Interview

Steven Wilson - Das musikalische Genie auf seiner Pop-Tour

Erstellt von Aamon | |   Story

Steven Wilson kommt regelmäßig ins Wiener Gasometer und regelmäßig sind das Konzerte, die überragend sind. Wer bei Steven Wilson als Musiker spielt, hat die größtmögliche musikalische Auszeichnung verliehen bekommen, deshalb ist es auch nicht ganz wesentlich, welches Album gerade promotet wird, die Konzerte sind immer gut, so auch diesmal im sehr gut gefüllten Gasometer.

 

Das letzte Steven Wilson-Album To The Bone war das Pop-Album und konnte nicht 100%ig überzeugen, zu glatt war es. An diesem Abend steht dieses Album dennoch im  Mittelpunkt und offenbart damit seine Stärken. 8 Songs stehen von diesem Album auf den Programm und wie immer gewinnen die Live-Versionen an Substanz. Was an den ausgezeichneten Musikern liegt, die hier auf der Bühne stehen (Wilson Nick Beggs - Bass, Adam Holzman  - Keyboards, Alex Hutchings -  Gitarre,   Craig Blundell - Drums)

 

Der erste Höhepunkt ist gleich beim zweiten Song Pariah, der über diese wirklich schöne Gesangslinie, gesungen von  Ninet Tayeb äußerst gut ins Ohr geht. Hier gibt's auch zum ersten Mal diesen wunderbaren Hologramm-Effekt zu sehen, der eigentlich nichts anderes ist als eine Projektion auf einen transparenten Gitter-Vorhang. Man gewinnt den Eindruck, die Sängerin würde livehaftig vor einem singen in monumentaler Größe. Dieser Effekt wird während der Show noch 4 weitere Mal eingesetzt, um die Songs visuell zu unterstützen und jedesmal kommen diese Video-Installationen großartig rüber, neben den eigentlichen Video-Einspielungen, die schon alleine wirken würden.

 

Home Invasion/Regret #9 vom Vorgänger-Album waren bereits auf dem Vorgänger-Album Hand. Cannot. Erase. Höhepunkte und kommen auch bei dieser Show gewaltig rüber. Diese schwelgerisch-eruptiven Gitarrensoli am Songende sind derartig intensiv gespielt, dass es den vielen Fans die reine Entzückung ins Gesicht treibt.

 

Die an die 3 Stunden dauernde Setlist, die 20 Songs umfasst und einmal für eine 15-minütige Pause unterbrochen wurde, ist geschickt konstruiert. Gleich darauf folgt der erste Porcupine Tree-Song, der sowieso abgefeiert wird und musikalisch alles rausholt. Begeisterung liegt also jetzt schon in der Luft. Sehr oft an diesem Abend erlebt man aber auch dieses Knistern in der Luft, diese Stille, weil sich die Fans ganz auf die Musik einlassen. Bewegung ist bei Prog-Fans verpönnt. Prog ist Kopfkino. 

 

Das Entscheidende Element an diesem Abend ist aber der Humor. Von dem hat Mr. Wilson, der noch immer aussieht, als käme er direkt vom Gymnasium auf die Bühne, mehr als genug.  Wilson verweist erstmal auf  die persönliche Bedeutung dieser Halle. Beim letzten Wien-Konzert hat Wilson knapp vor Konzertbeginn erfahren, dass sein großes Idol Prince gestorben ist, hat dem Musiker spontan auf der Bühne einen Song gewidmet, hat das Konzert aber nur mit tief empfundener Melancholie zu Ende spielen können. 

 

Der Running Gag des Konzertes ist aber Wilsons Hinweis auf einen in Deutschland kurz davor getätigten Kauf einer Smartwatch, die den Bewegungsradius protokolliert und damit auch feststellt, wie gut das Publikum denn drauf ist, weil bei viel Applaus sein Bewegungsradius einfach viel größer sei und man am Ende den Beweis direkt am Handgelenk ablesen könne. Viele Extra-Verrenkungen und Spaß-Hinweise sind die Folge. Wien war dann auch ganz klar siegreich gegenüber den sehr steifen Germanen, die Wilson als Brite im Stil eines Satirikers minutenlang verarschte. So redselig war der gute Steven Wilson bisher noch nie.

 

Die Mischung aus schwarzem britischen Humorr und die ernsthafte, oft verstörende musikalische Äußerung ergaben ein ganz eigenes Flair, zusätzlich zu den meist sehr ernsthaften Videos, die die Musik niemals stören, aber fast immer emporheben in der ohnehin schon großen Wirkung. 

 

Weitere Höhepunkte sind sicher der Porcupine Tree-Klassiker Lazarus, aber auch Detonation vom letzten Album kam ähnlich stark rüber.  Interessanterweise kam sogar der uktimative Easy Listening-Popsong vom neuen Album Permanating lässig rüber, aber auch nur deshalb, weil ihn Steven Wilson selbstironisch als ganz große Herausforderung für die Musikerpolizei ankündigte.

 

Absoluter Höhepunkt am Ende der Show war natürlich The Raven That Refused To Sing vom gleichbetitelten 2013er-Geniestreich. Hier kam auch dieser großartige, mittlerweile bekannte Videoclip zum Einsatz, der das ohnehin intensiv-melancholische Flair des Songs noch zu steigern vermochte. Das ist ein Show-Abschluss, der alles abverlangt. Eine Steven Wilson-Show ist eben kein Hollywood-Movie mit Happy End.

 

Die Setlist: https://www.setlist.fm/setlist/steven-wilson/2018/planettt-bank-austria-halle-gasometer-vienna-austria-23ee3cef.html

 

http://stevenwilsonhq.com/sw/

 

 

 

 

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