Interview

Solstice - White horse hill

Erstellt von Andy | |   Album Reviews

Eines gleich mal vorweg: Wer sich auch nur im Entferntesten zur "nicht länger als 4 Minuten-Aufmerksamkeits-Youtube-Generation" zählt, kann bereits hier aufhören zu lesen und zum nächsten Artikel weiterspringen.

Denn bei den Briten von Solstice ist die Musik noch als Inspirationsquelle und nicht in erster Linie als kurzweiliges Entertainment gedacht.

Nach dem Doom-Metal-Meilenstein New Dark Age 1998 wurde es länger still um das Quintett, erst anno 2018 kommen wir in den Genuss des nunmehr dritten Full-Lenght-Albums. Und das hat es in sich:

Das vorsichtige Intro III startet eine Reise durch die Epic-/Doom-/Folk-Welt Großbritanniens. Dabei sind sowohl (early) Manowar als auch die Viking-Phase Bathorys als deutliche Einflussquellen zu vernehmen, wie man an den richtig schön treibenden Riffs und mächtigen Gitarrenwänden des Openers To sol a thane hören kann, bevor Paul Kearns angenehmes und opernhaft expressives Organ einsetzt.

Fünf meist überlange Songs (ergänzt durch das oben genannte Intro sowie das folkige Kurzlied Beheld a man of straw inklusive Naturgeräuschen) nehmen den Hörer gefangen, auch wenn es sich um alles andere als Easy Listening handelt.

Akustische Folk-Passagen (For all days and for none ist ein ziemlich purer Folk-Song) wechseln sich mit wunderschönen "Paradise Lost"-igen Gitarrenlicks und deutlichen Epic Metal Anleihen ab und erzeugen ein eigenes Hörfeeling.

Trotz des stoischen Verharrens in niedrigen Temposphären können in Songs wie Under waves lie our dead großartige Spannungsbögen erzeugt werden.

Den Abschluss bildet mit Gallow Fen ein etwas kürzer geratener Song in der Schnittmenge aus Doom- und Epic-Metal.

Um noch einen Richtwert für alle zu geben, die Solstice bisher noch nicht kennen: Nicht umsonst geben die Helden von Atlantean Kodex die Band als einen der wichtigen Einflüsse an und eben dieses basische und ehrliche Feeling, welches wir auch von den Alben der Süddeutschen kennen, ist auch auf White horse hill zu spüren. Wunder in der Produktion darf man sich daher nicht erwarten.

Das Album zu ergattern ist derzeit nicht ganz so leicht, lohnt sich aber. Gefunden wurde es u.a. bei Invictus Productions. 

8,5 / 10 Punkte

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