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Kaltenbach Open Air 2017 - Sollte man etwas am Band-Mix schrauben?

Erstellt von Aamon | |   Story

Schöne, stressfreie Tage will man erleben bei einem Festival. Bei großen Festivals hat man das meist nicht,  auch wenn sie mehr Möglichkeiten bieten. Das Kaltenbach Open Air setzt auf Konstanz und eine gut eingespielte Infrastruktur, auch die technischen Voraussetzungen haben die letzten Jahre immer gepasst! Selbst das Wetter hat sich dem angepasst in den letzten Jahren. Auch sonst alles wie gewohnt: Der Goddess Of Desire-Stand aus Holland eröffnet die kleine Händlermeile, die aber doch ein genereller Kritikpunkt ist. Man ist zwar immer abhängig von den Standlern selbst, aber ob man hier nicht optimieren kann? Die paar Standln die Straße rauf auf der einen Seite wirken etwas verloren und trostlos. Viel Auswahl gab's leider auch nicht.

Auch im Innenbereich selbst könnte man das Ambiente sicher verbessern und verschönern.  Zuschauer-technisch hat's wohl gepasst, auch wenn mehr immer geht. Abends war der Mainbereich immer gut gefüllt und richtig Partystimmung gab's auch an beiden Tagen. Das war auch nicht immer so. Da gab's früher viel trostlosere Zeiten. Auch im Backstagebereich war dieses Jahr richtig gute Stimmung. Untertags hätte generell mehr los sein können, das lag aber auch daran, dass doch viele unbekanntere Bands am Lineup standen. Vielleicht sollte man die Anzahl der Bands etwas minimieren und dafür die Qualität erhöhen. Wenn es bei Gesprächen am Gelände Kritik gab, dann ging das immer in genau diese Richtung.

Doch auch im ersten Moment nicht so reizvolle Lineups können sich dann als richtig gut erweisen. So war es auch diesmal. Am Freitag nachmittag stach sicher Svarta hervor. Eine österreichische Black Metal 2.0-Band, die sich dem atmosphärischen Black Metal verschrieben hat. Die Band hat Ausstrahlung und auch richtig gute Songs, die zwischen Epik und Trance wandeln. Womöglich liegt diese eigene Ausstrahlung auch am Gitarristen und Sänger Nahtkra, der eine sehr spezielle Körpersprache besitzt und in einer sehr eigenen Welt zu leben scheint. Das hat was, das kommt richtig extrem.

Auch die Italiener Voltumna waren gut, aber durchschnittlich. Um 19 Uhr kamen die Finnen von Rotten Sound an die Reihe und erwartungsgemäß lärmten sie ultrabrutal. Die Musik war aber doch mehr Grind und Brutal Death und weniger Crust als ich gedacht hatte. Knapp der Hälfte im Publikum hat's gefallen. 

Ich bin der Überzeugung, dass sich Grind und Black Metal Fan-technisch eigentlich nicht gut verträgt. Es findet auch ein relativ großer Publikums-Austausch statt. Horna, ebenfalls aus Finnland war danach so richtig gut. Show-technisch völlig anders als vor einigen Jahren im Viper Room. Frontmann Spellgoth wirkt optisch wie ein anderer Mensch, die Band kommt 2017 generell brutaler rüber als damals. Der melodische, aber dennoch kompromisslose Black Metal kam mächtig cool rüber.

Necrophobic können die Stimmung danach nochmals richtig steigern. Nieten-Black Metal und viel Show, aber auch musikalisch wird nicht zurückgesteckt. Viele coole Riffs, viel Epik, andrerseits auch kantig, ruppig und viel Abwechslung. Die Schweden haben Songs, die zünden. Da gab's dann auch richtig viel Applaus, obwohl optisch Horna mehr Authentizität ausgestrahlt hat.

Cryptopsy aus Kanada war für Freunde von technischem Brutal Death sicher sehr lässig. Das kam schon kompetent rüber. Dennoch leerte sich der Mainstagebereich etwas. Das heimische Doppel Vinegar Hill und Dismal Lumentis beendeten den Abend relativ spät vor leider nur mehr spärlicher Kulisse.

Für unsere oststeirischen Freunde von Justice Lost stehen wir Samstags bereits während dem Mittagessen um 12.30 vor der Mainstage. Die Jungs sind äußerst unterhaltsam und punkten mit urigen Ansagen, haben aber auch richtig coole Songs eingepackt und am Ende war es sogar egal, dass eine Gitarren-Saite gerissen ist. Frontmann und Gitarrist Martin agiert auch ohne Gitarre souverän. Das Venom-Cover In League With Satan hat geknallt und die wirklich zahlreichen Zuschauer fordern bereits um 13 Uhr die erste Zugabe.

Mehr als erwähnenswert sind am Samstag nachmittag Madog aus Kärnten. Ich kannte nur deren Namen, aber die Band ist schon ewig dabei, hat zahlreiche Fans, von denen einige sogar aus Kärnten angereist sind und spielt klassischen Speed Metal. Die Band trägt die Haarpracht mehrheitlich grau, spielt aber frisch, wie eh und je. Mich erinnert die Mucke sehr stark an die deutschen Scanner. Die Band ist sicher in den 80ern vom Speed Metal-Virus infiziert worden und sich danach treu geblieben. Glücklicherweise! Die zahlreichen Fans danken die musikalische Klasse mit äußerst viel Applaus. Es tut gut am Kaltenbach, wenn man solche Bands sieht. Richtig gute melodische Metal-Acts lockern auf und kommen scheinbar extrem gut an.

Nachdem Bloodphemy ihren eher durchschnittlichen Death Metal äußerst fett in die Stuhlecker Waldlichtung gerotzt hatten, wird es danach richtig interessant. Das 2-Mann-Hipster-Duo Mantar zelebriert ihren Expressionismus-Metal auch beim Kaltenbach Open Air. Auch das war ein guter Griff, der den Coolness-Faktor des Kaltenbach Open Airs erhöht hat, wie mir von einigen Fans erklärt wird. Dabei gucken sich der ausgemergelte Hanno an der Gitarre und  Barträger-Hipster Erinc an den Drums direkt an, während sie ihre sehr lärmigen Quasi-Songs auf äußerst intensive Weise ausleben. Der Sound ist etwas zu schrill und die Songs dann doch sehr eintönig. Es gibt einige vergleichbare Bands, die etwas mehr Tiefgang und Melancholie in ihre Songs bringen und deshalb mehr wirkliche Gefühle zulassen. In dieser Hinsicht macht die Band es den Hörern durchaus schwer. Vielen, die diese exzessive Darbietung live gefallen hat, würden sich wohl dennoch nicht die Alben zuhause anhören. Der Band und ihren Begleitern hat es jedenfalls sehr gefallen beim Kaltenbach Open Air. Danach hatten sie sich regelrecht begeistert gezeigt von der speziellen Atmosphäre des Festivals.

Skalmöld hat mir im letzten Winter im Grazer Explosiv derartig gut gefallen im Vorprogramm von Moonsorrow, dass ich sogar ein Album gekauft hatte, die Band hat diese besondere Klasse. Das muss auch beim Kaltenbach Open Air ankommen und so war es dann auch!   Die Isländer verharren auch nicht in den üblichen Klischees. Einem flotten Pagan-Standard-Part folgt sofort ein überraschender Teil. Musikalisch springt man dabei zwischen vielen Genres hin und her. Einmal agiert man fast als Progrock-Band, dann spielt man Death Metal, Black Metal oder eben nordischen Folk, alles stets eingängig und emotional und  Gitarrist Þráinn Árni Baldvinsson liefert dazu stets virtuose Soli in selten zu hörender Qualität.

Die große Spielfreude und die unglaublich positive Ausstrahlung der Isländer tat ihr übriges: Die Band wurde abgefeiert, als gäbe es kein Morgen. Skalmöld waren somit für viele überraschend ein echter Kaltenbach-Höhepunkt 2017. Die Band hat gezeigt, wie man sich ein Publikum erspielt. Dieses zeigte die momentan angesagteste Huldigungsform im Pagan Metal-Genre: Hinsetzen, Ruder in die Hand und alle Kraft vorwärts, Schiff Ahoi!

Omnium Gatherum wirkten danach in ihren schwarzen Hemden etwas bieder. Ich bin aber sowieso kein Fan dieser allzu perfektionierten finnischen Melodic Death Metal-Sauce. Musikalisch ist die Show natürlich toll und den Fans taugt die Band durchaus, aber etwas glatt ist das schon.

Danach sinkt das Zuschauer-Interesse: Hate aus Polen ballern ihren Death/Black Metal brutal, aber relativ einfallslos in die Waldeslichtung. Hate ist einfach eine relativ öde Durchschnitts-Combo ohne Mehrwert.

Da Destroyer 666 abgesagt haben, war es naheliegend, dass KOA-Veranstalter Spiwi gleich seine eigene Truppe als Ersatz aufgestellt hat. Darkfall veröffentlichen in kürze ihr neues Album At The End Of Times und sind für ihre kommenden Release-Shows gut eingespielt. Nicht wenige sind über diesen Lineup-Wechsel sogar erfreut. Darkfall wirken an diesem Abend sehr brutal. Einerseits liegt es am sehr fetten Sound, aber auch die Songs an sich knallen. Auch Material vom neuen Album wird gespielt. Interessanterweise spielt bei den ersten Songs ein neuer Bassist. Die Band wird abgefeiert. Ich denke, Darkfall hatte noch nie ein solches Standing wie 2017! Zurecht!

Vader liefert als Festival-Höhepunkt eine Killershow. Unglaublich, was die Polen instrumental draufhaben. Killerriffs ohne Ende. Exaktestes Spiel in irrwitzig schnellem Tempo. Der Sound ist so klar.  Man hört wirklich alles raus. Womöglich ist es deshalb für mich einer der beeindruckendsten Vader-Gigs bisher. Piotr „Peter“ Wiwczarek gibt den stoischen Frontmann und sein Sideback Marek „Spider“ Pajak spielt einmal mehr in einer eigenen Liga. Völlig verrückt, was der Typ abzieht und seine Posen sind sowieso sehr amüsant.  Im Zusammenspiel erinnerte dieser Gig an Annihilator vor 1 Jahr an selber Stelle. Auch damals gab's viele offene Münder.

Nach diesen grandiosen Gigs haben wir auf Pain Is und die ranzigen Rausschmeißer Ranz dankend verzichtet. Wieder mal sagen wir Danke und blicken auf ein  sehr starkes Kaltenbach Festival 2017 zurück und hoffen auf einige Überrraschungen 2018! 

p.s. Thema Hunde oder generell Haustiere auf Festivals. Wir bedanken uns für den aufopfernden Einsatz des KOA-Teams gegenüber Zuschauern, die nicht einsehen wollten, dass Haustiere am Stage-Gelände nichts verloren haben. Und es ist schön, dass uns versichert wurde, dass dieses dringend notwendige Verbot nächstes Jahr ausdrücklich kommuniziert wird im Festival-Reglement!

Infos zum Kaltenbach open Air 2018 auf Facebook: https://www.facebook.com/events/1918327341823022/

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