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Amorphis - Die offizielle Biographie von Markus Laakso

Erstellt von Aamon | |   Story

Von mittelständischen Metal-Bands gibt's eigentlich sehr wenig Biographien. An jene von Kreator erinnere ich mich gerne, aber sonst denkt man zuerst an die wirklich großen Namen.

Hier ging die Idee von Musik-Journalist Markus Laakso aus, der die Band seit Anfangstagen kennt und mehrmals interviewt hat. Markus Laakso hat gut recheriert und den Musikern sehr viele Anekdoten entlockt. Das eher fade Element bei Biographien sind oft die Kindheitserinnerungen, wo die Künstler meist geschwätzig sind und die sinngemäßen Erzählungen dann bestenfalls liebenswürdig, aber nicht wirklich der Rede wert. Erfreulicherweise hält Markus diese Teile sehr kurz, versucht hingegen, die wirklich interessanten Ereignisse deutlicher darzulegen, die  auch sehr schön aufzeigen, dass hier Vollblut-Musiker am Werk sind, die gar nicht anders konnten, als eine erfolgreiche Band zu gründen.

 

Wobei: So erfolgreich verlief die Karriere nicht. Man vergißt bei Amorphis doch leicht, dass es mit Tales Of The Thousand Lakes (1994) und Elegy (1996) eigentlich nur 2 erfolgreiche Alben waren, die die Band einen relativ großen Bekanntheitsgrad erreichen ließ. Danach ging es schon bergab. Man ist erst 10 Jahre später wieder auf die Erfolgsspur zurückgekommen, als man Vocalist Tomi Joutsen in die Band geholt hat. Man sieht an der Entwicklung auch, dass die beiden Gitarristen und Bandgründer Tomi Koivusaari und Esa Holopainen  stilistische Änderungen stets als musikalische Grundsätzlichkeit erachtet haben. Von Anfang an, als es bei Amorphis und den Vorgänger-Bands über Thrash Metal und Death Metal zu einer Variante eines folkloristisch inspirierten Metals kam, der dann sogar in den Art-Rock mündete, ehe man wieder auf die Tugenden des klassischen Metals zurückkam, wo man noch heute verweilt.

 

Die Erfolglosigkeit hatte aber leider zusätzliche Ursachen. Amorphis haben vor allem in den Anfangsjahren wirklich gut verkauft, vor allem das Merchandising ging bei Konzerten weg wie die warmen Semmeln. Leider haben Amorphis davon keinen Cent bekommen. Wie dieser unsägliche Vertrag mit Relapse zustandekam, der fast zur Bandauflösung geführt hat, erzählt die Band ausführlich. 

 

Man hat hier versucht, eine wirklich authentische Geschichte zu erzählen, die auch vor den Schattenseiten des Musikerlebens nicht halt macht. Wenn man die alten Alben beim Lesen wieder durchhört, ist man phasenweise wirklich berührt bei bestimmten Karriere-Sprüngen und Songs. Anfangs dachte ich an eine relativ biedere Biographie einer Band, die auf mich immer auch einen sehr braven Eindruck gemacht hat. Gut, dass dieser Eindruch nun widerlegt ist, nachdem ich doch über eine Band gelesen habe, die ziemlich Rock'n Roll war, auch wenn es die Musik selbst gar nicht so vermuten läßt

 

Ich stelle hier gleich mal den Wikipedia-Link rein. Man recherchiert unweigerlich selbst mit, wenn man dieses spannende Buch liest. Man versucht, die Lineups nachzuzeichnen gedanklich. Es gibt da doch einige sehr interessante Querverweise und zeitliche Abfolgen, die mir so nicht bewußt waren. https://de.wikipedia.org/wiki/Amorphis

 

Absolute Empfehlung, nicht nur für die Die Hard-Fans. Man wird beim Lesen dieser doch kompetent und äußerst kurzweilig geschriebenen Biographie vom normalen Amorphis-Fan zum großen Amorphis-Fan.

 

Verlag: Roter Drache http://www.roterdrache.org/cms/amorphis-die-offizielle-biografie/

Erscheinungsdatum: 04. März 2016

432 Seiten

ISBN: 3946425003

 

https://www.facebook.com/amorphiskirja/

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