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Stadtfestival-Trend: Das Vienna Metal Meeting war echt ein cooles Ding!

Erstellt von Aamon | |   Story

Stadtfestivals ohne Camping liegen im Trend. Das Vienna Metal Meeting ist ein neuer Versuch, auch in Wien ein derartiges Festival zu etablieren. Der Festivalname selbst entstammt vom holländischen Original-Festival Eindoven Metal Meeting, das im dortigen Dynamo-Club stattfindet und auch als Untertitel des legendären Dynamo-Festivals in Eindhoven in den 90ern gedient hat.

Einige können sich zudem an das Metal Fest (Vorläufer vom Metal Camp, das ab 2004 in Tolmin in Slowenien stattgefunden hat) in der Arena Wien erinnern, das 2002 (1 Tag) und 2003 (2 Tage) stattfand. Vielleicht findet das Vienna Metal Meeting nächstes Jahr auch bereits 2 Tage statt und vielleicht riskiert man dann auch die Open Air Stage zu bespielen.

Das Vienna Metal Meeting 2017 hat einen echt guten Eindruck hinterlassen und gezeigt, dass ein derartiges Festival vor allem dann gut funktioniert, wenn  die Bandauswahl durchdacht ist. Selbst dann, wenn zur Prime Time auf der großen Stage eine Band wie Flotsam & Jetsam spielt, die aus Metal-historischen Gründen (erste Speed/Thrash-Welle in der USA, Bassist Jason Newsted ging bekanntlich zu Metallica) zwar interessant ist, aber nicht unbedingt wirklich allgemein beliebt oder musikalisch ein absolutes Muss. Es geht ums Prinzip.

Es ist die Mischung aus Tradition (Sodom, Asphyx), Exklusivität (Mayhem) und angesagter Coolness (Caronte, The Ruins Of Beverast), garniert mit österreichischen Bands, die in der Beliebtheit den internationalen Gästen nicht nachstehen und teilweise sogar Amadeus-nominiert sind dieses Jahr (Black Inhale, Harakiri For The Sky).

Der Plan ist aufgegangen. Seit über 10 Jahren gab's kein so großes Metal-Event mehr in der Arena Wien. Das Wetter hat auch mitgespielt. Am Vortag hat's wettertechnisch noch sehr durchwachsen ausgeschaut und eine so große Party wäre nicht möglich gewesen. Es ist einfach saucool, wenn das ganze Arena-Gelände voller Leute ist. Die Verteilung hat genau gepasst. Bereits am Nachmittag war die große Halle gut gefüllt und auch im Außenbereich war richtig gute Stimmung. Ich kann mich noch  an 2003 erinnern, als Indoor beim Metal Fest am Nachmittag gähnende Leere war und österreichische Bands vor einem dutzend Fans aufspielten. Auch wenn man anmerken muss, dass damals die Open Air Stage bespielt wurde.

Also gleich mal rein in die Halle und erstaunt feststellen, dass 2017 der Prophet im eigenen Land tatsächlich etwas gilt. Bei den gewohnt souverän aufspielenden Mortal Strike war einmal mehr großartige Stimmung, auch bei Black Inhale hätte man als Unbeteiligter niemals eine österreichische Band vermutet, die dort mit unglaublich brutalem Sound und fettesten Grooves sehr selbstbewußt auf der Bühne stand.

Österreichische Bands waren im eigenen Land selten wirklich angesagt, deshalb war es um so schöner zu sehen, dass vor den Gig von Harakiri For The Sky richtig Spannung in der Luft gelegen ist. Viele, die die Band noch nie gesehen haben, waren neugierig auf die Band mit dem schrägen Namen. Die Halle war richtig gut gefüllt bis hinten oben.  Harakiri For The Sky sind mittlerweile richtig gut eingespielt. Das viele internationale Touren macht sich positiv bemerkbar. Die Emotionen kommen rüber. Die Mischung aus getragenen und rasenden Passagen hält die Stimmung immer hoch. Die trancig-melodische Ausrichtung kommt bestens an und am Ende hilft kein Zugabe-Schreien, die Band tritt einmal mehr zu Akustik-Klängen stilvoll nacheinander ab.  Die coolen T-Shirts der Band verkaufen sich nach der Show erwartungsgemäß sehr gut.

Derweil starten gerade die holländischen Death Metaler Izegrimm in der kleinen Halle ins Set. Die blonde Vocalistin/Bassistin ist natürlich Blickfang. Der zu kleine Laden ist brechend voll, die Stimmung schweißtreibend. Für viele waren Izegrim ein Festival-Highlight.

In der großen Halle machten sich die Polen von Batushka bereit, die mit Orthodox-Church-Schmäh  ein richtig schönes Bühnenbild zauberten und in ihren Kutten ähnlich geheimnisvoll wirkten wie ihre Landsmänner von Mg?a, nur das Batushka doch noch ein Schäuflein nachlegen, was musikalische Oppulenz betrifft. Eigentlich sollte diese Mischung jeden gefallen, der auf bombösen Black Metal steht. Das war schon eine lässige Show, aber es wird Zeit für urwüchsigere Sounds. Nachdem Dew-Scented mit ihrem sehr brutalen Death/Thrash  den kleinen Arena-Saal richtig aufgeheizt haben, geht es in die doomige Welt der Italiener Caronte. Dreckig,  voller Flair und Feeling betörten die Italiener mit ihrem schweren Doom, der immer wieder in ekstatische Formen ausbricht und trotz tranciger Eleganz die Zuschauer richtig mitreisst. Weil eben die Riffs cool sind, weil das Gefühl groß ist und weil die Power einfach stimmt! Eine grandiose Live-Band zwischen bluesigen Doom und Black Metal.

In der großen Halle spielen inzwischen Flotsam & Jetsam. Netter Old School-Thrash, der perfekt und sympathisch rüberkommt, aber mich langweilt. Also rüber zu den britischen Extremos von Dragged Into Sunlight. Das coole Bühnen-Design sticht sofort ins Auge, aber viel extremer ist diese ultrafiese Brutalität der Band. Ich habe schon viel gesehen, aber Dragged Into Sunlight sind schon besonders extrem. Showmäßig kommt aber nicht viel. Auch diese Band gehört zu den neuen Versteck-Bands und spielen verkehrt zum Publikum.

Sodom kommen in der großen Halle erwartungsgemäß gut an, spielen den bekannten Sodom-Gig mit den gewohnt sympathischen Kumpel-Sagern von Tom Angelripper und allen Band-Klassikern. Interessanterweise war Tom irgendwann vor dem Konzert nicht so gesprächig. Als er mit Bernemann im oberen Arena-Bereich ein Bier ordern wollte, kamen gleich mal ein paar Fans an wegen der üblichen Fotos. Die beiden haben ziemlich schnell das Weite gesucht. 

Drüben spielten in der Zwischenzeit The Ruins Of Beverast. Diese Band ist ein harter Brocken. Schwere Songs zwischen Avantgarde und Black Metal, sehr hypnotisch. Extrem genialer Gig. Das Feeling im kleinen Arena-Saal war sowieso richtig genial. Gerade die Bands dort haben das Festival zu einem großartigen Festival werden lassen.

Zur Geisterstunde gab's die von vielen lange herbeigesehnte Klassiker-Show von Mayhem, die dann mit echt coolen visuellen Reizen auch tatsächlich einer Geisterbahnfahrt glich.  De Mysteriis Dom Sathanas war das abendliche Motto und die Band zog eine richtig kurzweilige Show ab. Irgendwie wirken Mayhem immer etwas merkwürdig, aber genau das macht den Reiz aus. Visduell wirkt man aufwendig und billig zugleich. Dieses strange, echt schöne visuelle Szenario zwischen den sperrigen Mayhem-Songs lässt so eine ganz spezielle Atmosphäre entstehen, die nur wenige Black Metal-Bands erreichen.

Zur Organisation:


Dank der gut gewählten Band-Mischung konnte man endlich mal wieder nach Jahren sehr viele bekannte Konzert-Besucher zeitgleich bei einem Wiener Konzert erleben, die sonst nur  bei den jeweiligen Genre-Gigs so geschlossen mit dabei sind. Nebenbei waren auch viele internationale Gäste anwesend. 


Negativ zu bewerten war  die Arena-Gastro. Überall unterbesetztes, zu langsames Service.  Das Würstelstandl schoss den Vogel ab. Eine halbe Stunde Wartezeit war Normalzustand.  Die kulinarische Auswahl war für ein Festival auch mäßig. Die Sanitäranlagen waren bereits nachmittag ziemlich würzig. Hier benötigt man mehr Service.  

 

Die Holländer Godess Of Desire waren mit ihrem coolen Merchstand dabei, hatten aber mit Raum 1 des Dreiraums in der Arena einen schlechten Platz erwischt.  Auch Raum 2 mit dem Band-Merchstand der kleinen Halle hat wenig Flair. Vielleicht sollte man diese Räumlichkeiten mit einer Bar aufwerten. So wirken sie leider etwas trostlos. Gleichzeitig ist Raum 3, der kleine Arena-Konzertsaal etwas zu eng. Vielleicht baut die Arena ja irgendwann wirklich mal um. Was aber auf jeden Fall sein hätte müssen: Das Öffnen der Tür, die direkt nach draußen geht. Es hat sich beim Eingang zeitweilig extrem gestaut, man hatte kaum eine Chance, überhaupt reinzukommen. Etwas später am Abend wurde der Fehler erkannt und man konnte direkt von hinten in die Halle. 

Fazit: Einer der lässigsten Konzert-Tage seit Jahren in der Arena. Sound, Licht und Bands waren großteils perfekt! Die Stimmung war spitze! Das Vienna Metal Meeting ist echt ein cooles Ding!


FOTOS VOM VIENNA METAL MEETING 2017

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