Interview

Alex von Pungent Stench im History-Interview 2004

|   Interview

Dieses Interview mit Alex Wank (Drums) fand am 14. Oktober 2004 im Cafe Voodoo (das mittlerweile von Alex Wank betrieben wird) im 7. Wiener Gemeindebezirk statt, und war zur Veröffentlichung im schwedischen Demonized Blessings-Fanzine vorgesehen.  Leider kam es damals nicht mehr dazu, da das Magain kurzfristig eingestellt wurde. Das Inverview schlummerte seitdem auf meiner  Festplatte. Angesichts der anstehenden Veröffentlichung des niemals veröffentlichten Nachfolge-Albums von  Ampeuty und nach vorangegangenen Kontroversen um Pungent Stench, Church of Pungent Stench etc. und angeblichen Rechtsstreitigkeiten ist das Thema durchaus wieder interessant und  wir möchten die Statements von vor beinahe genau 10 Jahren der werten Leserschaft nicht vorenthalten. Smut Kingdom  wird übrigens im April über Back On Black-Records veröffentlicht!   (Eugen, Metalpresse)

 

Eugen:  Hallo Alex, Danke, dass du dir die Zeit nimmst, um dieses Interview zu geben. Vorab gleich mal Gratulation zu dem neuen Album Ampeauty, das ich noch um einen guten Zacken besser finde als zuvor Masters of Moral, Servants of Sin, speziell wenn ich an die Soundqualität denke, aber auch von den Texten und den Coverartwork her. Diesmal grooved es wieder so richtig, und der Sound ist nicht so glatt poliert, so gefällt mir das.

Alex Wank: Danke, da stimme ich dir zu. Auch wir mögen das neue Album sehr und finden es richtig gut, speziell der Sound ist diesmal viel besser gelungen als auf dem Vorgängeralbum. Mittlerweile haben wir erkannt, dass es ein Fehler war, Masters of Moral, Servants of Sin diesen modernen Sound zu verpassen.

Eugen: Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurde das Booklet mit den Songtexten in Deutschland nicht mit Masters of Moral, Servants of Sin zusammen verkauft, man konnte es aber vom Label als Extra anfordern.

Alex Wank: Ja genau, das stimmt. Diese Entscheidung war notwendig wegen des Verkaufskanals über einige grössere Handelsketten, und der Möglichkeit, dass besorgte Eltern das Album wegen der abgedruckten Texte, in denen es ja hauptsächlich um Pädophilie geht, bei der Polizei anzeigen.  Wir hatten damals ja auch Probleme mit For God your Soul, for me your Flesh und Club Mondo Bizarre, speziell in Süddeutschland, wo die beiden Alben nach Anzeigen von Eltern auf dem Index gelandet sind. Deshalb traf Nuclear Blast diese Entscheidung, um eine Indizierung von Masters of Moral, Servants of Sin zu vermeiden. Aber zum Glück passierte überhaupt nichts, keine Anzeigen, gar nichts. Deshalb gingen wir und das Label beim neuen Album das Riskiko ein, die Texte im normalen Booklet abzudrucken.

Eugen: Gab es Probleme dieser Art auch in anderen Ländern?

Alex Wank: Nein, in anderen Ländern gab es nie diesbezügliche Probleme.

Eugen: Wurden eigentlich die Coverfotos für das Ampeauty-Booklet, welche meiner Meinung nach verdammt gut gelungen sind, von euch selbst gemacht oder montiert?

Alex Wank: Erstmal, diese Fotos sind echt, hier gibt es keine Fotomontage, ausgenommen natürlich die Fotos der Bandmitglieder. Die Frauenbilder sind original und wurden von einem Freund gemacht, der Fotograf von Beruf ist und der einen extremen Fetisch bezüglich diesen Dingen hat. Er sammelt auch Rollstühle, Prothesen und so Zeug.

Eugen: Mir gefallen auch die Bandfotos sehr gut, weil sie diesmal anders sind, mit dem Kontrabaß und den Schlagzeugbesen. Übrigens, ist diese Augenklappe, die du da trägst, eigentlich ein Teesieb? Es sieht zumindest danach aus.

Alex Wank: Ja, wir dachten wir nehmen etwas, das bizarr und skurril wirkt. Bezüglich der Augenklappe dachte ich zuerst selbst auch, dass das ein Teesieb ist, aber es ist nur so ein Teil aus der Sammlung des Fotografen und es ist wirklich eine original Augenklappe.

Eugen: Kurz zu eurem Songwriting: Werden die Texte erst nach den Songs geschrieben oder habt ihr sie schon zuvor fertig ?

Alex Wank: Die Texte kommen immer erst ganz zum Schluß, die Musik ist mehr oder weniger schon komplett fertig, bevor wir überhaupt erst an die Texte denken. Diesmal schrieben wir die Texte zum Großteil während der Aufnahmen im Studio, was zuvor aber durch externe Studios nicht möglich war. Beim aktuellen Album nahmen wir die Songs auf und machten den Rohmix, danach schrieben wir die Texte und machten die Aufnahmen fertig.

Eugen: Ihr beide (Du und Martin Schirenc) schreiben die Musik und die Texte?

Alex Wank: Ja genau, wir machten die Musik und die Texte gemeinsam.

Eugen: Kurz zum Studio: Das Vato Loco ist ja Martins Studio, in welchem er ja auch die Hollenthon-Alben aufgenommen hat.

Alex Wank: Ja genau, aber er nahm auch viele andere Sachen dort auf, wie zum Beispiel die neuen Alben von Disastrous Murmur, Raventhorn, Collapse 7, das Kreuzweg Ost-Album und einige Demos.

Eugen: Wo wurde denn eigentlich Masters of Moral, Servants of Sin aufgenommen?

Alex Wank: Diese Aufnahmen fanden in einem Studio in Deutschland statt, mit dem Namen House of Music oder so ähnlich, auf Empfehlung von Nuclear Blast. Aber eigentlich war das eine reine Geldverschwendung und wir waren nicht zufrieden mit dem Sound. Jetzt beim aktuellen Album ist der Sound bei jedem einzelnen Instrument viel besser, und, was am allerwichtigsten ist, auch der Gesamtsound ist deutlich besser geworden.

Eugen: Ich hoffe ihr werden einige der neuen Songs auch auf der anstehenden Tour spielen. 

Alex Wank: Klar, aber das hängt davon ab, ob wir eine Headliner Tour machen werden, auf der wir zumindest 5 Songs aus Ampeuty spielen können, oder ob wir auf einem Festival sind, wo wir nur begrenzte Spielzeit haben. Wir werden im Oktober/November auch ein Video zu Amp Hymn machen, aber dafür mussten wir den Song etwas kürzen, damit es auch gespielt wird. 

Eugen: Wenn ich mich recht erinnere, gab es 2003 ein Pungent Stench-Konzert in der Arena und Gerüchte, dass dieses Konzert für eine DVD Veröffentlichung aufgenommen wurde.

Alex Wank: Ja, dieses Konzert wurde mit 5 Kameras aufgenommen, aber ob du es glaubst oder nicht, wir haben die Aufnahmen bis jetzt noch nicht einmal angeschaut, weil wir kurz nach diesem Konzert mit dem Songwriting und den Aufnahmen für das neue Album anfingen und die Zeit wie im  Flug verging. Aber vielleicht werden wir die Live Aufnahmen bald ansehen, aber das wird ein hartes Stück Arbeit. Falls wir es wirklich veröffentlichen, wird es nur dieses eine Konzert sein, das fast 2 Stunden dauerte, und sonst nichts, kein Bonus- oder Backstage Material oder was auch immer. Nur der Gig, sonst nichts. Aber es gibt auch Pläne für eine  Doppel-DVD irgendwann später, welche in 2 Teile aufgeteilt sein wird. Ein Teil mit altem Material von 1988 bis 1993 der auch alte Videoclips und Filmmaterial beinhalten wird – zum Glück filmen wir ja schon seit 1993. Der zweite Teil  wird Zeug von heute an bringen und sich mehr auf das Umfeld als auf die Konzerte konzentrieren.Aber wie gesagt ist das nur geplant, und wir können dazu noch nicht mehr sagen, weil wir es selbst noch nicht genau wissen. 

Eugen: In den Weiten des World Wide Webs hab ich gelesen dass ihr auch eine CD mit reinen Coversongs plant, stimmt das?

Alex Wank: Ja, wir ziehen das in Erwägung. Es gibt noch keine Details, aber der Plan wir immer konkreter. Wir denken da an seltsame und kuriose Coverversionen. Nicht nur bezüglich der Songauswahl, sondern auch wie wir sie präsentieren werden. Es werden viele unserer alten Helden dabei sein und sogar Songs von Bands die man so nicht dem Metal zurechnet. Sehr wahrscheinlich werden auch die Cover Songs, die wir zur Zeit live spielen, wie z.B. La Bamba, oder Four-F-Club nicht dabei sein. Weil wir so viele alte Helden und Lieblinssongs habe könnte es sogar auch eine Doppel CD werden. 

Eugen: Da drängt sich die Frage auf, was ist eigentlich dein Lieblingsalbum?

Alex Wank: Ahh, ich hab keins, es sind viel zu viele. Ich höre sehr viel Dark Ambient und Elektronisches Zeug, aber auch viel Italienische Filmsoundtracks aus den 60er und 70er.  Wenn ich Metal höre, dann bevorzuge ich Hard-Rock und Metal aus den 70ern und frühen 80ern, und nicht Death Metal. 

Anmerkung Eugen: Vor diesem Hintergrund versteht man auch, warum Alex Wank Anfang 2012 das Label Cineploit Records gründete, um Musik zu veröffentlichen, die  obskurer Italienischen Filmmusik aus den 60er bis 80er Jahren huldigt.

Eugen: Du hörst auch gerne Soundtrack-ähnliche Düster-Elektronik wie die neuen Ulver-Scheiben, aber wie sieht's mit Neoklassik aus, z.B. Elend?

Alex Wank: Nein, auf keinen Fall ist das was für mich. Mir gefällt z.B. Philip Glass, Michel Nyman, und wenns schräg sein soll, Krzysztof Penderecki. Aber wenn ich solche Sachen höre, dann müssen es echte Komponisten sein und keine ehemaligen Metaller die plötzlich sagen, dass sie jetzt klassische Musik spielen, das ist wirklich nichts für mich.

Eugen:  Zurück zum neuen Album: Der Bass wurde von Martin eingespielt und noch nicht vom neuen Bassisten Fabio Testi.

Alex Wank:  Ja das stimmt. Er kam zu spät zur Band, um die Bassspuren für Ampeauty aufzunehmen, aber so hatte er zumindest genug Zeit um die alten Songs zu üben während Martin und ich im Studio waren.

Eugen: Warum kriegte Fabio den Job am Tieftöner? Wart ihr zuvor schon befreundet?

Alex Wank: Ich kannte ihn überhaupt nicht und Martin auch nur ein bisschen. Aber als wir auf der Suche nach einem neuen Bassisten waren hatte ich überhaupt keine Ahnung wen wir fragen könnten, und Martin liess seinen Namen fallen, weil er einmal zuvor seine Band Dreadface gesehen hat und ein paar Bier mit Fabio getrunken hat. Er hat jetzt auch immer noch diese andere Band, eine Motörhead beinflusste punkige Rock`n Roll Band wo er Bass spielt und singt. Wir fragten ihn und er war interessiert und lernte unsere Songs sehr schnell und er passt auch zur Band. Was aber noch wichtiger ist, er ist zeitlich nicht anderweitig gebunden, was für uns absolut notwendig ist.

Eugen: Was macht eigentlich Mario (der Bassist Masters Of Moral – Anmerkung Eugen) zur Zeit? Ich denke mal er konzentriert sich wieder voll auf sein Band Collapse 7.

Alex Wank: Ja, er ging, weil er sich wieder mehr auf Collapse 7 konzentrieren wollte, aber hauptsächlich ging er deshalb weil wir sehr sehr viel unterwegs waren, und er mochte das nicht so gern. Er wäre gern 2 Wochen im Jahr mit dem Nightlinger durch Europa gefahren und das wars dann, den Rest des Jahres daheim.  Aber wir sagten ihm, daß das touren ein essentieller Bestandteil der Band ist und dass wir das wegen ihm nicht ändern werden. Das musste er dann akzeptieren und er ging. Aber wir warfen ihn nicht raus und wir sind immer noch gute Freunde. Ich denke er bereut seinen Weggang mittlerweile sogar. Auch Belphegor waren nicht so viel unterwegs als er noch in der Band war, sie touren jetzt viel mehr.

Eugen: Sorry wenn es jetzt etwas off-topic geht, aber weisst du, ob Martin (Schirenc) neue Pläne mit Hollenthon hat in der näheren Zukunft?

Alex Wank: Ja, nächstes Jahr (2005) möchte er ein neues Album rausbringen. Jetzt wo das Pungent Album fertig ist, arbeitet er wieder mehr mit Hollenthon und er möchte im Frühjahr mit den Aufnahmen beginnen. Ich hoffe er schafft es, aber ich denke, er muss sich beeilen. (Opus Magnum erblickte erst 2008 das Licht der Welt, Anmerkung Eugen)

Eugen: Wie siehts aus mit der nächsten Tour, habt ihr schon konkrete Pläne oder Termine?

Alex Wank: Dieses Jahr touren wir durch Tschechien und wir haben ein paar Termine in Österreich, nicht so viel, aber im Jänner beginnt die Europa Tour mit Konzerten und einem Festival in Spanien und Konzerten in Deutschland, Holland und Schweden. Im Februar geht’s dann ab nach Australien und Neuseeland, danach im März ist England dran, und später noch Termine in Polen, dem Baltikum, und Russland dann im September. Dazwischen werden wir auf einige Sommerfestivals spielen und es gibt auch noch Pläne für Gigs in Island, Türkei und Griechenland.

Eugen: Und auf welchen Sommerfestivals habt ihr diesen Sommer gespielt?

Alex Wank: Das waren das Party-San, dann ein Festival in der Ukraine auf der Krim, das war sehr interessant, mit vielen Besuchern und am Strand. Weiters noch das Kaltenbach Open-Air, dieses seltsame Aerodrome-Festival in Österreich, das Merciless East-Festival in Polen, ein kleines Festival in Holland, Stonehenge oder so ähnlich hat das geheissen, und im September noch eins in Deutschland.

Eugen: Magst du lieber kleine oder lieber grössere Festivals?

Alex Wank: Natürlich spielen wir lieber auf den kleinen Festivals. Die sind viel interessanter für uns, und wir spielen nur auf den großen Festivals weil wir müssen, und ich mag die großen Festivals wie Wacken überhaupt nicht, weder als Musiker noch als Besucher.

Eugen: Eine letzte Frage zum Touren: Wo denkst du, dass es das enthusiastischste Publikum gibt?

Alex Wank: Hmm, ich würde sagen in Südamerika. Ich denke, das Publikum in Mexiko ist ziemlich extrem, aber wir waren selber noch nicht dort. Aber auch Russland kann einem einiges geben. Dort ist uns aufgefallen, das Publikum wirklich dankbar war wenn wir in Städten gespielt haben, in denen normalerweise keine internationale Band Halt macht. Ich meine, in beinahe jeder Stadt außer Moskau und St. Petersburg sehen einen die Leute an als ob man ausserirdisch wäre. Manchmal können die kaum glauben dass du wirklich diese Band bist, und denken dass wir eine Art Double sind weil niemand glaubt, dass eine Band wie Pungent wirklich in einem kleinen Kaff im Nirgendwo ein Konzert spielt. Das ist ein Extrembeispiel, sowas passiert aber auch wirklich. Andererseits bekommt man auf solchen Konzerten Reaktionen, die man in grösseren Städten nicht hat. Je ärmer die Menschen sind, desto weniger sind sie Livebands gewöhnt, und desto dankbarer sind sie auch dafür, dass man überhaupt spielt.

Eugen: Jetzt mal zu was ganz anderem: Sind das deine Kinder am Masters of Moral-Booklet?

Alex Wank: Nein, das ist die Tochter eines Freundes von mir und der Sohn von Martins Schwester. Aber ich habe einen Sohn und lebe mit zwei anderen Kindern von meiner Freundin zusammen.

Eugen: Wenn man mal nach deinen Texten geht, bist du Splatterfilm Fan?

Alex Wank: Natürlich, aber ich liebe generell Italienische Filme aus den 60er bis 80er Jahren, ganz egal ob es ein Mystery Thriller, Western, Mafia Geschichte oder sonstwas ist.

Eugen: Ich erinnere mich dass du dich in deinem Laden, dem Totem mal beschwert hast, weil dir jemand versehentlich deine Wickie-Videokassetten gelöscht hat.

Alex Wank: Wirklich? An das erinnere ich mich nicht. Ich denke ich habe immer noch alle von ihnen. Ich habe alle Folgen auf VHS, ich mag sie wirklich. Ich bin damit aufgewachsen und hab sie als kleines Kind gesehen, und es hat mich beinflusst. Martin ist auch ein großer Wickie Fan, wir finden die Serie genial, angefangen von der Musik über den Stil bis zur Handlung, einfach großartig. Ich mag auch Heidi, Pinocchio und all die anderen Japanisch-Deutschen Gemeinschaftsproduktionen aus den 70ern.

Eugen: Wenn ich mich recht erinnere, sammelst du auch Fußball-Sticker-Alben...

Alex: Natürlich kaufte ich das von der letzten Europameisterschaft, aber ich hatte auch das der WM 1978 in Argentinien, das ist aber irgendwie verschwunden. Ich hatte aber viel mehr Sammelalben damals in den 70ern, nicht nur Fußball. Ich glaube das waren Winnetou und viel mehr, aber die sind alle weg, leider. Wenn du dich erinnern kannst, in den 70ern gab es auch solche Rubbelszenarien, wo man eine Landkarte oder einen Plan hatte und Figuren, Autos, Werkzeuge und so Zeug, das man auf den Plan hinpausen konnte, wie man wollte. Die mochte ich auch sehr gern, ich glaube ich hatte Kojak, Schlacht von Lepanto und viel mehr schräge Szenarien.

Eugen: Du bist ja auch Fußball Fan? Denkst du nicht auch, dass  das Österreichische Nationalteam bei der Euro 2008 nichts verloren hat, obwohl es als Veranstalter automatisch qualifiziert ist?

Alex: Absolut, normalerweise gehe ich jede Woche zum FavAC Spiel. Zur Zeit ist das Österreichische Team leider miserabel und ich denke nicht, dass wir die Vorrunde überstehen werden.

Eugen: Veranstaltest du zur Zeit viele Konzerte ? Das letzte war ja Place of Skulls in der Fluc-Mensa.

Alex: Nicht mehr so viele, früher hab ich da viel mehr gemacht. Vielleicht ein paar Bands nächstes Jahr, aber ich weiß noch nicht mal, welche. Wenn,  dann nur Bands die mir gefallen und hoffentlich auch etwas Geld bringen. Ich werde sicher nicht jede Band machen, die angeboten wird weil heutzutage so viel schlechte Bands unterwegs sind. Dafür ist es zu viel Aufwand und Risiko und ich hab  das lange genug gemacht.  Place of Skulls musste ich aber einfach machen.

Eugen: Was ist eigentlich mit der Pungent Homepage, wird sie irgendwann upgedated werden?

Alex: Ja, bis jetzt machten wir das selbst, aber dafür haben wir einfach keine Zeit mehr und wir haben jetzt auch jemanden gefunden der das für uns machen wird. ...es ist in Arbeit. Und es ist halt viel Arbeit, selbst wenn wir das Design und das Coding nicht mehr selber machen, aber ich muss die Texte und alle Infos austauschen, da ist viel zu tun. Aber die neue Seit kommt bald und wird komplett neu werden, und ich werde versuchen, die Totem Homepage upzudaten.

Eugen: Bezüglich Totem, verkaufst du viel über Mailorder oder mehr über Direktgeschäft im Laden?

Alex: Früher verkaufte ich viel über Mailorder, aber weil die Homepage lange nicht upgedated wurde, geht zur Zeit fast nichts über Mailorder.

Eugen: Und jetzt nochmal zu was ganz anderem, wie ist diene Einstellung zu limitierten Veröffentlichungen im Metal?

Alex: Generell habe ich damit kein Problem, aber es kommt halt immer auf den Grund für die Limitierung an. Wenn das ein plausibler Grund ist, ist es OK für mich, aber wenn nur deshalb limitiert wird, um künstlich die Preise in die Höhe zu treiben, dann ist das absolut verwerflich. Das gilt natürlich nur, wenn das Label genau weiß, dass das Limit viel niedriger ist, als man eigentlich absetzen könnte. Es gibt natürlich auch Bands, die eine Veröffentlichung auf, sagen wir mal 500 Stück begrenzen und genau wissen, dass sie derzeit sicher auch nicht mehr verkaufen würden. Das wäre dann aus meiner Sicht in Ordnung.

Wenn aber eine größere Band etwas spezielles macht, dann sollten Band und Label ziemlich genau wissen, wie hoch der mögliche Absatz sein kann, und auch dementsprechend limitieren, wenn es überhaupt ein Limit geben muss. Wenn jemand ein Album in einem limitierten speziellen Format veröffentlichen will,wie z.B. auf Picture Vinyl, warum nicht ? Solange auch ein unlimitiertes normales Format ebenfalls erhältlich ist. Wenn es nur eine strikt limitierte Version gibt, ist es natürlich kein Wunder, wenn Bootlegs auftauchen, aber daran wäre dann das Label schuld. Aber für einen Sammler macht das ohnehin keinen Unterschied, ein Sammler muss immer das Original haben.

Ein weiterer Punkt ist natürlich die Entwicklung einer Band. Wenn eine unbekannte Band von einer LP oder CD 1000 Stück auflegt und über Jahre nicht verkauft, aber 15 Jahre später dieselbe Band plötzlich, warum auch immer, 100.000 Stück verkaufen kann, dann kann man der Band oder dem Label nicht den Vorwurf machen, damals nicht in die Zukunft schauen zu können. Aber meistens sind Limitierungen nur ein Versuch noch mehr Geld zu machen.

Eugen: Wie lange wart ihr eigentlich im Proberaum für das neuen Album, und wie sah das zeitlich aus, da du ja doch trotzdem viel Zeit in deinem Laden bist?

Alex: Normalerweise proben wir morgens oder abends, deshalb habe kein Problem untertags im Totem zu sein. Bis vor ca. einem Jahr probten wir meist am Abend, das war aber mit der Zeit anstrengend. Um 18:00 ist man nicht immer so scharf aufs Proben. Aber seit heuer proben wir am Morgen und jetzt müssen wir auch nur einmal kurz vor einem Gig proben, das genügt. Wenn wir aber neues Material schreiben brauchen wir mindestens drei Stunden für ein ordentliches Rehearsal und dafür ist es im Proberaum am Abend besser. Aber generell bin ich am Morgen einfach frischer und entspannter.

Eugen: Was hast du eigentlich vor Pungent Stench gemacht?

Alex: Naja, ich arbeitete im Why Not und im Heavy Records Store bevor ich meinen eigenen Laden hatte. Ich machte die Schule fertig und hatte vor Pungent noch eine andere Band.

Eugen: Hast du in irgendeiner Form eine musikalische Ausbildung genossen?

Alex: Nein, ich war komplett Autodidakt. Auch begann ich relativ spät zu spielen, als ich schon circa 16 Jahre alt war. Eigentlich wollte ich früher anfangen, die ganzen Amerikaner und Skandinavier fangen alle früher an, speziell die Schweden. Wenn man in Schweden Musiker ist, wird man vom Schwedischen Staat gesponsert, die Musiker bekommen Mietzuschuss für den Proberaum, fürs Equipment und auch etwas Geld wenn es dann auf Tour geht. Hier in Österreich ist es eine Schande, dass man vom Staat  überhaupt keine Förderung erhält wenn man in einer Band spielen möchte.

Eugen: Was hältst du von den großen Re-Union Welle die es zur Zeit grade gibt?

Alex: Da muss man unterscheiden zwischen den Re-Unions die nur wegen dem Geld stattfinden und denen – wie z.B. bei uns – wo die Band nur eine Auszeit nehmen wollte. Man muss als Musiker geboren sein, und wenn man eine Band hat und man mag das Spielen und Touren, und die Band löst sich dann mal auf,.. naja, nach einiger Zeit muss man einfach wieder Musik machen und auf Tour gehen, weil das eben für einen Musiker ein sehr wichtiger Teil des Lebens ist. Ich denke nicht, dass Geld der Hauptgrund für die Re-Unions sind. Wobei aber Kiss wirklich armselig sind, und obwohl ich ein großer Kiss Fan bin hab ich mir die Re-Union Tour nicht angeschaut. Wenn man 2 Alkoholiker, die nicht mal mehr richtig spielen können, auf die Bühne stellt, nur um die Original Band wieder zu haben, dann ist das richtig Scheiße und reine Abzocke.  

Eugen: Was denkst du über Bands die nicht live spielen wollen, wie z.B. Abigor oder Summoning?

Alex: Ich denke dass Live Konzerte ein essentieller Bestandteil jeder Band oder jedes Musikerlebens sind. Jeder Musiker muss auf die Bühne und spielen. In der Vergangenheit spielten die Bands live und gingen dann irgendwann mal ins Studio, aber heutzutage ist das gerade andersrum weil die Studios viel billiger geworden sind. Früher spielte man erstmal 100  Shows bevor man überhaupt daran dachte in ein Studio zu gehen. 

Eugen: OK, ich denke das war's jetzt auch schon, die Zeit verfliegt. Vielen Dank dass ich dieses Interview machen durfte und ich wünsche euch viel Glück und Spaß auf den kommenden Touren!

Alex: Gern geschehen, Danke auch.

 

Anmerkung: Wir sind uns bewusst, dass das Interview jetzt 14 Jahre alt ist und wissen natürlich, dass einiges, was die Band betroffen hat, anders abgelaufen ist, finden es aber dennoch interessant und aussagekräftig genug, um es hier zu veröffentlichen. Vielleicht sieht man jetzt auch einiges in einem anderen Licht. Wir freuen uns jedenfalls alle sehr aufs neue Album und wünschen den Band-Mitgliedern Alex und Martin mit Smut Kingdom viel Erfolg  und weitere positive Entwicklungen!

 

 

Zurück