Interview

Judas Priest - Firepower

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Judas Priest - Spectre (Official Video)

Judas Priest veröffentlichen womöglich das letzte Album ihrer, so großen Karriere. Sie wollten noch mal so richtig aufzeigen und ein spektakuläres Metal-Album mit allen Klischees veröffentlichen. Soundtechnisch ist das Album auch wirklich groß geworden. Fette Gitarren und viel Druck von den Drums, die aber etwas zu sehr in den Vordergrund gemischt sind. Aber das ist ein generelles Problem 2018.

 

Da das letzte Album Redeemer Of Souls soundtechnisch sehr kläglich geraten ist, ist dieser etwas zu gewaltige Sound des neuen Albums aber zu verschmerzen. Das tolle Live-Album Battle Cry von 2016 hat übrigens gezeigt, wie modern, aber dennoch ausgewogen ein klassischer Metal-Sound klingen kann. Schade, dass Judas Priest diesen Live-Sound nicht als Vorbild hergenommen haben, sondern etwas zu sehr an der Loudness-Schraube nach oben gedreht haben.

 

Der Klang ist aber nicht das große Problem des neuen Judas Priest-Albums, das Problem sind die Songs selbst.  Interessanterweise ist Redeemer Of Souls rein Song-technisch etwas stärker als Firepower. Diese Erkenntnis wird aber völlig untergehen, da Redeemer leider wirklich unterirdisch klingt und dadurch selbst für große Priest-Fans schwer hörbar ist.

 

DIE SONGS IN DER EINZELKRITIK:

 

Firepower ist ein schneller Album-Starter-Song im Painkiller-Stil. Der mit Double Bass unterlegte Refrain ist aber nicht wirklich emotional. Typischer Priest-Knaller.

 

Lightning Strike ist ein starker Track. Schöne Harmonien und viel Kraft zeichnen den Song aus. Der Vers, die Bridge und der Refrain sind gelungen, der Mittelteil ist spitze. Das kurze, auf fast jedem Priest-Album strapzierte Twin Guitar-Melody-Lead ist diesmal also hier verewigt und wie immer nett, war aber auf dem letzten Album in seiner dortigen Machart ein Gänsehaut-Höhepunkt.

 

Evil Never Dies ist ein klassischer Midtempo-Metal-Song. Trotz viel Power gibt der Track nichts her. Der  kraftvoll inszenierte Refrain ist äußerst schwach und komplett ohne harmonischem Ausdruck.

 

Never The Heroes ist ein  melancholischer, relativ langsamer Hair Metal-Song mit starkem Refrain. Das ist einer dieser typischen Refrains, der durch einen leicht melancholischen Abgang im zweiten Widerholungs-Teil   Wirkung erzielt. Exakt auf gleiche Weise hat übrigens Turbo Lover funktioniert. Wenn der Refrain aber mal im Ohr ist, geht er nicht mehr raus. Gefällt sehr gut und hat Langzeitwirkung.

 

Necromancer ist ein flotter Metal Rocker mit gutem Riffing, der aber auch im Refrain ziemlich schwächelt.  Da ist harmonisch einfach zu wenig Tiefgang dabei.  

 

Children Of The Sun startet sehr träg mit einem grässlichen Blues-Riff. Der Vers eignet sich bestenfalls zum Beischlaf und der Refrain ist leider wieder viel zu platt. Aber der akustische Mittelteil ist großartig. Auf einmal ist sie da, die Melancholie und die Erhabenheit, die man sich eigentlich von Priest erwartert. Auch die Soli-Parts sind sehr gelungen.

 

Aber wieso beim Refrain aufgehört wird, das Ding durchzukomponieren und alles viel zu oberflächlich bleibt, ist mir ein Rätsel. Wir sprechen ja hier von einer der größten Metal-Bands, die den Hörer überraschen und überwältigen soll.

 

Guardians ist ein unspektakuläres Klavier-Intro für Rising From Ruins, das getragen startet. Der Song nervt melodisch zwar nicht,   ist aber doch durchschnittlich im Ausdruck. Wirkliche Größe wird angestrebt, aber nicht erreicht. Wieder ist der Mittelteil extrem cool.  Auch die Solo-Passage ist von einer schönen Harmonik unterlegt. Der Song bleibt trotzdem durchschnittlich.

 

Flame Thrower startet mit einem coolen, lockeren Old School Metal Riffing. Interessanterweise ist der Song trotz seiner Easy Listening-Attitüde harmonisch einer der stärkeren Songs des Albums. Das ist ein richtiger Party-Song, Zielgruppe: Hair Metal-Fans.

 

Spectre ist  ein sehr träger, etwas langatmiger Rocker. Im Prinzip sind solche Songs ja die Füllsongs auf allen klassischen Metal-Alben. Selten sind sie wirklich gelungen.  Wieder hat der Mittelteil und der Solo-Part die beste Harmonisierung. Leider geht das Lied am Ende wieder über in diese träg-durchschnittliche Tristesse.

 

Traitors Gate ist ein kraftvoller Metal-Song, der  gelungen ist.  Wieder ist der Mittelteil und der Solo-Part des Songs das Highlight. Hier findet wieder eine richtig schöne Harmonisierung statt. Der Song ist rhythmisch gut hörbar und Halford singt natürlich grandios.

 

No Surrender ist ganz schlimm geraten. ein Happy-Song der Sonderklasse, ganz schrecklich. Jeder Song vom viel geschundenen Nostradamus-Album ist um Klassen besser als dieser Nudel-Song. Wieder gibt's eine nette Harmonisierung im Solo-Teil, der der Höhepunkt des Songs ist.  

 

Lone Wolf startet mit einem grauenvollen Blues-Riff.  Diese Art Metal-Songs zu schreiben, erinnert an Zakk Wilde.  Der Song ist von vorne bis hinten ausdruckslos. Dieser üble Song kommt dennoch mächtig aufgekratzt und fett aus den Boxen und wird daher ankommen bei Leuten, denen diese Art amerikanischer Metal-Mucke gefällt. 

 

Sea Of Red ist der Abschluss des Albums. Ob es ein krönender Abschluss ist, ist auch nach mehrmaligen Hören schwer zu sagen.  Der Song startet mit Akustik-Gitarre. Halford singt fantastisch und wieder sehr ausdrucksstark. Ab der Mitte wird der Song kurz richtig genial und hymnisch. Am Ende ist der Grund-Refrain aber doch nicht wirklich überragend. 

 

Metalpresse-Wertung: 6/10 Punkte

 

VÖ: 8. 3. 2018

 

https://www.facebook.com/OfficialJudasPriest/

http://judaspriest.com/

 

 

 

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