Interview

Video Interview Special - Manilla Road, die US Metal-Legende spricht

Erstellt von Aamon | |   Interview

Manilla Road im Metalpresse-Interview

 Manilla Road...

Jede Band erzählt eine Geschichte. Oft werden die Geschichten verklärt dargestellt. Zahlreichen Metalbands, die im Zuge der Retro-Welle nochmals Land gewinnen, obwohl sie schon längst in den Fluten der Zeit untergegangen waren und nur noch in der Erinnerung einiger weniger Die Hard-Fans noch lebendig sind, wird eine zu große Bedeutung im rockhistorischen Sinne beigemessen. Jungen Fans wird oft suggeriert, diese oder jene damalige Kapelle wäre entscheidend wichtig gewesen und war drauf und dran, den Rock-Olymp zu stürmen.

 

Manilla Road sind aber ein gänzlich eigenes Kapitel und man braucht sie auch nicht in jene metalhistorischen Verklärungsschubladen zu stecken.  Gut, sie waren auch weg in den 90ern, wie jede Metal-Band, die im Zeitalter des Grunge-und Crossover-Kults der 90er was auf sich gehalten hat, aber sie waren  doch erstaunlicherweise länger dabei als angenommen. Die Referenzwerke der 1977 in Kansas (USA) gegründen Band waren und sind noch immer Crystal Logic (1983), Open The Gates (1985) und The Deluge (1986), doch die Band war bis ins 1990er-Jahr aktiv und hat konstant veröffentlicht. Vor allem die beiden letztgenannten Werke wurden über das französische Kult-Label Black Dragon weltweit veröffentlicht, das zu dieser Zeit sowieso einen enormen Aufschwung hatte.

 

Candlemass, Heir Apparent oder Savage Grace veröffentlichten in dieser Zeit Klassiker-Alben, doch nach einer kurzen Entfaltungs-Phase ging bei Black Dragon finanziell alles den Bach runter. Die Magie des Labels war verschwunden und man bekam auch die in den folgenden jahren veröffentlichten Scheiben kaum noch mit. Rockhistorisch war aber jene Zeit zwischen 1983 und 1986 die stärkste Phase im Manilla Road-Kontext. Ich halte beide Scheiben für noch stärker als den ewigen Klassiker Crystal Logic und das liegt nicht nur an den grandiosen Fantasy-Cover von  Eric Larnoy.

 

Manilla Road waren zu jener Zeit tatsächlich wirklich hochgradig eigenständig und sehr eigenwillig. In alten Open The Gates-Reviews wurde die Band eigentlich ziemlich verissen, weil unverstanden. Der nasale, eigenwillige Gesang von Bandleader Mark Shelton wurde gesondert negativ beschrieben, dabei war gerade der Gesangsstil sehr emotional und auf eine völlig eigene Weise anziehend.

 

Es gab damals auch weder Vintage Rock, noch diesen beseelten Wunsch nach soundtechnischer Authentizität. Eher wollten die meisten Bands unter Ausnutzung sämtlicher damals modernen aufnahmetechnischen Möglichkeiten besser klingen als die Demo-Band von nebenan. Manilla Road gingen auch hier einen sehr eigenwilligen Weg. Einerseits war die Gitarre selbst sehr Metal und verzerrt, aber irgendwie auch billig im Klang, gleichzeitig gab's eine wirklich wuchtige Rhyhtmus-Abteilung und viel rockiges 70er-Beiwerk. Diese eigenwillige Mischung im epischen Ausmaß (sehr viele Songs gingen an die 10-Minuten-Grenze) hat natürlich nicht allzuviel Fans ins Herz getroffen. Als Manilla Road-Fan war man alleine auf Weiter Flur und auch der Band selbst waren Tour-technisch einigermaßen die Hände gebunden.

 

Als die Band mit den meisten anderen Metalbands in den 90ern sang-und klanglos verschwand, weinten der Band wohl leider nur wenige Fans eine Träne nach. Ein Die Hard-Fan in Deutschland wollte das aber nicht wahrhaben, gründete eine Fan-Website im aufkommenden Internet und ist 2016 der Drummer jener Band, die seit der Jahrtausend-Wende wieder voll dabei ist und mehr Fans besitzt als wohl je zuvor. Und das ist keine Verklärung, sondern verdient. Manilla Road, diese kauzige Metal-Band mit diesen knarzigen Proto-Metal-Riffs hat immer diese notwendige musikalische Klasse gehabt und Bandleader Mark Shelton ist das, was man als echten Musiker, als Künstler bezeichnen kann, der Musik mit Haut und Haar lebt und eine eigenständige Kreation erschaffen hat.

 

Im Herbst 20016 war die Band im Rahmen einer dreiteiligen Tour, die auch zahlreiche Festivals beinhaltete, zum ersten mal auch in Wien zu Gast und sofern man nicht zu jenen gehört, die auf den bekannten europäischen True Metal-Festivals unterwegs sind, hat man Manilla Road zum ersten Mal gesehen. Ich wage zu behaupten, dass der Großteil der gut 150 Zuschauer die Band noch nie gesehen hat. Dennoch war die Stimmung von der ersten Sekunde an fantastisch. Man spürt diese Magie, man spürt das Besondere der Band in der Live-Situation noch viel gravierender als auf Tonträger.  Die Band zeigte sich enorm spielfreudig und wollte selbst nach knapp 2 Stunden noch nicht aufhören. Man muss der Band eigentlich attestieren, dass das Potential für eine noch größere Fanbase da wäre. Es geht in der Musik um Emotion und Eigenständigkeit und um ganz viel Feeling und das hat die Band zuhauf.

 

Selbstverständlich hört man sich solche, mit den jahren zeitlos gewordenen Bands anders an, als jene, die Zeitgeist verkörpern. Man könnte auch den letzten Alben seit der 2000er-Wende unterstellen, dass das keine wirkliche Weiterentwicklung eines Genres ist, aber man könnte auch erkennen, dass hier mit viel Gefühl klassischer Epic Metal von einer Band abgeliefert wird, die sich bereits bewiesen hat. 

 

Wie sich die eigene Story aus Sicht der Band darstellt, haben Kollege Kreuznagel und ich nach der Show in Wien am 13. September im Viper Room Bandleader Mark Shelton und Neudi (drums) gefragt.

www.manillaroad.net

www.facebook.com/ManillaRoadOfficial

https://de.wikipedia.org/wiki/Manilla_Road

 

Interview: Kreuznagel, Aamon

Schnitt: Aamon

 

zu den Konzert-Fotos vom Viper Room, Wien 2016

 

 

 

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