Interview

Slayer, what else?

Erstellt von Aamon | |   Special

Slayer haben eine der schönsten Karrieren überhaupt im Musikbusiness hingelegt. 37 Jahre lang zelebrieren sie ihre Version eines ultrabrutalen Thrash Metals, der viele Einflüsse von Hardcore, klassischen Metal, Death Metal und sogar Black Metal vereinigt. Angebiedert hat sich die Band nie, auch wenn es zu Zeiten von God Hates Us All (2001) und Diabolous in Musica 1998) durchaus einige Song-Ausfahrten in die damals enorm angesagten Bereiche des amerikanischen New Metals gab. Das kann man der Band sicher nicht als kalkulierte Aktion anlasten, eher wohl als musikalisch bedingte eigene Weiterentwicklung.



Man war nie Radio-Band und hat sich nie dem Mainstream verschrieben. Umso erstaunlicher, dass man am Ende der Karriere die Wiener Stadthalle füllen kann. Bisher war das höchste der Gefühle in Österreich das Füllen einer 4000er-Location, wie das Wiener Gasometer. Diesmal hat man knapp 15 000 Besucher dazu gebracht, in  die Wiener Stadthalle zu kommen. Nur ganz wenige Sitzplätze blieben unbesetzt. Auch wenn Lamb Of God, Obituary und Anthrax mit dabei waren, kann man davon ausgehen, dass Slayer die Massen gezogen haben. Es war natürlich auch konzipiert als letzte Show, zumindest als letzte Show der Hallen-Tour. Festival-Shows folgen noch 2019. Die allerletzte Show wird das Wacken Festival im August 2019 sein.



Interessant, welche Leute 2018 zu einem Slayer-Gig in die Wiener Stadthalle kommen. Viel Die Hard-Fans natürlich auch aus den umliegenden Ländern, aber wenn ein Konzert über 10 000 Zuschauer hat, dann weiß man, dass hier auch ein nicht unbeträchtlicher Teil aus klassischem Event-Publikum besteht. Außergewöhnlich viele hipe Familienväter im feschen Loden über dem alten Slayer-Shirt hat man gesehen. Am Ende wollte man doch noch mal dabei sein. Deshalb war vermutlich auch sehr viel weibliches Publikum anwesend, sehr viel mehr als je zuvor auf einem Slayer-Konzert.


Obituary
warfen sich sehr früh in die Schlacht. Um 17:45 war Showtime. Das Konzert-Empfinden in diesen großen Arenen ist immer sehr subjektiv zu betrachten. In keiner kleinen Konzerthalle ist es so wichtig, wo man steht. Obituary sind bekannt, dass sie jeden kleinen Club zermalmen. Das ist natürlich in der Stadthalle schwer. All die fetten Riffs finden grundsätzlich auch in der Stadthalle statt, nur kommen sie  bei jenem Publikum, das weiter hinten sitzt oder steht nicht mehr so heftig an. Vorne geht aber die Post ab. Obituary selbst können sowieso nicht schlecht sein und zumindest einen Vorteil haben diese simplen old schooligen Death Metal-Klassiker: Sie kommen klar und deutlich rüber.

 


Anthrax
spielten nur wenige Songs, dafür fast nur Klassiker. Die kamen cool rüber, aber  die Intensität von Frontmann Belladonna kann man weiter hinten nur erahnen. Die Show selbst war aber gelungen. Be All, And All war für viele Fans in der Stadthalle sicher ein eher unbekannter Song, kam aber am besten rüber. Der Kerl neben mir, der nur wegen Anthrax dort war und jeden Song mitgesungen hat, ist aber sowieso bei jedem Song ausgerastet. Er hat dieses Jahr 15 Anthrax-Gigs gesehen, hat er mir erzählt.



Lamb Of God spielen US-Brutal New Death Metal und sind somit für mich nicht sonderlich interessant. Es war halt ein Geballer, das etwas stressig rüberkam. Aber auch diese Band hat natürlich einen guten Gig abgezogen und vorne gab's etliche Moshpits.



Es war knapp vor 21 Uhr als die Stimmung richtig laut wurde. Die ersten Slayer-Rufe gab‘s auch bereits. Das Intro von Repentless  steigerte die Stimmung noch.

Wenn der Vorhang sinkt und die Lichtshow expodiert, ist es immer der magische Augenblick jeder Show.

Slayer steigen voll rein mit diesem großartigen Titelsong des letzten Albums, der schon jetzt ein Bandklassiker ist.



Slayer zeichnet 2 Dinge aus: Der typische Slayer-Groove, der viele Songs erdet, um sie dann wieder explodieren zu lassen und diese einzigartigen Killer-Riffs, die dieses extreme Steigerungs-Gefühl erzeugen. Sie haben ihren Ursprung nicht zuletzt in der Punk-Leidenschaft von Jeff Hanneman. Viele Bands versagen genau auf dieser Ebene. Schnelligkeit alleine ist zuwenig.



Slayer bringen gleich mal das eher unbekannte Blood Red, danach Mandatory Suicide und Hate Worldwide, um dann den ersten ganz großen Klassiker War Ensemble zu präsentieren, das unglaublich brutal rüberkommt, gerade was das Drumming von Paul Bostaph betrifft. Jihad, der schwächste Slayer-Song des Abends und When The Stillness Comes beendete den ruhigen Teil des Konzerts.

 

Ab diesem Zeitpunkt wurde bis zum Ende hin nur noch durchgebolzt, ohne Rücksicht auf Verluste. Postmortem und der beste Slayer-Song Black Magic sorgten für nachhaltigen Eindruck gerade beim nicht so Song-bewanderteten Teil des Publikums. Das unbekanntere Payback vom God Hates Us All-Album kam brutalst rüber, ein einziges Mal gab‘s noch kurz eine angezogene Handbremse in Form vom des düsteren Klassikers Seasons In the Abyss, ehe es nur noch Höhepunkte regnete. Der schnellste Track vom Divine Intervention-Album (1994) Dittohead kam keinen Deut weniger brutal rüber als damals bei der unvergesslichen Divine Intervention-Tour. Tolle Überraschung!

 

Dead Skin Mask und selbstverständlich Hell Awaits waren die ersten Show-Höhepunkte. Für Hell Awaits wurde fast die gesamte Bühne unter Feuer gesetzt. Zusammen mit einigen Feuersalven und dem brennenden Stahl-Pentagram sorgte das für ein wirklich infernalisches Bühnenbild. Feuer-technisch muss sich da sogar Rammstein warm anziehen.

 

Viele meinten, das wäre es gewesen, mehr geht ja nicht mehr, aber dann kams noch dicker: South Of Heaven, Raining Blood, Chemical Warfare und Angel Of Death. Diese ständige Steigerung, auch mit dieser unglaublich genialen Show, war  beeindruckend. Vorne war die Stimmung spitze, der Sound klar, aber ultrabrutal. Dieses Konzert stand den alten Touren um nichts nach, auch  wenn Tom Arya und Kerry King mittlerweile meist wie angewurzelt auf der Bühne stehen.



Die Show selbst wird von überall in der Halle beeindruckend gewesen sein. Die Intensität sicher nicht. Der Applaus am Ende war heftig, die Stimmung leicht wehmütig. Tom Arya stand nach dem letzten Song 5 Minuten auf der Bühne und hat ohne Regung in die Fans geschaut, um sich dann sentimental zu verabschieden. „Ich werde euch vermissen“. Gut, das tat er bei jeder Show dieser Tour in der jweiligen Landessprache. Die Band war dennoch angetan von der großartigen Kulisse. Selbst Slayer spielen nicht oft vor so vielen Fans. Diese Show war die zweitbest besuchte Show der Tour!

 

Im Rahmen der alles abschließenden Festival-Tour 2019  sind SLAYER für das NOVA ROCK 2019 bestätigt! (der allerletzte Gig in Österreich!)

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