Interview

Orphaned Land - Unsung Prophets & Dead Messiahs

Erstellt von Andy B. | |   Album Reviews

Der Begriff progressiv bedeutet in seiner Wortherkunft eigentlich fortschrittlich und trifft somit eigentlich in der ursprünglichen Übersetzung nur auf eine begrenzte Anzahl von Bands im härteren Spektrum zu (z.B. Ayreon, The Devin Townsend Projekt, Faith no more...). Ebenso gering ist die Anzahl der international bekannten Heavy-Acts aus Israel (Betzefer, Salem, Winterhorde).

Orphaned Land darf man getrost zu beiden Listen hinzufügen. Die Band rund um Aushängeschild Kobi Farhi (Vocals und Growls) präsentiert uns mit Album Nummer sechs ihr Gesellenstück. Der grundlegende Stil, orientalische Folkmusik mit progressivem teils harschem Metal zu kombinieren und als Gesamtkunstwerk zu präsentieren, hat sich stetig weiterentwickelt. Schon der letzte Release All is one konnte gut punkten und bescherte der Band internationale Aufmerksamkeit, jedoch konnte nicht jeder Titel darauf voll mitreißen. Dieses Kunststück ist eben jetzt mit Unsung Prophets & Dead Messiahs gelungen, bei welchem die einzelnen Songs kontinuierlich zu einem großen Ganzen wachsen.

Allein der Opener The Cave mit seinen über 8 Minuten zeigt, wie man abwechslungsreiche Musik komponiert, die niemals langweilt. Der Einsatz von Chören und Klargesang hat bei Orphaned Land mit jedem Album zugenommen, mal weniger oder auch mal mehr wie beim Song We do not resist kommen aber auch die Extreme Metal Roots, in diesem Fall mit Amorphis-Schlagseite, zum Ausduck. Auf dem Track Only the dead have seen the end of war wird stilistisch absolut passend das Mikro an Death Metal Tausendsassa Tomas Lindberg (u.a. At the gates) weitergereicht.

Die Liste der Gastmusiker lässt sich noch fortführen: Steve Hackett (Ex-Genesis) veredelt das ebenfalls überlange, eher getragene Chains fall to gravity mit seinem Gitarrenspiel.

Spannend stellt sich auch die Zusammenarbeit mit Hansi Kürsch von Blind Guardian (deren Fans Orphaned Land aufgrund der orchestralen Songs übrigens unbedingt anchecken sollten) bei Like Orpheus dar, ein Besuch auf youtube zur Bilderschau wird zwingend empfohlen.

Hierbei zeigt sich auch die bei Orphaned Land immer wichtige textliche Komponente, die sich seit jeher mit den drei lokalen Religionen und deren Konflikten beschäftigt. Ja viele Fans der Band fordern gar den Friedensnobelpreis für die Bemühungen der Rockband um Frieden und Toleranz.

Orphaned Land könnten mit diesem Album, welches jeden Metalfan ohne Scheuklappen ansprechen sollte, zu internationalen Megastars à la Dream Theater oder Opeth werden. Da der doch intensive Oriental Folk-Anteil und die nicht abzusprechende Härte so manchen doch stutzig machen könnte, wird sich der unvermeidbare Aufstieg wohl doch in bescheideneren Regionen abspielen.

Bei mir ist die Band jedenfalls ganz oben angekommen - Oriental Metal at its best!

9/10

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