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Mit oder ohne 2.0-Würze, österreichischer Black Metal präsentiert sich 2017 erstklassig!

Erstellt von Aamon, Eirik | |   Story

Anomalie bat an diesem Abend zur der Präsentation des neuen Albums Visions, das nach Between The Light (2014), Refugium (2015) bereits dritte Album der Band darstellt. Den finsteren Reigen an diesem Abend eröffnen durften die Tiroler von Asphagor, die bekanntermaßen auch auf Wiener Bühnen kein Frischfleisch mehr abgeben. Im Kontrast zu Nachfolgendem wurde hier traditionellere Vollwertküche der schwarzen Art verabreicht, denn auch heutzutage muss nicht immer mit „2.0“ nachgewürzt werden, um den Eintopf zum Brodeln zu bringen.

 

Musikalisch machten die Herren, die definitiv zu Österreichs Speerspitze im traditionellen Black Metal zählen, ohnehin noch nie Gefangene, so auch an diesem feierlichen Abend nicht, auch wenn die Kulisse der frühen Startzeit geschuldet noch ein wenig spärlich besetzt war. Als Anmerkung im optischen Bereich sei noch erwähnt, dass die Bühne lokalstimmig in ein gepflegt infernales Licht gerückt wurde, was ausgezeichnet zur Musik passte, jedoch leider die Band und ihre wie immer perfekt in Szene gesetzte Adjustierung etwas im Forellenteich versinken ließ. Das neueste Drittlingswerk der Herrschaften mit dem Titel The Cleansing harrt derzeit noch seiner baldigen Umsetzung (Aufnahmetermin in Deutschland Ende April), konnte folglich an diesem Abend noch nicht feilgeboten werden. Wir bleiben jedoch dran beziehungsweise gespannt!

 

Anomalie haben in Wien noch nicht oft gespielt. Band-Vordenker Marrok hat mittlerweile ein sehr gutes, eingespieltes Team um sich, dass auch aus Kollegen von Harakiri For The Sky besteht, bei denen er als Tour-Gitarrist tätig ist. Da kann zumindest musikalisch wenig anbrennen. Technische Probleme gehören zu einer guten Premiere aber dazu und einige Pausen und verhinderte Einspieler gab's auch an diesem Abend. Wirklich gestört hat das aber niemanden.

 

Musikalisch war dieses Konzert einfach groß. Die Zutaten sind hier: Coole Slow-Doom-Grooves, viel Raserei, alles immer hypnotisierend, emotional und auch melodisch. Womöglich kann man einfach erhaben dazu sagen. Die Darbietung ist einfach in sich stimmig und hier erkennt man schnell, dass jene am Werk sind, die diese Musik vorgeben und nicht jene, die nachahmen. In dieser neueren Black Metal-Szene fehlt oft der letzte Punch, der Druck und der ist hier definitiv mit dabei, allen filigranen, trancigen Parts und aller Raserei zum Trotz. Vor allem aufgrund des fetten Gitarren-Sounds und der emotional-vollen Stimme von Marrok. Auch die rhythmischen, Spannung erzeugenden Wechsel kommen an diesem Abend enorm gut.

 

Anomalie rückt sich mit solchen Auftritten auch international automatisch nach vorne, wenn es um authentisch-emotionalen,  Black Metal neueren Datums geht. Ich denke aber, dass Anomalie auch Non-Black Metal-Fans anspricht, da die Band auch in Doom-Bereiche vordringt und durchaus Elemente aus Rock und Folk mit ins Spiel bringt.

 

Wederganger aus Holland geben den spätabendlichen Abschluss und wirken relativ enthusiastisch. Auffällig ist der beschwörende Klargesang, der auch harmonisch interessant gesetzt ist und immer wieder die rasende Black Metal-Szenerie auflockert.  Schon sehr cool, was die Herrschaften machen, leider viel zu kurz. Nach ein paar Songs ist aufgrund technischer Probleme der Band bereits Schluss.

 

Zuschauertechnisch blieb man nur knapp unter den Erwartungen. Interessant ist, dass man mittlerweile in Österreich auch mit österreichischen Bands durchaus größere Gigs aufstellen kann. Ich glaube nicht, dass ohne Wederganger wirklich weniger Besucher gekommen wären.

FOTOS VON ANOMALIE UND WEDERGANGER

Location: Grelle Forelle, Wien - 11. 3. 2017

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