Live Reports und Stories

Fire In The Mountains, Wyoming, Jackson Hole, Moran

Live Reports

Fire In The Mountains - Ein Metalfestival, das sich auch als Nature-and Wilderness-Festival versteht. Ein Festival zwischen Yellowstone und Grand Teton Nationalpark. Die Reise war bereits geplant, erst danach zufällig dieses Festival endeckt. Zufällig von einem Freund des Veranstalters erfahren, dass man den Veranstalter dieses Festivals am Graspop vor vielen Jahren kennengelernt hat. Winter 2o2o, die Reise wird geplant. Wie fliegt man das Festival an? Über Salt Lake City, Denver oder doch über Seattle. Gebucht über Salt Lake City, die Route rauf von der Salzwüste in die Berge gecheckt, Corona. Das Festival wird verschoben, alles wird verschoben. 2022, alles ist wieder möglich. Das Festival findet statt. Der Flug muss neu gebucht werden, diesmal über Seattle. 

Die Vorfreude ist enorm, alles läuft nach Plan, Seattle und vor allem die vorgelagerte Halbinsel mit dem Olympic National Park ist atemberaubend schön. Aus dieser Ecke kommen auch Wolves In The Throne Room, die den Cascadian Black Metal geprägt haben, benannt nach einem Gebirgszug vulkanischen Ursprungs und die auf dem Festival spielen, aber nicht ursprünglich geplant waren.  Solstafir und Hexvessel, ursprünglich dabei, verzichteten im Krisen-Wirrwarr auf einen Flug über den Atlantik. 

Die Anreise zum Festival über Seattle und die Nordkaskaden (Netto-Fahrzeit 14 Stunden) war erwartungsgemäß atemberaubend schön. Viele sind aber auch über Denver (8 Stunden), Salt Lake City (5 Stunden) oder Jackson (1 Stunde) angereist. Leider haben wir die infrastrukturellen Begebenheiten zwischen Yellowstone und Grand Teton falsch eingeschätzt und hatten am Ende nicht mal mehr ein Wasser dabei, als wir zum Gelände kamen. Alle Vorräte waren aufgebraucht und wir hatten nicht mal eine Tankstelle gesehen. Deshalb ging es am Tag 2 sofort runter nach Jackson. Die Hauptstadt in Wyoming ist gut 60 Meilen entfernt, ein sehr lässiger Ort, viel Outdoor-Flair, einige Schilifte, alles sehr exklusiv. Nicht günstig dort, deshalb mit eher wenig Proviant zurück. Zumindest das regional gebraute IPA-Bier war nicht teurer als hier. Gut, dass unser Camping-Nachbar neben Elch auch Schlange im Grill-Programm hatte. 

Viele Workshops zum Thema Naturerhalt gab es in diesen Tagen im Rahmen dieses Festivals, zu denen man sich teilweise schon vorab anmelden musste. In dieser wunderschönen Wild West-Atmosphäre, in der es kaum Zivilisation gibt, wird jedem klar, dass der Erhalt von Natur essentiell ist.  All diese Hintergründe waren am Ende sicher auch der Grund, weshalb man selbst an Tag 3 noch kein einziges Papierl auf dem Gelände fand. Unglaublich, dass ausnahmslos alle Besucher dieses Festivals darauf achtgaben. Selbst die Toiletten waren noch am dritten Tag so sauber, dass einige sogar in Flipflops reinmarschierten. Cowboy-Hut ab dafür.

Gleich beim ersten Kontakt mit dem Festival-Personal hat man diese so freundliche und entspannte Art gespürt, die dann 3 Tage lang selbstverständlich war, auch wenn ein Bändchen, dass man 21 Jahre alt ist, obligatorisch war. Sonst gab's kein Bier. Bei mir wurde komischerweise eine Ausnahme gemacht, weil ich meinen Reisepass nicht dabei hatte. 2 Bühnen gab es. Eine eher kleine Stage, die eine sehr intime Atmosphäre erzeugt hat. Die größere war eine komplett offene Bühne. Gleich am ersten Abend wusste man, warum die Bühne offen angelegt war. Dieser grandiose rötlich gefärbte Himmel (Fire In The Mountains) erzeugt eine einzigartige Stage-Atmosphäre. Wenn der Himmel sich mit dem Stagelicht zu einem fantastischen Gesamtbild vereinigt, kann das wohl kein Backdrop toppen. 

Man konnte übrigens hier Sessel, Sonnenschirm und Rucksack mit in den Mainstage-Bereich nehmen. Ein äußerst positiver Aspekt, kennt man sonst nicht. Am ersten Abend war das aber noch nicht notwendig, man war aufgeregt, am Partymachen und hat mit Steve Von Till (Neurosis) ein unglaublich tief gehendes Konzert erlebt, in perfekter Atmosphäre. Geige, Klavier, viel Sentimentalität, dazu diese großartige, tiefe Stimme. Wie die Faust aufs Auge hat diese wunderschöne Musik zur Atmosphäre gepasst. 

Alle Bands hier sind handverlesen und wurden sorgsam ausgewählt, deshalb gab es zu keiner Zeit langweilige Musik. Musikalisch gab es einen breiten Bogen zwischen Avantgarde, Folk, Prog, Black Metal bis hin zu klassischem Metal. Ein paar Bands sind hier aber nochmals rausgestochen. Enslaved, die dort noch nie gespielt hatten, erleben so einen gewaltigen Zuspruch sicher nicht alle Tage. Das Publikum war so enthusiastisch, dass Enslaved sogar eine nicht geplante Zugabe spielten. Die ganze Szenerie mit dem Feuer, dieser offenen Bühne war atemberaubend. Grutle war in Geberlaune und scherzte sich einen ab. Am Ende waren die Emotionen hoch.

Zwischen Tragödie und totalem Abräumen lag der Visigoth-Gig. Es ging erstmal alles schief. Das Intro aus, Neu-Anfang, dann Gitarrenausfall im entscheidenden Einstieg, alles egal, die Band rockte jedes technische Problem einfach weg. Die Fans feierten die Band aus Salt Lake City richtig ab. Auffällig ist der live noch bessere Gesang und die wirklich guten Songs. Visigoth sind eine wirklich großartige Live-Band, trotz Aushilfs-Drummers. Eine kleine Zufalls-Endeckung waren Tchornobog, die zwischen Crust, Death, Doom und Black Metal eine sehr verstörende, leicht trancig variieren. Auf jeden Fall waren sie sehr genial und womöglich die brutalste Band des Festivals.

Wolves In The Throne Room waren klarerweise ein weiteres Highlight, aber auch sie hatten einen kurzen Mikro-Ausfall zu beklagen. Mit dem letzten Album ist man etwas zugänglicher geworden, auch soundtechnisch, doch live ist man um eine Stufe rauher und härter. Spirit Of Lightning vom neuen Album war der Höhepunkt, auch wenn man ihn 2 mal ansetzen musste. Die gesangliche Prägnanz  dieses Songs kam für mich subjektiv erst live rüber. Vielleicht ist die Studio-Version ein wenig zu lasch abgemischt. Glücklicherweise konnte ich die Band in Wien ein paar Wochen später nochmals sehen und sie war wieder super. Hier war aber alles verständlicherweise noch intensiver.

Auch YOB aus Oregon waren gewaltig. Die Stoner Rocker brachten den Prärie-Staub zum wirbeln, Windgeräte halfen brav mit, die Szenerie war atemberaubend. Cooler geht nicht. Massive, tonnenschwere Riffs, viel Spielfreude und immer auch coole Melodien, de das ganze auflockerten. Hoffentlich kommen sie mal wieder nach Europa. 

Wayfarer aus Denver, Colorado, die bei Century Media gelandet sind und deren letztes Album für viel positive Resonanz gesorgt hat, waren erwartungsgemäß richtig gut drauf. Ein Band-Mitglied ist auch beim Veranstaltungsteam des Festivals dabei. Viel Atmosphäre,   epische Momente, lange Songs, die mir schon auf dem Album positiv aufgefallen sind, ließen das Set zu kurz erscheinen. Richtig großer Emotions-Black Metal, aber auch rockig-folkige Einflüsse hört man bei Wayfarer. Ganz tolle Band.

Wovenhand, das Solo-Projekt von David Eugene Edwards (16 Horsepower) spielte nachmittags auf der großen Bühne und hat mit atmosphärischem, sehr düsterem Folk sehr gut in die Szenerie gepasst, persönlich hat es mich nicht 100%ig gepackt. Ich denke, die Stimme hat mir an diesem Nachmittag nicht gefallen. Grundsätzlich mag ich Wovenhand.

Alle anderen hier nicht erwähnten Bands werden nochmals ausdrücklich gelobt!

Erst am dritten Tag ging es mal rauf zur Heart Six-Ranch, wo man Burger und Bier zum Frühstück serviert bekommt. Dort gab es auch einige Handwerks-Workshops zu bestaunen und regionale Köstlichkeiten zu essen. Leider waren die Wartezeiten sehr lang, was aber den Amis generell egal zu sein scheint. 

Viele Fans hatten sich dort oben in Lodges einquartiert und Tipis oder Planwägen gemietet, wo 8 Leute Platz fanden. Diese obercoolen Unterkünfte waren aber sofort ausverkauft und nicht gerade günstig. Aber auch die klassische Campsite war sehr gemütlich. Auch dort gab es ein großes Kochzelt und vor allem viel Platz. Kein beengtes Gefühl, in der USA ist einfach alles  größer angelegt.

Wettertechnisch hatten wir großes Glück. 3 Tage perfektes Festival-Wetter. Erwähnen muss man aber, dass es ab 22 Uhr bereits ziemlich kalt wird, nicht gerade sommerlich und das mitten im Juli. Der schnelle Wechsel zwischen heiß und saukalt ist faszinierend.

Dennoch hat gerade die fantastische Atmosphäre am Feuer und viel Folk-Lagerfeuer-Romantik abends dann doch eine mehr als kuschelige Atmosphäre gezaubert.

 

Viele liebe Menschen haben wir kennengelernt. Eine sehr offene und entspannte Atmosphäre war allgegenwärtig. Danke an alle Bands, an alle Besucher und an das gesamte Team!