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Sólstafir live in Wien: Kein Hype, echte Rockstars mit Attitüde!

Erstellt von Aamon | |   Fotos

Sólstafir haben diesen Sommer ihr Bestätigungs-Album Berdreyminn nach ihrem sensationellem Erfolg von Ótta veröffentlicht. Die beiden Alben sind sich ähnlich, aber die Isländer konnten doch noch eines drauflegen. Etwas härter, etwas direkter, etwas prägnanter ist das neue Album. Die wichtigste Frage lautet aber, ist die Band womöglich sogar ein Hype, ein kurzlebiger Hype? Dieser Abend gab ganz klar Auskunft.

 

Zuerst gab's aber 3 weitere Bands zu bestaunen. Die Engländer Nordic Giants agieren sehr düster, verbreiten viel Botschaft per Video-Installation und vgeben sich musikalisch betont melancholisch. Der Ambient Instrumental Rock des Duos wird von vielen Samples und Klavier-Klängen getragen, hat aber auch genügend rhythmischen Drive. Auffällig sind die allgegenwärtigen, sehr bedeutungsschwangeren Sprach-Samples. Die Videos sind weltklasse, die Musik ist äußerst intensiv und man hat hier selbstverständlich keinen einzigen fröhlichen Ton gehört, dennoch ist die Band nicht deprimierend. Wer Muse mag, wird womöglich auch an dieser Mucke gefallen finden. Der Hälfte der Anwesenden hat's äußerst gut gefallen, die anderen warteten draußen vor dem Saal.

 

Árstíðir gaben sich danach akustisch und minimalistisch. Die Isländer punkteten mit guten Vocals aller Bandmitglieder und selbstverständlich war das spielerisch auch gut und musikalisch sehr gefühlvoll dargeboten. Andrerseits fragt man sich doch: Würde diese Band wirklich so abgefeiert werden, käme sie aus Stinatz und nicht von dieser verklärten Insel? Nach 2-3 Songs wurde es eigentlich nicht mitreißender, sondern es wurde einschläfernder und irgendwie mag ich diesen vocalistisch-braven Chorgesang gar nicht.  Vielleicht sollte die Band einen Drumer andenken und dieses biedere Gsangl etwas zurückschrauben, aber andrerseits verlieren sie dann ihre vielen Kuschel-Alternative-Rock-Fans.

 

Myrkur aus Dänemark wurde in den letzten Jahren von Black Metal-Puristen mit selbstgemachten Videos in den Dreck gezogen. Sie würde dieses oder jenes Riff fladern. Gähn. Was eher problematisch ist, ist ihre etwas zu hohe Stimme bei einigen Passagen. Grundsätzlich passt die Musik aber ganz gut. Nach einem sehr sperrigen Einstieg und viel Folk-Gedöns gibt's am Ende sogar astreinen Black Metal und wenn die sehr ausdrucksstark agierende Dame die Gitarre nimmt und ins Mikro schreit, ist das einfach saugeil. Schade, dass es in diesem Genre fernab des Elfen-Unwesens so wenig musizierende Damen gab. Myrkur waren richtig cool.

 

Sólstafir waren vor 2 Jahren bei der  Ótta-Tour mit Streicher-Musikern unterwegs. Das war ein außergewöhnlich starker Gig  und die Band hat trotz zusätzlicher Streicher-Instrumentierung amtlich gerockt. Aber das war gar nichts gegen diesen Abend. So brutal habe ich die Band lange nicht gesehen. Vor einigen Jahren standen da in sich gekehrte Typen auf der Bühne, mittlerweile hat sich vor allem Sänger Aðalbjörn Tryggvason zum echten Rockstar gemausert. Ich mutmaße sogar, dass er den Erfolg ausmacht. Nur wenige Frontleute haben seine Ausstrahlung. Der Typ ist authentisch und wirkt nicht eine Sekunde künstlich.

 

Als gegen Ende der Show ein leerer Bierbecher von irgendeinem Schwachkopf auf die Bühne geworfen wurde, zeigte er meisterhaft, wie man mit solch einer Situation umgeht. Andere Bands haben da bekanntlich Gigs abgebrochen und man kann das nicht mal verübeln. Tryggvason wirkte sehr sauer und man hoffte bereits, dass es nicht zu einem Abbruch kommen möge, doch am Ende blieb er cool, musste sich enorm überwinden, beließ es aber bei Verbal-Attacken.Verbale Anklagen gab's aber auch an anderen Stellen genügend. Der Typ hat was zu sagen! Das erlebt man eh immer seltener. Womöglich ist es diese Mischung aus erhabener Musik, die sehr minimalistisch rüberkommt und den vocalistischen Wutausbrüchen.

 

Nicht nur die neuen Songs kamen härter rüber, sondern auch die Opener-Songs von  Ótta. Der Energie-Ausbruch am Ende der Show war sogar richtig gewaltig. Hype-Alarm abgewunken!

 

Live:  Nordic Giants, Árstíðir, Myrkur, Sólstafir

Publikums-Interesse: Fast volle Arena Wien

  

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