Story

Omen rulen! Das Retro-Gigs-Problem bleibt: Ist alles wurscht, zählt nur die Musik?

Erstellt von Aamon | |   Story

Omen zeigten 2017 zumindest musikalisch, was US Metal damals ausgemacht hat! Diamond Falcon sind ein großer Hoffnungsträger in Sachen True Metal aus Österreich!

In den letzten Jahren sind Live-Performances von alten Bands aus der zweiten Reihe immer häufiger geworden. Retro-Festivals in Deutschland haben das Thema zusätzlich angeheizt. Beim diesjährigen Keep It True Festival war deshalb auch eine Band vertreten, die zwar nie den ganz großen Erfolg gehabt hat, aber die Metal-Geschichte durchaus mitgeschrieben hat.


Von Omen ist hier die Rede, die das KIT-Festival dafür genutzt haben, auch gleich einen Abstecher nach Wien ins Escape zu machen. Omen haben den US-Metal geprägt. Ihre beiden Alben Battle Cry und Warning Of Danger sind fast in jeder Listung ganz vorne vertreten, wenn es um das Genre US Metal geht. Ein Genre, das etwas diffus formuliert ist, aber im Prinzip Bands meint, die vorrangig in den ersten 2/3 der 80er Jahre Alben veröffentlicht haben, aus der USA kommen und stilistisch zwischen Thrash und Power Metal alle möglichen Metal-Subgenres abdeckten. Viele dieser Alben wurden über Roadrunner und Black Dragon in Europa veröffentlicht.

 

Omen spielen kraftvollen Metal, sehr klassisch, melodisch, hymnisch und episch, aber niemals glattgebügelt, sondern immer sehr heavy. Wichtig war auch das kraftvolle und nicht zu hohe Organ von Fronter J.D. Kimball, der leider 2003 verstorben ist.  2017 ist nur noch Gitarrist Kenny Powell ein Original-Mitglied, aber es gibt mit Bassist Andy Haas einen Querverweis zu früher. Der Musiker war wohl für einige Basslines von alten Aufnahmen verantwortlich.


Im Gegensatz zu anderen Retro-Konzerten ist ein Omen-Konzert zumindest musikalisch also durchwegs eines, auf das sich Old School-Fans zu Recht wirklich freuen, ganz ohne Verklärungs-Pathos.  Wenn ich da an andere mediale und konzerttechnische Heiligsprechungen von drittklassigen Bands in den letzten Jahre denke, die wirklich hinterfragenswert sind.  Man braucht sich nur mal den diesjährigen KIT-Headliner Cirith Ungol hernehmen. Diese Band hat ja in Wahrheit nie wirklich viele Metalfans interessiert und den wenigen, die die Band nach wie vor vergöttern, haben scheinbar kein Problem mit übelsten Kreisch-Vocals und Alben, die klangtechnisch wirklich knapp am Proberaum vorbeischrammen. Das alles ist heute an diesem Abend glücklicherweise nicht der Fall. Heute sehen viele heimische Fans zum ersten Mal eine wirkliche Legende. Wirklich viele sind zwar nicht ins Escape gekommen, aber zumindest an die 80 Zuschauer werden's schon gewesen sein. Wie bei allen Retro-Konzerten ist von Jung bis Alt alles vertreten, wenngleich Jung dominiert. Einige Die Hard-Fans sind heute nicht dabei, die sind nämlich gleich nach Deutschland zum KIT gefahren.

 


Zuerst sind aber 3 österreichische Metal-Bands dran. Viele jungen Metal-Musiker stehen 2017 auf die gleiche Mucke, die 1985 von Omen kam. Zumindest lässt die stilistische Ausrichtung das vermuten, es gibt aber dennoch gewaltige Unterschiede. Grim Justice haben als Opener vor noch wenigen Fans ihren klassischen, etwas zu klischeehaften Heavy Rock gekonnt rübergebracht. Nightmarcher habe ich zuletzt öfter live gesehen. Die Band spielt gute Shows, keine Frage, aber auch etwas zu bieder, etwas zu brav.  Von beiden Bands, die übrigens starke Frauen an vorderster Front haben, wird aber zukünftisch sicher noch einiges mehr kommen.

 


Doch dann kam mit Diamond Falcon eine Band, die gezeigt hat, wie eine Metal-Show auf hohem Niveau funktioniert. So furios wie an diesem Abend habe ich sie noch nicht erlebt: Spielerisch stark, Show-mäßig geil und Sound-technisch richtig fett. Solche Shows gab's womöglich damals 1985 auch von Omen, als sie die Metal-Welt erobern wollten. Vor Sänger Vin Weazzel muss man gesondert den Hut ziehen. Das war eine Lehrstunde in Sachen Entertainment. Der hat alle Mätzchen drauf und er schafft es, neben seiner kraftvollen Stimme, die Fans mitzunehmen. Ein neuerer Song der Band, der musikalisch wohl Iron Maiden gewidmet ist, har richtig große Emotionen erzeugt. Fighting The World von Manowar gab's übrigens auch noch zu hören.  Es ist durchaus selten der Fall, dass eine junge Truppe live auch Show-mäßig so cool rüberkommt. Das Publikum ging deshalb richtig gut mit!

 

Bei Bands aus der zweiten Reihe bleiben meist nur wenige Fans über, die jahrzehntelang später noch immer solch große Fans sind, dass sie überhaupt mitbekommen, dass bestimmte Bands noch existent sind. Im Mainstream-Bereich ist es klar, da hirschen alle hin und zahlen ein Vermögen für überteuerte Tickets.  Gerade aber bei unbekannten Bands ist leider die Chance größer, dass eine Band etwas eigen rüberkommt. Dafür gibt es Gründe. Man weiß ja von den großen Bands, dass dieser vermeintliche Winderspruch eigentlich gar kein Problem ist und Metal-Musiker, ähnlich wie Jazz-Klassik-oder Bluesmusiker bis ins hohe Alter musizieren können, warum denn auch nicht. In der zweiten Reihe der nicht erfolgreichen Bands kommt aber die Komponente dazu, dass viele dieser Musiker jahrelang völlig weg waren von der Mucke im professionellem Sinne und sich nach Jahrzehnten des Abseits womöglich überreden ließen, wieder aufzutreten und dann vieles einfach lächerlich wirkt. Muss zwar nicht sein, ist aber oft der Fall. Ob es nicht besser ist, wenn man solche Konzerte gar nicht sieht und sich eine kindlich-naive Verklärung belässt, muss jeder für sich selbst beantworten, auch wenn man musikalisch womöglich große Augenblicke verpasst wie an diesem Abend.

 

Omen waren mal Heroes, Metal-Krieger, zumindest am Cover der alten Alben.

 

Als Omen die Bühne enterten, kamen mir leider diese Fragen wirklich in den Sinn. Kenny Powell sieht aus wie ein Typ, der vom Tatort-Team für einen zwielichtigen Kraftkammer-Meier gecastet werden würde, Basser Andy Haas würde man eher in einem abgefuckten Country-Club im hintersten Hinterland der USA vermuten. Sänger Matt Storey schießt  aber den Vogel ab: Selbstgebastelte Schulter-Kugel-Rüstungen sind bei älteren Herren nicht wirklich cool.

 

Ist die Selbstironie im True Metal wirklich so groß?

 

Ich bin mir gar nicht sicher, ob es überhaupt Selbstironie ist, sondern einfach ein völliges Wurschtigkeits-Gefühl, was Inhalte, Optik und Image anbelangt. Die gleiche Frage kam mir dieses Jahr bei Hammerfall. Dort überwiegt auf jeden Fall die Selbstironie und diese Haltung macht die Band quasi aus, auch wenn man sich selbst und die Musik durchaus ernst nimmt. Hier bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht unterschätze ich aber auch diese zahlreichen ernsten Gesichter im Publikum, von denen sich sehr viele nicht zu fragen scheinen, ob diese Show optisch nicht etwas zu lächerlich rüberkommt. Nein, sie genießen einfach nur die Musik. Vielleicht ist aber genau das der Tiefgang, der diese Szene ausmacht. Keine Oberflächlichkeiten, nur die reine Musik. Das sind durchaus spannende Fragen, weil sie mitentscheiden, welche Fans welche Genres bevorzugen.

 

Die Omen-Show an diesem Abend ist aber so genial, dass all diese Gedanken gleich bei den ersten Songs aus meinem Kopf gepustet werden. Die Band ist spielerisch extrem gut drauf. Die Songauswahl ist legendär. Ein neuerer Track wird gebracht, der mit den Klassikern mithalten kann. Omen wird zurecht abgefeiert und gibt selbst alles. Vor allem Matt Storey  und Kenny Powell rocken richtig groß ab. Am Ende spielten sie gar eine alles zerlegende Version von Battle Cry, einen Song, den ich wohl an die 1000 mal gehört habe in all den Jahren. Da überkamen mich gar Freuden-Tränen, ein seltenes Gefühl.  Erstaunlicherweise hatten auch die jungen Fans die alten Klassiker gut drauf. Teilweise wurde richtig zahlreich mitgesungen. Die Atmosphäre war echt lässig.

 

Am Ende kann man wohl Entwarnung geben. Retro-Gigs sind womöglich die wirklich coolen Gigs, weil es um das Essentielle in der Musik geht Der Aspekt der Heldenverehrung ist womöglich sogar kleiner zu bewerten als bei den echten, langjährigen Helden.

Zurück

Plugin