Amon Amarth - Berserker

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

Amon Amarth sind seit Versus The World (2002) eine meiner Fave-Bands. Ihre stärksten Alben sind meiner subjektiven Meinung nach die eben genannte Scheibe, Surtur Rising (2011), Twilight Of The Thunder God (2008) und Fate Of Norns (2004).

 

Die musikalische Entwicklung der Band ist gar nicht so einfach nachvollziehbar. Amon Amarth sind einerseits Song-orientiert und andrerseits haben sie massive Alleinstellungs-Merkmale, was Arrangements, Gesangs-Phrasierung und Klang betrifft. Bei solchen Bands meinen Kritiker immer, dass keine Weiterentwicklung stattfindet, obwohl das sicherlich nicht der Fall ist. Die Form scheint wichtiger als die harmonische Struktur, dabei sind Amon Amarth-Songs durchaus abwechslungsreich, was die Komposition betrifft. Die neuen Songs sind vielleicht etwas zu rund und ausgeglichen, aber das war schon bei den letzten 3 Alben so. Das ist auch dem Zugang geschuldet, mehr in Richtung klassischer Metal zu gehen, dabei geht etwas an Kante verloren.

 

Es ist immer wieder witzig, wenn bei Interviews zu neuen Alben von großen Bands dann darauf herumgeritten wird, dass jetzt so viele nie dagewesene Dinge passiert sind. Hier erzählt man über den neuen Versuch des Klargesangs (ca. 20 Sekunden), Klavier-Parts (Outro/Intro bei einem Song), Akustik-Gitarre (Album-Intro) und eine Songstruktur ohne Refrain (naja). Dabei sind alle 4 Details nicht der Rede wert, weil nur kurz zu hören und nicht entscheidend, was die generelle Struktur des Albums betrifft. Veränderung in homöopathischen Dosen.

 

Sicher wäre es mal cooler, würden gerade Amon Amarth nochmals ein richtig kantiges Album einspielen, eines das  vor Ehrgeiz brennt und zeigt, dass man auch neues Feuer entfachen will abseits der abgetretenen Pfade. Spricht man aber die Musiker darauf an, gibt es Entwarnung und den Hinweis, dass genau das die Intention des Albums war. 

 

Die wirkliche Beurteilung eines neuen Albums hinsichtlich einer generellen Entwicklung ist am besten im direkten Vergleich mit altem Material möglich und da würde ich eine wirkliche Weiterentwicklung der Band absprechen. Vielleicht ist das neue Album noch melodischer als die letzten beiden Werke. Das nimmt etwas die Härte, aber ist grundsätzlich kein Problem, wenn die Songs stimmen und die stimmen hier ja auch.

 

1-2 Refrains des Albums sind etwas zu banal, dafür erspart man sich den Happy Song vom letzten Album (Raise Your Horns). Vielleicht würden statt der oft ähnlichen, eher simplen melodischen Gitarren-Lick-Struktur der Songs mal wieder 2-3 ultraschwere Doom-Hämmer oder Death Metal-Brutalitäten, wo das Riff und nicht das Schlagzeug entscheidend ist, gut tun, um auch wieder mehr Spannung reinzubringen.

 

Vielleicht wäre es auch cool, mal völlig neue Harmonien zu verwenden. Auch, wenn man, wie auf den Abschluss-Tracks Wings Of Eagles und Into The Dark die emotionelle Tragik voll auslebt und richtige Speed Metal-Hymnen kreiert hat. Da kommt dann kurz eine ähnliche Gänsehaut auf wie bei Live Without Regrets von Surtur Rising. Teilweise wird man auf dem neuen Album, auch was die Gitarren-Arbeit betrifft, sogar an Running Wild erinnert, also alles etwas weit weg von generellem Death Metal. Das ist auch nicht das Problem, wenn die Songs originell sind, das sind sie nicht immer. 

 

Auffällig ist, dass man bereits bei fast jedem Vers versucht, harmonisch zu agieren, nicht erst beim Refrain. Dadurch wirkt alles ziemlich durchkomponiert und man wird von Melodien erschlagen. Normalerweise mag ich gerade das und gerade Bands wie Iron Maiden haben das immer bestens vorgelebt, hier aber wäre ein  simpel-gnadenloses Vers-Riffing manchesmal besser gewesen, damit man das melodische Element in den Refrains so richtig spürbar wird.

 

Soundtechnisch ist die Sache sehr schwer einzuordnen. Ich habe mir alle Alben in kurzer Folge durchgehört und die Unterschiede sind marginal. Hört man sich die letzten beiden Alben hintereinander auf Vinyl an, hört man fast keinen Unterschied, außer, dass die Drums auf dem neuen Album etwas präsenter sind, was eigentlich kein Qualitätsbeweis ist. Aber die Gitarren sind auch etwas voller, das macht es wieder gut, dafür ist das Album eine Spur weniger klar und scharf. Auch zu den älteren Alben sind weniger Unterschiede, als man denkt. Gut, Versus The World ist natürlich schon brachialer produziert.

 

Wenn man sich vor Augen führt, dass die Band das Album extra in Kalifornien mit neuem Produzenten aufgenommen hat, um sich und den Sound zu verändern, ist erstaunlich, wie wenig sich dann doch geändert hat. Die Änderungen sind meist so minimal, dass sie den meisten Hörern nur unterbewusst auffallen, aber vielleicht macht es ja gerade das aus.

 

Insgesamt sind aber alle Metal-Mainstream-Produktionen zu wenig scharf und die Gitarren braten viel zu wenig, sie werden  zurückgefahren und ihrer Brutalität beraubt, das gilt für 95% aller großen Produktionen, außer jene bei der letzten Slayer-Scheibe, deshalb kann man davon ausgehen, dass man live wenig qualitative Unterschiede zwischen den alten Songs und den neuen Songs hören wird. Bin gespannt, welche Songs dieses Albums live einschlagen werden.

 

 

8/10 Punkte

 

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