangen müssen, haha. Dazwischen hab ich es dann einfach sein lassen, konnte mich nicht mehr aufraffen und habe Musik lieber genossen als erzeugt. Allerdings bin ich vergangenen November in eine Band von zwei alten Bekannten aus meiner Heimat eingestiegen und spiele inzwischen Bass.

 

 

MP: Alles klar! Dann freuen wir uns schon auf das kommende Doom over Vienna und wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit euren Shows! Vielen Dank nochmal für diese ausführlichen Einblicke!

 

S.W.E.: Ich habe zu danken! Freue mich, wenn ihr vorbei schaut! Bis doom!

 

Hier gibt es im Übrigen die versandkostenfreien Tickets, sowie T-Shirt-Restbestände zu bestellen:

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Ute und Jürgen von SoundWallEntertainment