Interview

Metal-Merchandise - Qualität, Vielfalt oder überteuerte Fetzen?

Erstellt von Aamon | |   Metalpresse Blog

Jeder Metalfan, der gerne T-Shirts kauft, kennt das Problem: Man kauft in der Emotion nach einem überragenden Konzert Shirts und  ein paar Wochen später drauf wundert man sich, dass man sie kaum angezogen hat. Der Grund liegt meist nicht im Motiv, sondern daran, dass sie minderwertig verarbeitet sind und dementsprechend schlecht sitzen, zu groß oder zu klein sind.

 

Man hat dort auch meist keine Nerven oder Zeit im Gedränge, sich das Shirt genau anzuschauen. Bestimmte Marken haben bestimmte Größen und bestimmte Schnitte. Selbst von der gleichen Marke macht es einen haushohen Unterschied in der Passform, welche Stoff-Qualität der Auftraggeber der Shirts ausgewählt hat. Für den Konsumenten ist es schwierig, das auf die Schnelle zu erkennen.

 

1. Problem: Größenproblem aufgrund mangelnder Markenvielfalt

 

Gerade im Metal-Bereich scheinen 80% aller Shirts von Fruit Of The Loom oder Gildan zu sein. Gerade bei diesen beiden Marken gibt's oft Probleme mit den Größenangaben. Ein Gildan-Shirt in der klassischen Ausführung  ist in der Größe M viel kleiner geschnitten als die Medium-Variante von Fruit Of The Loom. Wenn man jetzt aber zum Large-Modell des Gildan-Shirts greift, ist das deutlich größer als das Large-Modell von Fruit Of The Loom. Der Sprung ist erstaunlicherweise wirklich gewaltig. Interessanterweise gibt es aber Gildan-Shirts in höherer Qualität, wo das Large-Modell nicht viel größer geschnitten ist wie da von Fruit Of The Loom. Im Shop probiert man an, bei Konzerten ist man leider den  Größenangaben der Hersteller ausgeliefert. Bei anderen Merch-Marken habe ich diese Unterschiede in dieser Form noch nicht festgestellt. Meist passt das Shirt in der bestimmten Größe perfekt. 

 

Am Ende entscheidet auch die Passform, ob man das Shirt gerne trägt.  

 

Diese wird aber auch durch die Stoff-Qualität selbst verbessert oder verschlechtert. Da Massen-Shirts über eine Zylinder-Form produziert werden, erhält man quasi einen nach unten offenen Sack. Bei mäßiger Stoff-Qualität driftet das Shirt unten auseinander und dem unförmigen Kartoffelsack steht nichts mehr im Weg.

 

Qualitäts-T-Shirts haben seitlich oft eine Naht, was den Effekt hat, dass das Shirt eine gute Passform hat. Viele Gildan-Shirts und auch viele von Fruit Of The Loom-Shirts sind sogar vor dem ersten Waschgang bereits als Kegel-Sack zu bezeichnen. Vor allem, wenn die Auftraggeber bestimmte Stoff-Qualitäten wählen.

 

2. Problem: Die Qualität

 

Gerade Fruit Of The Loom-Shirts haben oft eine äußerst unangenehme, rauhe Oberfläche, interessanterweise  auch bei den dickeren Stoffen. Bei einem im letzten Jahr gekauften Shirt von Amon Amarth war der Stoff  so rauh, dass ich es wegen unangenehmen Trage-Gefühls bis heute kaum angezogen habe. Vor allem im Sommer, wenn man schwitzt, merkt man dieses unangenehme Tragegefühl. Dass es auch anders geht, endeckte ich vor 2 Jahren, als ich ein originales High Quality-Shirt von Marduk erstanden hatte mit dem Ergebnis einer äußerst  angenehmen Oberfläche, einem guten, nicht zu dünnen Stoff und das Shirt ist außerordentlich angenehm zu tragen, dazu habe ich kein Sack-Phänomen endeckt.

 

Mögliche Lösungen:

 

Mehr Mut! Eines kann man glücklicherweise trotzdem festhalten: Es tut sich was, leider aber nur in einigen anspruchsvolleren Rock-und Metal-Genres. Vielfach gibt es bei einigen  angesagten Bands bereits mehr Auswahl an Marken, Schnitten und Farben.  

 

Wenn man sich Kataloge durchblättert von Herstellern, die mit den Druck-Studios kooperieren, sieht man, dass auch dort bereits viele Möglichkeiten vorhanden sind. Ich frage mich, wieso viele Bands und auch deren Merch-Beauftragte sich ständig nur für die exakt gleichen Firmen und Designs entscheiden. Nicht nur, dass der Anspruch der Fans immer größer wird, auch was Ethik und Qualität betrifft.

 

Viele Hersteller bieten  Shirts an, die eine höhere Qualität garantieren, was ethische Standards betrifft. Hier geht es um die Qualität des Stoffes, der Chemikalien, aber auch um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken.  Gerade Rock-Bands, die ein politisches Statement immer auch mitabgeben, auch wenn sie es nicht zugeben, passen hier perfekt als Impulsgeber. Völlig irrational, dass das Thema den meisten Bands völlig egal zu sein scheint.

 

Ich gebe hier jetzt gerne 2 positive Beispiele bekannt: Hexvessel und Testament haben mir im letzten Jahr 2 Shirts verkauft, die all diesen Anforderungen genügen. Bei beiden Bands war übrigens dieser Background ausgewiesen worden. Bei Testament am Shirt selbst, bei Hexvessel gab es sogar ein Erklärungs-Schild seitens der Band.

 

Der Zeitgeist spricht doch dafür, dass hier mehr Mut belohnt werden könnte. Als Statement selbst im Selbstverständnis einer Band sollte das sowieso nur positiv zu bewerten sein. Es kann auch durchaus sein, dass gerade ein Rock-Kultur-affines Publikum hier viel Verständnis hat und ein höheres finazielles Engagement keinen Nachteil hätte.

 

Gerade Bands, die finanziell aus den Vollen schöpfen, könnten hier so viel Vorbildwirkung entfalten.  Deshalb habe ich mir dieses Jahr die Tour-Shirts von Iron Maiden genauer angeschaut mit dem Ergebnis: Leider keine Auswahl, die üblichen Fruit Of The Loom-Shirts. Zumindest waren sie von höchster Qualität, was man sich aber bei 35 Euro auch erwarten kann.

 

Die Bewertung dabei ist natürlich nicht ganz einfach: Die Musiker selbst haben mit diesen Entscheidungen meist nichts zu tun, dennoch würde ein Machtwort von Bruce Dickinson genügen und Maiden wären die Vorreiter, was neue Ethik-und Qualitäts-Standards bei Merchandise anbelangt. Ich unterstelle ausdrücklich keine Gier. Vielfach hat hier womöglich einfach kein Nachdenk-Prozess stattgefunden. Viele Entscheidungsträger agieren einffach, wie überall anders auch, gestrig.

 

Auch beim Druck selbst kann man heute bereits viel variantenreicher und schneller reagieren oder mehr wagen, der moderne Digital-Druck macht es möglich.  Hier hat sich technologisch viel getan. Im Metal-Bereich wird de Digitaldruck noch länger nicht stattfinden, weil der Fan den Siebdruck gewohnt ist, der Vorteile hat, aber auch Nachteile. Vor allem auf der stoisch-trägen Produktionsebene, aber auch in den visuellen Möglichkeiten. Wobei Siebdruck vor allem im Live-Merch-Bereich zum Tragen kommt. Bei Lizenz-Shirts wird vielfach bereits auf Digitaldruck gesetzt.

 

Mir ist natürlich völlig bewusst, dass man es als junge und unbekannte Band kaum schafft, mehr finanzielle Vorschüsse in eine T-Shirt-Produktion zu stecken, aber ich denke trotzdem, dass man einigermaßen erstaunt wäre, was eigentlich alles ohne viel größeren Aufwand möglich wäre. Die Kunden bemerken ein Qualitätsbewusstsein schneller als man glaubt. Viele Fans wollen mit dem Kauf eines Shirts auch Bands unterstützen und sind deshalb auch gewillt, generell ein Signal zu setzen. 

 

Noch einen kleinen Abstecher zu Zipper-Hoodies: 

 

Es gibt immer wieder mal Bands, die ein Extra-Modell am Merchstand ausgestellt haben, das sehr teuer ist, super ausschaut und sich toll anfühlt und in kleinerer Auflage nur verfügbar ist. Ich würde mir  mehr solcher Angebote wünschen, auch wenn das nicht Ausnahme, sondern eigentlich Standard werden soll.  

 

Die am meisten derartigen Jacken sind einmal mehr von Fruit Of The Loom. Leider gleichen sie oft Säcken. Die Ärmel sind megabreit, dafür zu kurz, der Schnitt wäre perfekt für Kugelfische.  Einen solchen Sack hat Slayer vor 3 Jahren um 70 Euro verkauft. Bei EMP hat es letztes Jahr einen Slayer-Zipper gegeben, der großartig geschnitten war und sich perfekt angefüllt hat, um 45 Euro. Man würde staunen, was es hier eigentlich für eine lässige Auswahl bei den Roh-Kleidungs-Anbietern gibt:

 

Ich selbst habe vor ein paar Jahren für eine Band ein Shirt gemacht und war deshalb in die Kleidungs-Auswahl inkludiert. Wir hatten einige Varianten probiert und die Unterschiede in der Ausführung waren wirklich groß. Echt interessant, was es eigentlich für tolle Jacken gibt. Weshalb Fruit Of The Loom hier den Markt regiert, ist wirklich hinterfragenswert. An der Qualität kann es nicht liegen.

 

Vielleicht sollten die Käufer bei den Ständen viel mehr nachfragen, damit das auch mal bei den Herstellern und Bands ankommt. Geht im Metal-Bereich eigentlich alles langsamer, weil das ein äußerst konservativer Markt ist? Ich denke, das sollte nicht so sein, schließlich spielt gerade Rock und Metal-Merch eine Vorreiter-Rolle in diesem Business. Fragt man bei Band und Herstellern nach, bekommt man sofort folgende Antwort: Die Fans wollen das so. Die Fans wollen keine Experimente. Zu viel Auswahl sei zu teuer. Das würde sich nicht verkaufen. Die Preise wären viel zu hoch.

 

Wenn man die  bekannten Preis-Kalkulationen mitsamt ihren Spannen und Mit-Verdienern im Metal-Merchandise-Bereich hernimmt, erscheinen diese Beteuerungen doch fragwürdig zu sein. Die Shirt-Qualität selbst würde bei weitem nicht so viel ausmachen, wie hier erklärt wird. Das deckt sich übrigens exakt mit  den Erklärungen der globalen Kleidungs-Multis und ist immer zu hinterfragen. Ich denke, dass man die Kunden und Kundinnen wieder dümmer hinzustellen versucht als sie sind. Ich denke doch, dass Rockmusik-Hörer einigermaßen mündige Konsumenten sind, vor allem, wenn es um seine Lieblings-Musik geht.

 

Ein Tipp noch aus dem Nähkasterl:

 

Wenn man das Shirt umdreht, kann man sehr easy links und rechts vom Schulterbereich eine Linie mit Kreide nach unten zeichnen und das Shirt enger nähen mit dem Ergebnis, dass der Sitz ähnlich gut ist wie bei einem Premium-Shirt. Eine genaue Nähanleitung ist hier leider nicht inbegriffen.

Beim  Zipper funktioniert dieses Prozedere auch ganz gut: Hier kann man auch die Ärmeln nach dem gleichen Prinzip enger nähen. Das Ergebnis ist erstaunlich gut, braucht wenig Zeit und das Kleidungsstück sitzt perfekt!

 

Nachtrag: All jenen, denen Shirts und Zipper besagter Marken perfekt passen, sei gesagt: Das ist gut so und sicher ist auch nicht alles ganz unerträglich und einiges passt natürlich auch.

 

...auch wenn sich der Sack-Style im Metal hartnäckig hält und vielfach sogar als edel ausgewiesen wird, da er rücklings den Bierbauch in die Waage bringt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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