Metal On The Hill Festival 2021 -Graz, Kassematten

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Metal On The Hill, Graz Kassematten, 13. bis 14. 8. 2021 - Das zweite Festival in der Steiermark 2021 (Area 53 Festival) ging bereits gleich dem Mittagessen in die Vollen. Viele Metalheads prägten bereits vormittags das Stadtbild. Am frühen Nachmittag war aber bereits 90% aller Besucher oben am Schloßberg. Das Restaurant mit Blick auf Graz machte wohl gute Geschäfte an diesem Wochenende. Die Stimmung war überall überragend. Als hätte sich jeder nur noch gesehnt, endlich wieder Live-Musik genießen zu können.

Tyr, Nanowar Of Steel, Nervosa, Warkings, Freedom Call, Beast in Black und die Steirer Darkfall waren am Tag 1 dran. Das Festival Lineup, das natürlich auf den Band-Katalog von Napalm Records, eine der mittlerweile größten Metal-Plattenfirmen weltweit, aufsetzt, ist ähnlich vielschichtig wie das Label-Angebot. Sicher, Power Metal, Symphonic Metal ist neben Black Metal ein großes Thema hier. Man muss natürlich festhalten, dass alles Geschmackssache ist, aber auch hier gibt es nicht nur Qualität, sondern vielfach Kitsch in Reinkultur, aber das Schöne: Es passt ja, wenn Bands wie Warkings derartig abgefeiert werden, weil hier die ganz große Comic-Superhelden-Show abgefeiert wird, andrerseits ist die Mucke selbst reduziert auf ihre musikalischen Substanz doch sehr schlager-haft. Im Prinzip sind sie sicher ähnlich selbstironisch drauf, wie beispielsweise die völlig abgefahrenen Nanowar Of Steel, die komplett über den Dingen des reinen Kitsches stehen und alles verwusten, sogar bis hin zu Pop-Klassikern. Hier ist die Ironie spürbar. Wobei Freedom Call, obwohl sehr viele mir zu Dur-lastige Songs im Programm habend, eine astreine Power Metal-Show abgeliefert haben und wirkliche Gewinner sind. Auch Darkfall feuerten ihren Melo-Death Metal gewohnt druckvoll ab. Über Nervosa kann ich leider nicht so positiv berichten. Für mich ist die Musik etwas zu durchschnittlich, im Sinne von nicht erstklassig, was Songs und Arrangements betrifft. Sicher, der Charme ist da, aber das ist eben nicht alles. Beast In Black sind momentan angesagt, von daher sicher verdienter Headliner. Mir persönlich ist die Band etwas zu glatt, auch wenn einige Songs wirklich gut rocken. Gut, ich mag ja Sabaton auch nicht.

Am Tag 2 war mir daher wohler, hier gab's auch Vollbedienung, was Black Metal betrifft. Harakiri For The Sky aus Österreich gehören zu den angesagten Bands überhaupt und haben eine neue Szene entstehen lassen. Heute stehen sie am Programm und auch die Schweden von Marduk. Die Vorfreude ist groß. Ich guck mich im Publikum um. Es sind natürlich nahezu die gleichen Leute anwesend wie einen Tag davor. Scheinbar gibt es doch eine gewisse Schnittmenge. Sicher sind die ausgewiesenen Underground und Authentic-Fans der schwarzmetallischen Musik nicht so sehr anwesend, aber hier und da sieht man doch Gesichter, die man von sehr speziellen Events kennt. 

Den ganz großen Auftritt hatten nachmittags Fleshgod Apocalypse aus Italien. Ihr hochenergetischer Bombast gepaart mit unglaublicher Präzision und Brutalität zwischen Power Metal, Death Metal und sogar Black Metal-Elementen ist einzigartig und spielerisch over the top. Was für ein Auftritt. Die Band wurde abgefeiert wie Superstars.

Die Kassematten sind eine der großartigsten Locations in Österreich überhaupt. Persönlich habe ich hier mein erstes großes Open Air Konzert überhaupt gesehen und bin dem Ort daher sehr verbunden. Deshalb hat es mich auch gefreut, dass die Stimmung auch vor der Location spitze war und man überall Menschen getroffen hat für ein Schwätzchen. Früher war die Bühne im übrigen seitenverkehrt und der Eingang dort, wo jetzt der Backstage-Eingang ist. 

Harakiri For The Sky starten in ihrem ureigenen Style ins Set. Sänger J.J. wirkt extrem emotional, aber auch unnahbar. Die Songs bauen sich auf, schwelgen, eruptieren, rasen, sind harmonisch immer sehr intelligent durchkomponiert, auch wenn die Trance das Feeling bestimmt. Einen neuen Bassisten haben sie auch. Kommt live komplett anders rüber als Thomas. Weniger elegant, etwas aggressiver. Harakiri brauchen 2 Songs, bis die Zuschauer drinnen sind, aber schlußendlich wird die Band abgefeiert und es hätte jeder liebend gerne noch 2 Songs mehr gehört. Die Band hat sich definitiv neue Fans erspielt. Harakiri For The Sky funktioniert auch, wenn die Hälfte der Fans Power Metal-affin sind. Noch extremer ist aber dieser Gegensatz bei Marduk, die ich x-mal gesehen habe, aber selten so aggressiv und cool wie an jenem wunderschönen Abend im August 2021. Eine Killer-Show war das. Ultrabrutal. Die Fans sind abgegangen wie bei einer Power Metal-Band. Marduk haben womöglich in ihre Schminke gegrinst. Nein, haben sie natürlich nicht, sie kommen stets wunderbar unsympathisch und bierernst rüber, so auch diesmal, einzig die Party-Stimmung war schräg. Das hatte ich so noch nie erlebt bei Marduk-Gigs. Der Sound selbst war auch Killer. Übrigens bei allen Bands! Großes Lob an die Veranstalter dafür! Es war weniger Open Air-Sound mit lauten Drums und wenig Gitarren, wie das leider oft der Fall ist, sondern wirklicher Metal-Sound! 

Lordi haben danach die Kassematten in stimmungsvolles Licht getaucht, 2 x Hard Rock Halleluja mitsingen war lustig, aber mehr war nicht. Alles zu seicht und nichtssagend. 

Das Festival war ein richtig mutiger Schritt in die richtige Richtung. Die Normalität im Gelände ist bei den Menschen sehr gut angekommen. Alle Bands und auch die zahlreichen Fans (der Laden war voll) waren am Ende mehr als glücklich. Man hat alles rausgehauen, was sich lange aufgestaut hat. Es hat gut getan. Ein großes Danke an alle, die das möglich gemacht haben!