Interview

Live Rückblick: Gaahls Wyrd, Tribulation, Uada, Idle Hands

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Gaahls Wyrd und Tribulation formierten sich zur Ghosts European Tour 2019. Mit dabei auch Uada und Idle Hands, beide aus Portland, Oregon. Diese Tour zeigt die enorme Bandbreite, die momentan in der dunkleren Szene stattfindet.

 

Idle Hands spielen eigentlich klassischen Metal mit hohem Gesang und richtig fetten 80er-Riffs. Ihre Album-Artworks schauen suggerieren aber durchaus ein Nah-Verhältnis zur Black Metal-Szene. Auf der Bühne wird die Sache noch kurioser. Die Band erinnert optisch aufgedonnert an melodischen Hardrock der 80er.  Die Songs selbst sind teilweise richtig gut, aber das außergewöhnliche Element fehlt noch. Mit Black Metal hat das alles gar nichts zu tun, aber die Band wird wohlwollend aufgenommen, weil irgendein, eigentlich schwer zu findender Kontext passt.  Das betrifft ja auch  all diese bluesigen Hardrock-Bands, die image-technisch einen auf Satanisten machen und oft altbackenen Langweiler-Bluesrock als Black Metal-Trend verkaufen.

 

Das Gegenteil wollen Uada sein. Diese Band kehrt in sich, zeigt sich nicht. Agiert unter Kapuzen versteckt. Auch das ein Trend momentan, der mittlerweile ein wenig abgelutscht rüberkommt. Die Musik selbst ist aber gut. Eigentlich spielt die Band gut hörbaren, melodischen Black Metal, gar nicht so eintönig, wie die Show.  Ich bin sicher nicht traurig, wenn der Kapuzen-Trend wieder verschwindet. 

 

Mit Tribulation kommt eine jener angesagten Bands auf die Bühne, die Black Metal mit althergebrachten Düsterrock-Elementen mischen, meist mit angenehm simplen Mitteln. Im Prinzip sind Tribulation live eine Mischung aus Hair Metal und Gothic Rock auf Black Metal.

 

Die Show ist  spitze. Vor allem Gitarrist Adam Zaars tänzelt sich auf hohem Niveau durchs Set. Seine femininen Bewegungen haben wirklich klasse. Tribulation agieren wie Rockstars und machen trotz düsterer Hymnen mächtig gute Laune. Der Einstieg mit Lady Death und Melancholia zeigen die Vorzüge der Band: Sie können einfach gute und griffige Songs schreiben. Im Prinzip ist die Band wie geschaffen für größere Bühnen. Im Viper Room konnten die hinteren Reihen das Stage-Acting wohl kaum wahrnehmen, deshalb hat die Band viel Zeit auf den mitgebrachten Podesten verbracht. Es wurde permament gepost und Gitarrist Adam kam nicht eine Sekunde runter von seinem Ausdruckstanz-Trip. Großartig!

 

Kristian Eivind Espedal, besser bekannt als Gaahl, Kultfigur des norwegischen Black Metals  ist wieder live unterwegs und kommt innerhalb kurzer Zeit zum zweiten mal nach Wien.  Einige Jahre ist es ruhig gewesen um den Sänger. Viele Projekte abseits der Black Metal-Szene waren für seine künstlerische Selbstfindung wichtiger. Nach seinem Weggang von Gorgoroth 2007 war der gute Mann aber dennoch umtriebig. Neben seinem Mitwirken bei Waddruna (authentische, alte nordische Musik) verdingte sich Gaahl sogar als Schauspieler.

 

Seine neue Band heißt aber Gaahls Wyrd, von der es einen Song zu hören gab. Der Rest des Sets setzte sich aus Songs all seiner Schaffensphasen zusammen. Von Trelldom, God Seed und eben Gorgoroth gab es ein Bündel an Songs zu hören.

 

Die Atmosphäre beim Show-Start war beängstigend gut. Steg - Trelldom - Wenn Gaahl minutenlang stoisch ins Publikum schaut, wenn er im Song spricht, ist er unwiderstehlich, was Charisma und Ausstrahlung betrifft.

 

Die Gorgoroth-Songs kommen noch etwas cooler rüber, als die God Seed-Songs, was aber auch an den noch größeren Publikums-Reaktionen liegt. Der gemeinsame Nenner ist Gaahl selbst, der diese Musik so intensiv verkörpert wie nur möglich. Er, der in den letzten Jahren in Norwegen sogar einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, weil er sich durchaus auch gesellschaftspolitisch geäußerst und auch seine Homosexualität offengelegt hat. Selbst wenn einige Passagen musikalisch mal nicht herausragend sind, rettet er das alleine durch seine Präsenz.

 

 

 

GaahlsWyrd 9/10
Tribulation 9/10
Uada 7/10
Idle Hands 6/10

 

Danke an die Veranstalter von The Shadow Agency

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