Interview

Iron Maiden am Nova Rock 2018

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Das Nova Rock zeigt sich am Nachmittag des letzten Nova Rock-Jahres 2018 von einer sehr ruhigen Seite. Der letzte Festival-Tag ist natürlich immer etwas entspannter. Zusätzlich reisen viele nach Hause, aber andere kommen: Aus allen Herren Ländern reisen sie auch beim Nova Rock an, die Die Hard-Fans von Iron Maiden.

 

Das Wetter ist sehr angenehm, nicht zu heiß. Auffällig ist die Sauberkeit des Festivals. Überall stehen große Holz-Container für den Müll. Nur in einzelnen Bereichen liegt dieser überhaupt rum. Es sieht großteils fast wie geleckt aus. Nur wenige Menschen sind auf dem Gelände zu sehen, aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, auch wenn es an diesem Tag nie wirklich eng werden wird. Die großzügig angelegten Hauptwege sind fast menschenleer. Wenn man eine Standl-Tour  zwischen Camping und dem Mainstage-Bereich macht, ist man zumindest am frühen Nachmittag fast allein. Zudem ist der Bühnenbereich der Hauptbühne zusätzlich gesperrt, weil sie für Iron Maiden extra adaptiert wird. Auf dieser Stage starten die Shows erst ab 18.30. mit The Raven Age, der Legacy Of The Beast-Tour-Vorband von Iron Maiden.

 

Auf der roten Stage geht's natürlich viel früher los. Passenger, Billy Talent und Sunrise Avenue sind dort am Sonntag die Stars und die Stimmung ist während des gesamten Tages ausgelassen und gut.

 

Wir konzentrieren uns aber auf die Metal-Shows auf der Blue Stage. The Raven Age hatte ich zuletzt in der Arena Wien gesehen. Die Band des Sohnemanns von Steve Harris spielt melodischen, aber nicht klassischen  Metal mit leichten Core-Vibes. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich erwähnenswert.  

 

Killswitch Engage sind natürlich eine Klasse höher anzusiedeln, haben aber diesmal vor so vielen Maiden-Die Hard-Fans einen etwas schweren Stand. Ultrabrutal und ziemlich laut grooven sie durch eine relativ lange Setlist. Für mich als Nicht-Die Hard-Fan ist natürlich die Dio-Cover-Version Holy Diver am coolsten, aber selbstverständlich war diese Band immer Stil-prägend.

 

Man merkt danach, wie die Spannung wächst. Iron Maiden sind einfach beispiellos. Die Briten erleben hoffentlich nicht ihren allerletzten Festival-Sommer, auch wenn Nico Mc Brain bei dieser Tour 66,6 Jahre alt geworden ist und Maiden sich immer gegen zukünftige Line Up-Wechsel aufgrund von natürlichen Alterungsprozessen ausgesprochen hat.

 

Wenn man sich aber anschaut, wie fit diese Band 2018 musiziert, kann man sich sogar noch einen 70-jährigen Nico Mc Brain an den Drums vorstellen. Die Setlist dieser Tour ist grandios. Die Band spielt fast alle relevanten Classics, hat ein paar genial ausgewählte Songs aus der vermeintlichen zweiten Reihe dabei für die Die Hard-Fans und spielt mit Sign Of The Cross und The Clansman die 2 besten Songs der Blaze Bayley-Ära.

 

Diese Tour läuft unter dem Motto Legacy Of The Beast und dem gleichnamigen Video-Game.  Bühnen-technisch gibt's gegenüber der Book Of Souls-Tour eine nochmalige Aufrüstung.  Iron Maiden starten nach dem obligatorischen Doctor, Doctor (UFO)-Konzert-Intro  mit Ace's High von 1 auf 100 in den Set, der Jubel ist dementsprechend. Diesen Song-Einstieg gab es zum ersten Mal auf der Live After Death-Tour und er war bis heute jener mit dem größten Gänsehaut-Faktor. Gut, dass sie ihn wieder ausgepackt haben. Auch Show-technisch wird gleich zu Beginn ein Highlight gefahren. Bruce hat dafür eines seiner alten Flugzeuge von der Royal Air Force ausgeliehen und singt den Song im Vintage-Flieger-Style. Würde übrigens bei jedem anderen Sänger lächerlich ausschauen. Das rhythmisch extrem komplexe Groove-Monster Where Eagles Dare von Piece Of Mind ist ein ziemlich mutiger zweiter Song, ehe es simpler wird. 2 Minutes To Midnight lässt den Rock'n Roll-Pegel danach nochmals nach oben gehen. Die Band spielt diesen Klassiker sehr druckvoll.

 

Da generell der Sound auf dieser Nova Rock-Stage gewaltig ist, kommt Iron Maiden so massiv rüber, wie lange nicht mehr. Die erste, sehr bewegende Freiheits-Ansprache von Bruce Dickinson leitet The Clansman ein. Dieses Emo-Szenario ergibt bereits jetzt einen Show-Höhepunkt. Ich sehe um mich herum viele junge Fans, auch viele Frauen, die heute Iron Maiden zum ersten Mal sehen. Sie   alle erleben eine Band, die eine  wirklich gute Message verbreitet, echte Werte vertritt, dabei viel Theater-Donner verbreitet und einen  Bruce Dickinson an der Front stehen hat, der wie auf einer Schauspiel-Bühne agiert. Bruce Dickinson singt phänomenal, vor allem die akustischen Parts, ist extrem ausdrucksstark und wechselt ständig seine Kleidung. Kein Wunder, dass die Münder offenstehen.

 

Iron Maiden stehen mit einer derartigen Performance nicht im Widerspruch zum Zeitgeist. Ihre zeitlosen, sehr aussage-kräftigen Texte sind zu allen Zeiten wichtig und anspruchsvolle Unterhaltung und ein derartig intensiver Bruce Dickinson kommt einfach immer gut an, so auch diesmal und selbstverständlich bei allen Generationen auf dem Nova Rock.

The Trooper bietet einen wirklich lässigen, sehr  selbst-ironischen Schwertkampf mit Grusel-Eddie und Bruce Dickinson agiert dabei im besten Over-Acting-Modus. Danach zeigt Revelations als bewegend inszenierte Prog-Ballade, dass Iron Maiden eigentlich weit davon entfernt sind, eine Gassenhauer-Band zu sein, die ihre Hits runternudelt. Hier sieht und hört man höchste Musikalität. Es sind Songs wie dieser, den die Die Hard-Fans lieben. For The Greater  Good Of God zeigt zusätzlich, dass Iron Maiden gerade ab 2000 immer mehr zur Prog-Band geworden sind.  Der Song ist auf dem 2006 erschienen Album A Matter Of Life And Death eines der Highlights. Ein Hochgenuss, auf dieser tollen Bühne bei derartig fettem Sound diesen Song zu hören, den nicht jeder auf dem Visier hatte.

 

Auv visueller Ebene ist der Kirchen-Style bei einigen Songs dieser Tour wirklich grandios umgesetzt. Die Luster brennen, der Effekt  ist richtig feierlich. Das sehr lange Sign Of The Cross mit seinem langwierigen Aufbau ist ein zweiter ganz großer Höhepunkt und zeigt das Selbstverständnis dieser Band sehr gut, Stimmungen aufbauen zu wollen. Erstaunlich, dass die beiden Blaze Bayley-Songs einige der ganz großen Maiden-Songs bei dieser Tour fast in den Schatten stellen.

 

Flight Of Icarus habe ich auch schon ewig nicht mehr live gehört. Sehr frisch und rockig kommt der Song rüber. Danach geht es aber  Schlag auf Schlag. Fear Of The Dark, The Number Of The Beast, Iron Maiden, The Evil That Man Do und auch das kurzzeitig aus rechtlichen Gründen (Es gab einen Songrechte-Streit mit einer anderen Band aus den 1970ern, den Maiden gewonnen haben) nicht gespielte Hallowed Be Thy Name  zeigen die Band in Bestform. 

 

Da der Sound so klar ist, hört man aus  vor allem in den Solo-Teilen jede Menge Gefühl statt Lärm. Einem Dave Murray zuzuhören ist eine Wohltat. Auch wenn er jener Musiker mit dem engsten Bewegungsrahmen ist, sind seine Soli atemberaubend schön und virtuos gespielt. 

 

Run to The Hills beendet die Show unter tosendem Applaus. Ich bin mir leider nicht sicher, ob Iron Maiden angesichts dieser Setlist diese Show überhaupt jemals  toppen können bei einer ihrer zukünftigen Abschieds-Touren, die hoffentlich kommen mögen!

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