Interview

Ein Abend mit Metallica und Kvelertak in Wien

Erstellt von Aamon | |   Story

31. März 2018 - Wiener Stadthalle - Im U-Bahn-Bereich Burggasse sind bereits auffällig viele Metal-Fans unterwegs. Von Jung bis alt. Von Hipster-Typen über als Rocker verkleidete Normalos, bis hin zu klassischen Old School-Thrash-Freaks, alles dabei an diesem Abend. Also ein sehr breit gemischtes, klassisches Mainstream-Publikum, das übrigens bei allen derartigen Veranstaltungen dieser Welt immer auch aus wirklichem Konzert-Publikum besteht, das auch in kleinere Hallen marschiert. Das muss auch einmal dazugesagt werden, weil das ständig in Abrede gestellt wird. 

 

Auffällig ist der große Anteil an internationalen Fans. Das könnte daran liegen, dass die Fan-Clubs nach Bekanntgabe der Termine gleich mal groß Tickets ordern. Vor knapp einem Jahr gingen die Tickets online und waren in Windeseile ausverkauft. Da sind natürlich die internationalen Die Hard-Fans als erste mit dabei. Konzert-Tourismus ist sowieso angesagter denn je.

 

Die personalisierten Tickets sind nicht ganz der Bringer. Man müsste das technisch anders handhaben. z.B. mit einer jederzeitigen Umwidmungs-Möglichkeit online. Andrerseits waren sehr wenige Schwarz-Markthändler unterwegs. Normalerweise sind bei ausverkauften Stadthallen-Konzerten viel mehr von diesen dubiosen Typen unterwegs. Die Stimmung vor der Stadthalle ist sehr gut, es dauert Stunden, bis alle Fans in der Halle sind. Die beste Form, sich das Anstellen zu ersparen ist nach wie vor draußen gemütlich Bier zu trinken und nette Leute aus allen Herren Ländern kennenzulernen, die extra wegen Metallica gereist sind.

 

Diesmal war mein Platz jener auf der Tribüne, überragende Sicht inklusive. Im Falle der Bühne im Box-Ring-Stil ist das nicht die schlechteste Idee. Dieser direkte Blick auf diese wunderschöne Bühne ist atemberaubend.   

 

Kvelertak aus dem norwegischen Stavanger, gegründet 2007 sind  momentan groß angesagt. Die Retro-Welle der letzten Jahre hat viele Bands nach oben gebracht.  Kvelertak agieren stilistisch eigentlich  ziemlich klassisch als Rock-Band. Klar haben sie Elemente, die von  Black Metal über Hardcore bis hin zu  Progressive Rock reichen, aber der Sound und die Arrangements sind sehr ursprünglich. Diese explosive Mischung entfaltet sich aber nicht wirklich in der großen Halle.  Womöglich ist dieser High Energy Rock einfach am besten in kleineren Clubs konsumierbar, wo die Schweißtropfen nur so durch die Gegend fliegen. Die Band hat aber alles gegeben und es gab mehr als  Achtungs-Applaus.  Aus Promo-Sicht war die Tour sowieso Gold wert. 

 

In der Stadthalle Wien wird man 2018 wie ein Tourist in der Luxus-Klasse behandelt. Überall steht Personal, dass die Türen öffnet,  Fragenden den Weg weist oder generelle Auskünfte gibt. Die Tickets sind sehr teuer, aber all dieser Service kostet natürlich viel Geld. Manchmal fragt man sich aber trotzdem: Ist das alles noch Rock‘n Roll?

 

Auch die Show von Metallica kostet sehr viel. Das meine ich jetzt nicht im Ansatz negativ.  Wenn Geld keine Rolle spielt, öffnet das auch neue Möglichkeiten für Designer aller Art. Stage-Designer werden nicht traurig sein, ein Angebot von Metallica zu bekommen. Sie können aus den Vollen schöpfen.

 

Diesmal war es natürlich in erster Linie wieder die quadratische Bühne in der Mitte der großen Halle, die mal grundsätzlich aufregend und ungewöhnlich rüberkommt, auch wenn es mittlerweile viele andere Bands gibt, die das auch machen. Sie bietet viele Vorteile und Möglichkeiten. Einiges ist aber auch anders. Der Frontmann der Band ist nicht mehr so wesentlich. James Hetfield ist quasi nur bei einem Viertel der Zeit der Frontmann für die jeweilige Seite.

 

Neben der Bühne ist der zweite große Special Effect die Quader-förmigen Led-Screens, die je nach Song das Flair komplett neu anpassen. Dafür hat man sich von der allseits beliebten Feuer-Show getrennt. Nur eine einzige Explosion um Lars Ulrich gab‘s am Ende der Show. Die war aber mehr als gelungen und außergewöhnlich cool.

 

Beim diesjährigen Eurovision Song Contest 2018 in Portugal hat man den Led-Screens den Garaus gemacht und setzt auf konservative Lichtshow.  Metallica zeigen sich aber innovativ und benutzen dieses Element auf neue Weise und erreichen damit wirklich viel. Vor allem gibt‘s komplett unterschiedliche Designs zu bewundern. Von Retro-Fernseher über Comic-Styles bis hin zur extrem coolen Straßenbeleuchtung im 50er Nightclub-Stil war alles dabei. Da wirkten die Särge bei der letzten Tour bei weitem nicht so aufregend. Die Show wirkte dennoch nicht künstlich  aufgeblasen, sondern betont lässig und cool und auf guten Stil bedacht.  

 

Der Jubel ist selbstverständlich groß, wenn das Ennio Morricone-Intro läuft und bleibt  auch auf hohem Niveau, wenn die beiden neuen Songs Hardwired und Atlas, Rise die Show eröffnen. Auch Seek & Destroy, Through The Never und Fade To Black werden selbstverständlich abgefeiert. Der einzige Teil der Show, der etwas träge war, kam am Ende des ersten Drittels. Now That We‘re Dead und Confusion sind nette Stampf-Rocker, aber nicht wirklich zündend, auch wenn bei ersterem Song eine lässige Tribal-Drum-Session inkludiert wurde, bei der alle Bandmitglieder auf mächtigen Trommeln eingedroschen haben. 

 

For Whom The Bell Tolls, einer meiner großen Song-Faves  war auch an diesem Abend ein Highlight und hat die Stimmung wieder auf 100 gebracht. Halo On Fire hat  gegroovt wie Sau, ehe danach der allabendliche Show-Gag kam: In jedem Land wurde ein Landes-typischer Song gespielt. In Wien war das Rock Me Amadeus, in Deutschland wurde bekanntlich Major Tom und Marmor, Stein und Eisen bricht gespielt. Das mag sich danach auf YouTube für einige Coolness-Wächter lächerlich anhören, aber live kam das überraschend cool rüber und diese nette Idee wurde auch vom Publikum positiv gewürdigt. Außerdem wurde James und Lars eine Zeit zum Verschnaufen gegönnt.

 

Interessant, dass Sad But True, einer meiner ewigen Skepsis-Songs diesmal echt gut rübergekommen ist. Mächtig und mit viel Druck! One kam diesmal ohne Feuer und Rauch auch anders, aber sehr gelungen rüber, dafür garniert mit den Bildern vieler Schlächter und Diktatoren. Master Of Puppets beschließt die reguläre Show und  das grandiose Spit Out The Bone eröffnet den  Zugabenblock.  Dieser neue Song des letzten Albums ist einer der allerbesten Band-Songs überhaupt und geht live voll ab. Man muss hoffen, dass die Band diesen Song im Live-Programm belässt. Das wird ein Klassiker.

 

Nothing Else Matters und Enter Sandman waren dann der wenig überraschende Abschluss. Lars Ulrich kam am Ende der Show zur Verabschiedung erst ein paar Minuten später nochmals auf die Bühne und hielt als letzter der Band seine Abschiedrede: Österreich war für Metallica immer ein sehr wichtiges Land. Lars erinnert sich ans erste Metallica-Konzert in Österreich zusammen mit Queensryche und AC/DC im Liebenauer-Stadion in Graz und verwies auf die Tatsache, dass Metallica eigentlich die Haus-und Hof-Band vom Nova Rock und all den Vorgänger-Festivals (Aerodrome) sind. Auch wenn es Floskeln sind, kommt es  doch sympathisch rüber. James Hetfield hat selbstverständlich auch an diesem Abend den großen Zusammenhalt der Metallica-Family beschworen, kam aber dennoch nicht so prägnant rüber wie bei einer klassischen Show, wo das Publikum vor der Bühne steht. Die 4 Seiten geben der ganzen Band andrerseits mehr Raum und Platz. Das ist definitiv eine völlig andere Erfahrung als bei einer herkömmlichen Show!

 

Thanx, Metallica!

 

Setlist: https://www.setlist.fm/setlist/metallica/2018/wiener-stadthalle-vienna-austria-2bef6032.html

 

https://www.facebook.com/Metallica/

 

 

 

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