Album Kritik

Opeth - Pale Communion

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

Opeth sind mit dem Vorgänger "Heritage" in ein doch anderes Genre gewechselt. Krautrock-Remineszenzen, verschrobene musikalische Kanten, melancholische Akustik-Parts, trancige Passagen und jazzige Ausbrüche hat's zwar schon immer gegeben bei den Schweden, aber alles war immer gebettet in fetten Death Metal-Riffs.

Auch hier erinnert fast gar nichts mehr an die Band-Vergangenheit. Sogar die letzten Growls von Mikael sind verschwunden. Mir persönlich gefällt diese Entwicklung.

Man hat dem Vorgänger "Heritage" vorgeworfen, bloss Stückwerk zu sein. Das habe ich nie so gesehen. Wenn beim Hören des vorliegenden Albums diesbezüglich eine kompaktere Form des Songwritings scheinbar hörbar ist, dann liegt das womöglich nur daran, dass man von der Band mittlerweile genau das erwartet hat.

Auch hier dominieren enorm viel Kanten, unerwartete Wechsel und diese typischen Ackerfeld'schen Gitarrenlicks, die Band-Trademark sind und stets in unüblicheren Harmonien aufgehen.

Klanglich liegen beide Letztwerte ziemlich nah beinander, wobei Pale Communion  ein klein wenig druckvoller produziert ist, auch wenn man das bei der Vinylversion schwerer raushört, weil auf diesem Tonträger der Klang doch sehr weich ist, richtig angenehm, fast schon zu angenehm. Auf CD klingt die Scheibe aber wieder etwas mehr "Back To The Roots". Hier kommt der 70er Jahre-Krautrock-Sound nicht so stark zur Geltung.

Musikalische Änderungen sind auch hörbar: Etwas mehr Epik-Elemente sind zu hören. Der Gänsehaut-Monumental-Schluss von "Voice Of Treason" und das mit Streichern begleitete "Faith In Others" sind beides Beispiele sehr melancholischer und epischer Tonkunst. Fast in jedem Song kommen solche Elemente durch. Sogar das eigenartig positiv startende "The River" schlägt diesbezüglich um und wird richtig tragisch. Schnelle Songs gibt's keinen. Ein einziges Mal wird ganz kurz die Double-Bass als rhythmisches Element strapaziert, aber es bleibt alles eher getragen.

Wer "Heritage" nicht mag, mag mit großer Wahrscheinlichkeit auch "Pale Communion" nicht.

Interessant wird sein, wohin Ackerfeld danach geht. Nochmals so eine Scheibe würde etwas miefig wirken und wir könnten Opeth nur noch als Krautrock-Band bezeichnen. Stillstand findet aber definitiv nicht statt, dazu ist eine Opeth-Scheibe sowieso viel zu einfallsreich und was die Band hier an zahlreichen im Rock-Kontext selten verwendeten Harmonien und generellen Ideen verwendet, davon können andere sowieso nur träumen.

9/10 Punkte

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