Interview

Iron Maiden - The Book Of Souls: Live Chapter

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass mir bei den Klassiker-Bands oft die Live-Versionen der Songs am meisten gefallen. Die Studio-Song-Variante lehne ich manchmal sogar kategorisch ab. Es ist oft einfach mehr Leben in den Songs. Die Live-Version wirkt manchmal, nicht immer, enthusiastischer. Früher gab's auch einige ganz große Live-Alben, Meisterwerke, unvergessliche Klassiker. Iron Maiden hatten auch ein solches Album. Life After Death ist das große Maiden-Live-Album. Jene in den 90ern waren ja teilweise kläglich, was den Klang betrifft, auch war die Band nicht gerade auf der Höhe ihrer Kunst in diesen Phasen. Ich gehe jetzt nicht genauer drauf ein, aber man kann da einiges nachlesen in den Band-Histories. Ab 2000 haben dann die Live-DVDs Einzug gehalten, leider war bei denen nicht immer das Album mit dabei und jetzt bringt man ganz offiziell ein Live-Album ohne DVD. Der Konzertfilm zum Album hat man an einem Wochenende über YouTube gestreamt. Leider habe ich ihn versäumt. 

 

Nach ein paar Wochen Hörzeit muss ich sagen, dass mir diese 2017er-Versionen von grenzgenialen Klassikern wie Wrahtchild, Powerslave und Children Of The Damned äußerst gut gefallen. Ich möchte sie gar nicht mehr missen. Auch das Klangbild dieses Albums ist seit sehr langer Zeit das beste bei Iron Maiden. Das Live-Album hat Kraft, die Gitarren knallen richtig und auch der Bass ist fetter da als auf den letzten Studiowerken. Die Emotionen sind gut eingefangen. 

 

Selbstverständlich kann man bemängeln, dass hier nicht ein einziges Konzert aufgezeichnet wurde und womöglich geht auch einiges verloren in der Dramaturgie, weil Ansagen von Bruce fehlen und ständig ausgefadet wird, andrerseits wollte Steve Harris, der sich das sicher ausgedacht hat, einfach die allerbesten Momente der gesamten Tour eingefangen wissen. Rein musikalisch wird er wohl recht haben. Die jeweils emotionalste Live-Darbietung wird verwendet. Als Fan kann man naturgemäß nicht genau nachvollziehen, ob er recht hatte, aber es ist egal, Steve Harris ist und war ein sturer Hund.

 

Die Song-Zusammenstellung ist auch cool. Ich mag dieses reine Abfeiern von Klassikern ja gar nicht. Gerade Iron Maiden hat ab Brave New World unglaublich geniale Songs veröffentlicht, die teilweise besser sind, als das alte Klassiker-Material und man freut sich, dass Iron Maiden sich als Band präsentiert, die einfach mal das letzte Album promotet. Damals wars das Powerslave-Album. 6 Songs vom letzten Album zu bringen ist einfach cool und es zeigt, dass das Album nicht umsonst so erfolgreich war.

 

Interessant ist es ja, wenn man die Songs so im direkten Vergleich hat. Mit ähnlichem Live-Sound zur gleichen Zeit gespielt. Ich frage mich da immer: Wären auch die neuen Songs solche Klassiker geworden? 

 

Die Frage ist schwierig zu beantworten. Man müsste da wirklich immer die herausragendsten Songs vergleichen, weil es ja sowieso immer auch ein paar mäßigere Songs gegeben hat, heute und damals. Sicher, Death Or Glory ist nicht so cool wie Powerslave, aber bei anderen Song-Vergleichen kann man sich da nicht mehr so sicher sein. Es mag junge Fans geben, die das nicht durch die emotionale Rückblend-Brille sehen und die neuen Songs sogar präferieren. 

 

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Bruce bei If Eternity Shoud Fail etwas zu stark nach oben presst. Somit ist der Song nicht der allerklügste Einstieg, aber bis auf dieses kleine Dilemma ist die Song-Reihenfolge auch witzig. Leider hat man aus rechtlichen Gründen (da gibt's irgendeinen völlig sinnlosen Urheberstreit) Hallowed Be Thy Name, meinen Lieblings-Song der Briten nicht aufs Album gepresst. Übrig bleiben trotzdem 15 Songs bei 100 Minuten. Was mich dabei etwas nervt, dass man Vinyl-technisch eine 3-Fach-variante wieder gebastelt hat. Ja,womöglich ist der Klang wirklich um Längen besser, aber mich nervt das ständige Umlegen nach 2 Songs. Da hätte ich es sogar in Kauf genommen, dass man einen Song einspart, damit ein klassisches Doppel-Album möglich ist. Womöglich sehe das aber nur ich so, soll auch keine große Rolle spielen. Allen Streamern und CD-Käufern ist das sowieso ziemlich egal.

 

Das Album ist selbstverständlich ein Muss für Maiden-Fans, aber auch für die Non-Die-Hard-Fraktion absolut empfehlenswert. Die Power ist groß. Sogar Powerslave hat man nochmals richtig intensiv hingekriegt. Einige Songs haben in dieser Spätphase der Band sogar noch mehr Flair. Nicht nur die Jungen musizieren gut, auch die älteren Musiker tun das durchaus. Jeder Jazz-und Klassik-Fan wird das locker unterschreiben und es gilt natürlich auch für jüngere Hochkulturen wie Heavy Metal!

 

Metalpresse-Bewertung: 9,5/10 Punkte (Hallowed Be Thy Name fehlt einfach)

 

VÖ Europa: 17. November 2017

 

www.ironmaiden.com

 

 

 

 

 

 

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