Interview

Dream Theater - Distance Over Time

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

Das neue Werk der New Yorker Pathos-Progger ist richtig griffig und gut geworden. Die Band hat sich für die Aufnahmen in ein Studio am Land eingemietet und dort ein paar Wochen gejammt, Songs geschrieben und aufgenommen.

Dieses Band-Gefühl hört man dem Album dann auch wirklich an, was aber auch an der generellen Abmischung liegt, die im übrigen für die Vinyl-Ausgabe extra angefertigt worden ist. Sehr räumlich und perfekt in Szene gesetzt spielen hier 4 Musiker im absoluten Einklang. Man meint förmlich, mitten im Proberaum zu stehen. Der Klang ist einfach großartig. Die Drums klingen äußerst druckvoll, haben aber nicht diesen künstlichen Beigeschmack moderner Power Metal-Produktionen. Die Band spielt direkt vor dem Hörer und man hört jedes Instrument perfekt raus. Hier haben Dream Theater sich doch an einige der neuen, sehr authentischen Prog 2.0-Bands orientiert, die endlich wieder die Band in den Vordergrund stellen, nicht 150 Spuren verweben.

 

Das Zusammenspiel ist natürlich einmal mehr virtuos. Beim besten Track Pale Blue Dot richtig abenteuerlich. Vielleicht hätten dem Album noch mehr von solch kantig-neuen Arrangements gut getan. Dieser Song klingt neu und nicht bloss nach Variation, vor deren Problematik selbst Dream Theater nicht befreit sind. Das Schlagzeug-Spiel von Mancini ist hier schlicht wahnwitzig.

 

Auffällig ist die Groove-Dynamik des Albums, die ziemlich oft an die 90er erinnert. Ich habe mir extra die letzten Alben quergehört und festgestelllt, dass Dream Theater diese  Rhythmen eigentlich sehr oft verwenden, nur kamen sie nie so kraftvoll und extrem lässig zur Geltung wie auf diesem Album. Meist werden diese verzettelten Rhythmen im Vers ausgebreitet und darüber bilden sich mehrheitlich melancholische Harmonien, ganz im Gegensatz übrigens zum letzten Album, wo die meisten Songs nicht melancholisch waren.

 

Dennoch greift Dream Theater auch des öfteren in jene Pathos-Kiste, die knapp an der Grenze zum richtigen Kitsch liegt. Hier wäre weniger manchmal wirklich mehr. Andrerseits ist das so typisch für Dream Theater und es passt ja, wenn Harmonien entwickelt werden, die arg an Bombast Rock der Spät-Siebziger erinnern. Das hat aber seinen Reiz und eingebettet in diesem komplexen Spiel ist das dann auch durchaus spannend.

 

Auf einmal kommt ein positiver Kitsch-Akkord, der James La Brie immer von seiner nettesten Seite zeigt  und glücklicherweise sofort wieder von melancholischen Akkorden aufgelöst wird. Man fragt sich dann schon, wer von der Band dafür zuständig ist. Arg, diese Männer und jazzelnden Top-Musiker mittleren Alters scheuen sich tatsächlich nicht vor süßlichstem Pathos.

 

Interessanterweise gibt es auf diesem Album, wenn gerade mal Refrains nicht dick aufgetragen sind, auch straighte, null durchkomponierte dahingeschluderte Rock-Refrains der klassischen Sorte, schön zu hören bei Paralyzed. Das wirkt dann sogar erfrischend und untersteicht den spontanen Anspruch, die Songs in knapp 3 Wochen geschrieben zu haben. Zusätzlich hat man einige Hardrock-Riff-Standards ausgepackt, die aber, wie vorhin erwähnt, echt cool rüberkommen. Beim Bonus-Track Viper King ist mir dieser Style dann doch zu platt, auch wenn hier der Refrain melodisch angelegt ist.

 

Übrigens ist Viper King auch auf der Vinyl-Ausgabe zu finden, die im übrigen mit beiliegender CD ausgestattet ist.

 

Das Album ist definitiv besser als die letzten 3 Alben und hat streckenweise sogar große Momente. Sound-technisch ist es vielleicht sogar das beste Dream Theater Album bisher.

 

Metalpresse-Wertung: 8/10 Punkte

 

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