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Under Jolly Roger Festival - Geile Atmosphäre, eigenartiges Lineup

Erstellt von Aamon | |   Story

Das Under Jolly Roger-Festival in der Arena Wien am 2. August war alleine aufgrund der großartigen Atmosphäre der dortigen Freiluft-Location einen Besuch wert.  Das Konzept taugt als Stadtfestival auf jeden Fall und könnte durchaus auf 3 Tage gehen.

Es war ein megaheißer Mittwoch, als die beiden österreichischen Bands Cannonball Ride und Epsilon den noch wenigen Hitzebeständigen bereits am Nachmittag saftig eingeheizt hatten.  Underside aus Nepal taten es ihnen gleich, konnten aber mit ihrem ziemlich brutalen Metalcore  nicht alle Metaller überzeugen.

Auch The Hirsch Effect, die eher diese Alternative-Prog-Szene ansprechen, konnten bei den Metalfans keine wirkliche Begeisterung hervorrufen. Hier zeigt sich auch das Festival-Problem: Das Billing wirkte etwas zerfahren und orientierungslos. Wen spricht man an? Ich denke, dass diese Kommerz-Festival-Lineups nur auf ganz großer Ebene wirklich funktionieren, wo 10 000 Metalfans 10 000en Alternative-Fans gegenüberstehen und ein Kommen und Gehen ist.  

So sehr ich daran glaube, dass im Metalbereich Festival-Billings ruhig abwechslungsreicher sein dürfen, um notwendigerweise Metalfans aller Subgenres anzusprechen, so sehr glaube ich, dass es keinen Sinn macht, Metal und Alternative zu mischen. Das sind einfach grundsätzlich völlig andere Zugänge.

Belphegor sind live einmal mehr mächtig. Toller Sound, musikalisch perfekt und sehr brutal. Das kam überraschenderweise ziemlich gut an angesichts der Tatsache, dass doch nicht so viel Black/Death-Publikum anwesend war.

Trivium, die trotz Thrash-Anteilen American Metal spielen,  sind als Anheizer von Amon Amarth wirklich hervorragend angekommen. Die Amis um Matthew Heafy sind einfach Vollprofis und Matthew ein Super-Sympathler mit viel positiver Ausstrahlung.  Es gibt  also durchaus eine Schnittmenge zwischen Trivium-Fans, die eher Metalcoriger, modern und vielleicht amerikanischer ausgerichtet sind und Viking Death Metal-Fans. Gut, beide Bands spielen seit Jahren auf allen großen Festivals.

Amon Amarth sind längst im Mainstream-Festivalbereich angekommen, auch wenn sie rein musikalisch authentischen Metal spielen. Seit ihrem letzten Album Jomsviking haben sie den klassischen Heavy Metal-Beitrag verstärkt. Live sind die Unterschiede zwischen alten und neuen Songs nicht auszumachen und der Mix aus klassischen Metal-Riffs, großer Hymnik und ballerndem Death Metal zündet wie eh und je.

Die Bühnenshow hat mittlerweile richtig große Ausmaße angenommen. Da gehört natürlich allerlei Geschmackloses mit dazu. Der Schlange beim Showdown ist herrlich trashig. Vielleicht sollte man aufpassen, dass man die zwar notwendige Selbstironie nicht allzusehr zum reinen Entertainment als Selbstzweck aufbläst.

Die Stimmung selbst war natürlich großartig und Amon Amarth müssten heutzutage 4 Stunden durchspielen, um alle Klassiker anzubringen. Ich hoffe dennoch, dass die Band sich beim nächsten Album steigert, auch wenn das in der Live-Situation egal ist, weil  Amon Amarth als Band live mit all ihrer  Sympathie und dem Wikinger-Zeugs eh nichts falsch machen können.

Wir sind gespannt, wie sich das Under Jolly Roger-Festival  weiterentwickelt. Potential ist da. Etwas mehr Linie  und musikalisches Konzept wäre noch wünschenswert.

Die Metalpresse-Kurz-Kritik:

Bands: 6/10 Punkte

Zuschauer: 7/10 Punkte

Sound: 9/10 Punkte

Atmosphäre:  10/10 Punkte

 

https://www.facebook.com/events/1877003719187861/

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