Live Reports und Stories

Iron Maiden Live - Legacy Of The Beast in Wr. Neustadt - 10.7. 2022

Live Reports

Legacy Of The Beast war das Tour-Motto von Iron Maiden 2019. Der zweite Teil der Tour hätte bereits 2020 stattfinden sollen. Mittlerweile wurde das Album Senjutsu veröffentlicht und mit dem Titelsong und den beiden neuen Songs  Stratego und  The Writing On The Wall wurden 3 neue Songs in den zweiten Part der Legacy Of The Beast-Tour inkludiert und zusätzlich Blood Brothers von Brave New World. Rausgefallen sind The Wicker Man, For The Greater Good Of God, 2 Minutes To Midnight und The Evil That Men Do.

Wiener Neustadt ist als Veranstaltungsort für Großkonzerte nicht neu, man erinnert sich gerne an das Aerodrome-Festival 2004 und einige andere Konzerte mehr. Aus Veranstalter-Sicht ist das Fußball-Stadion Wiener Neustadt sicher lohnenswerter, vor allem, wenn doch weniger Fans zu erwarten sind als beispielsweise bei Bands wie Metallica. 25 000 sollen es gewesen sein an diesem Sonntag, der wettertechnisch  fast perfekt war. Bewölkt, angenehm kühl, kein Regen, leider etwas Wind.

Eigentlich wäre Iron Maiden eine Band, die  aufs Business einen feuchten Dreck geben  und Bands einen Tour-Support ermöglichen könnte, die weder gehypt wurden, noch bei solchen Festivals überhaupt Auftrittsmöglichkeiten hätten.  Vollbeat nehmen beispielsweise Mercyful Fate oder Napalm Death mit auf Tour. Bei Iron Maiden gibt es seit Jahrzehnten keine interessanten Vorbands. Man ist das leider mittlerweile gewöhnt.  Lord Of The Lost, Düster Rock aus Deutschland und die AC/DC-Soundalikes Airbourne waren es diesmal. Bis weit nach 20 Uhr war deshalb vor dem Stadion sehr viel los. Wirklich interessiert waren nur die Die Hard-Fans beider Bands. Persönlich finde ich Lord Of The Lost stimmiger, auch der Sound war präsenter, weil fetter. Airbourne waren ab Mittellinie kaum wahrnehmbar und furchtbar öde. Apropos Mittellinie: Eine mittig platzierte, Videowall dort hinzustellen, war einfach falsch. Sowas funktioniert nur bei sehr breiten und großen Flächen, aber nicht im engen Stadion. Hier hat es vielen  der in der hinteren Hälfte stehenden Fans einfach den Blick auf die Bühne verstellt.

21 Uhr: Doctor, Doctor beendet die lange Wartezeit der Fans. Endlich geht es los.

Iron Maiden starten mit den 3 neuen Songs ins Set. Das letzte Maiden-Album ist großartig. Persönlich hätte ich mir aber andere Songs für das Live-Set gewünscht.  Auch wen Senjutsu ein eher rhythmisch behäbiger  Einstieg mit leicht progressivem Touch ist,  funktioniert der Song gut, die Fans laufen warm.  2019 ging es mit Aces High von Sekunde 1 in die Vollen und das wäre auch diesmal sicher besser gewesen, aber  Aces High wird am Ende laut und knallig den Set zu beenden. Bei Stratego gab es zum ersten Mal Eddie zu sehen als Samurai-Kämpfer. The Writing On The Wall wurde mit dem aufwendigen Video visuell aufgefettet. 

Bruce begrüßt zum ersten Mal Wiener Neustadt. Frenetischer Applaus, die Stimmung nimmt zu.

Bruce  liebt den Theaterdonner und agiert jenseits jeglichen Zeitgeistes. Schwarze enge Lederhose, weisses Hemd, dazu Dutt. Später langes Haar, Zylinder, Pestmaske. Kostümwechsel sind mittlerweile Standard bei Maiden. Die Fans liegen ihm zu Füßen. Iron Maiden erzählen Geschichten und ihre Songs haben längst jene Größe erreicht, die sich über die Popkultur erhebt. Nichts wirkt übertrieben, selbst das Overacting von Bruce Dickinson hat Größe und genügend Selbstironie.

Der Dreierpack hat funktioniert, aber die großen Klassiker kamen noch immer nicht, dafür einer der allerbesten Maiden-Tracks überhaupt: Revelations von Piece Of Mind (1983).  Eine der besten Rhythmus-Kreativ-Arbeiten überhaupt von Nicko Mc Brain veredelt diesen Song und in dieser rhythmisch komplexen Welt fühlen sich Maiden momentan sowieso am wohlsten. Die schnellen Songs wirken mittlerweile etwas langsamer, aber man sollte sich hier nicht täuschen lassen. Einige Arrangements werden einfach rhythmischer gespielt. Mit Geschwindigkeit alleine hat das weniger zu tun.

Blood Brothers ist die Schunkel-Nummer von Maiden. Sie war auf dem Comeback-Album Brave New World und genießt vielleicht auch deshalb ein hohes Ansehen unter Maiden-Fans. Danach wird es düsterer. Sign Of The Cross und später The Clansman stammen aus der Blaze Bayley-Ära. Letzterer Song wurde durch die Rock in Rio-DVD berühmt. Bruce gab dem Song  neue Vibes und  mehr Überzeugung.  Beide Songs sind auf dieser Tour Highlights. Ersterer Song war auch 2019 bereits ein absolutes Highlight. Viel sakraler Kitsch, ein wirklich schönes Bühnenbild nach einem doch aufwendigem Bühnenumbau und ein überlanger Song mit grandiosen Melodic Leads lässt die Fans begeistert zurück.

Flight Of Icarus ist die erste wirklich flottere Nummer und ab diesem Zeitpunkt geht die Stimmung nochmal nach oben. Fear Of The Dark, Hallowed Be Thy Name, was will man mehr! Bruce hinter Gitterstäben.  

Scream For Me Austria!

Die Stimmung ist am Höhepunkt. The Number Of The Beast und Iron Maiden beenden den regulären Set, ehe es  mit The Trooper, The Clansman und Run To The Hills in den Ecore-Teil geht. Danach folgt Aces High als Zugabe, die Spitfire, die über der Stage baumelt, wirkt einerseits doch attraktiv als Bühnen-Gag, andrerseits etwas Slapstick-mäßig, aber die Message kommt rüber und  mit einem solchen Song ist ein fulminanter Abgang garantiert. Bruce singt den Song hervorragend. Viel besser, als 2019, wo der schwierig zu singende Song eröffnet hat. 

Sämtliche Soli, Leads, Breaks und Riffs waren überragend inszeniert von Adrian Smith, Yannick Gears und Dave Murray. Letzterer übrigens mit Dauergrinsen. Was ein wenig im Widerspruch steht zu einem Interview, das ich zuletzt gelesen hatte. Der gute Dave hätte mittlerweile am meisten zu kämpfen mit den langen Touren, hieß es dort. 

In dieser Form werden Iron Maiden wohl noch ein paar Jährchen anhängen. Oft wird man sie sicher nicht mehr sehen können.

 

Ein paar Anmerkungen zur Organisation: Wieso sind eigentlich die Shuttle-Busse nicht zum Stadion-Eingang gefahren? Das Stadion ist klein und eng. Hier sind die Bierstände links und rechts womöglich nicht wirklich optimal. Zuviel Gedränge, zumal der Rest aus Dixies bestand. Zumindest und erstaunlicherweise war vorne wirklich schön Platz, auch oder gerade wegen der Dixies. Weshalb waren eigentlich außerhalb des Stadions keine anderen sanitären Einrichtungen zu finden. Man ist da heute doch ganz anderes gewohnt. Auf jeden Fall hat es weitgehend gut gepasst. Bis auf das nicht eingespielte Gastro-Team. Vielleicht sollte man hier auch in die Schulung investieren. Es sind sicher schöne Studentenjobs im Konzert-Event-Bereich, aber so bringt das ja nichts. Ohne wirkliche Not lange Wartezeiten. Genug Personal war augenscheinlich da.