Album Kritik

Opeth - Er erzählt von Hippster-Pubs und rockt wie immer in gnadenloser Schönheit

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Das letzte Album von Opeth war gut, aber nicht wegweisend. Mikael Åkerfeldt hat mit Sorceress das dritte Vintage-Album eingespielt und sich dabei auf einen sehr legeren Stil geeinigt. der sich durch angenehme Hörbarkeit auszeichnet, aber wenig wirklich Kurioses oder Unerwartetes bietet. 2 Songs haben es ins neue Tourprogramm geschafft. Sorceress und The Wild Flowers gewinnen  in der Live-Version, weil die Band live einfach eine völlig eigene Liga ist, so auch diesmal wieder in der Wiener Arena zu sehen und hören.

Die Arena ist voll, aber nicht ganz. Bei der letzten Tour war das Opeth-Konzert ausverkauft. Doch kein Grund zur Sorge, es ist eigentlich eher erstaunlich wie viele Fans diese Band überhaupt hat. Das liegt zum einen an der großartigen Musikalität, die trotz sperriger Songs einerseits äußerst entspannt wirkt, andrerseits exakt und druckvoll rüberkommt und natürlich an den Songs, die trotz aller Sperrigkeit viel wunderschöne Parts beinhalten. Positiverweise sind auch viele weibliche Zuschauer im Publikum, was  zeigt, dass Progmusik nicht nur von männlichen Nerds gehört wird.


Selbstverständlich spielt  Bandboss Mikael selbst als lässig entspannter Typ eine große Rolle. Er trägt Schnauzbart und erzählt mit sonorer Stimme Geschichten übers Musikerdasein. Das kommt natürlich an.  Diesmal erzählt Mikael gewohnt selbstironisch über den wunderbaren Abend in einem Wiener Hippster-Club, wo die Band den Vorabend verbracht hat.

Opeth-Gigs laufen  immer ähnlich ab. Zuerst spielt sich die Songs mit neuen Songs warm, um am Ende warmgespielt diese langen ausufernden Klassiker zhu zelebrieren. Die Versionen von Heir Apparent und Deliverance waren grandios. In diesen Momenten des Konzerts wünscht man sich, die Band möge ewig so weiterspielen. Herausragend wie immer der hochmusikalische Ruhepol der Band Martin Mendez am Bass und natürlich Fredrik Åkesson an der Gitarre, der extrem viel Gefühl ins Spiel legt, egal, ob er gerade melancholische Parts trägt oder soliert. Das muss auch mal gesagt werden. Opeth sind als gesamte  Band genial.

Auch Sahg, die Band aus Norwegen, die eigentlich, wenn man es gestrig formulieren will,  leicht bluesigen bis melancholischen Hard Rock spielt und eine der Vorreiter-Bands der Retro-Welle war und ist, kommt hier bestens an und erspielt sich nicht wenige neue Fans. Die Band klingt kräftiger als je zuvor und der extrem ausdrucksstark gespielte Rausschmeißer Blood Of Oceans des neuen Albums Memento Mori war im Feeling schlicht sensationell.  Aber auch der Pink Floyd-mäßige Einstieg Black Unicorn war richtig cool. Zweiter Höhepunkt im leider kurzen Set war das großartige Firechild vom 2013-Vorgänger Delusions Of Grandeur, der auch beim letzten Gig der Band in der Wiener Arena gespielt wurde. Im Prinzip war aber jeder Song richtig gut. Die Band ist ein Roh-Diamand und wäre reif für den Durchbruch. Die Band hat mehrheitlich sehr gute Songs und agiert stilistisch im coolen, durchaus trendigen Bereich und kann große Teile von Rockmusik-hörenden Menschen erreichen.

Perfekter Konzert-Abend, 2 tolle Bands, viel gute Musik, das reicht völlig! Ich hoffe aber dennoch, dass Opeth mit dem nächsten Album wieder etwas relevanter werden. Ein großes Album ergibt immer die besten Tourneen. Diese Tour wird in die Opeth-History eingehen als gute Tour, aber als keine Entscheidende.

Fotos vom Konzert

 

 

 

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