Story

Amon Amarth in Wien - Wenn tolle Konzerte doch wenig Substanz haben

|   Story

Viel war 2019 nicht los im Wiener Gasometer. Zumindest nicht für Metal-Fans. Der Amon Amarth-Gig ist deshalb auch das einzige größere Konzert in Wien und seit langem ausverkauft.

Mit dabei auf dieser Tour sind auch Hypocrisy und Arch Enemy. Erstere haben erst letztes Jahr in der Arena Wien nach langer Zeit ein wirklich geniales Konzert gegeben, zweitere sind bekanntlich öfter live zu sehen.

Große Überraschungen standen an diesem Abend dennoch nicht an. Von Hypocrisy gibt's kein neues Material und die letzten Alben von Amon Amarth waren auch weitgehend überraschungsfrei.

Gut, dass der Gig mit 5 Minuten Verspätung startet, so komme ich noch direkt zum Intro von Hypocrisy in die bereits volle Halle. Die Hektik hätte ich mir ersparen können. Der Sound ist katastrophal, egal ob vorne, hinten, links oder rechts, ich habe alles ausprobiert. Die Gitarren waren kaum zu hören, die Drums viel zu laut und übersteuert.  Traurig, dass der Mann, der so viel wegweisende Alben soundtechnisch veredelt hat, der sogar die Headliner produziert hat, hier mit einem lächerlichen Klang abgespeist wird. Andrerseits fragt man sich, wieso ein Mann mit diesem Standing wie Peter Tägtgren sowas durchgehen lässt, auch wenn heute naturgemäß die wenigsten Fans wegen Hypocrisy gekommen sind. Nur mit viel Fantasie konnte man die 5 Songs erkennen. Nach knapp 20 Minuten war der musikalisch  leider nicht sehr große Spaß vorbei. Dennoch freue ich mich jetzt schon auf die hoffentlich bald kommende Headliner-Tour der Schweden zum nächsten Album.

Arch Enemy ist eine ganz komische Geschichte. Einerseits werken hier geniale Musiker mit und die Mucke ist durchaus anspruchsvoll, aber die Songs sind oft nur überproduzierte, perfekt inszenierte Gassenhauer-Songs mit zugegebenermaßen anspruchsvollen Riffs und noch besseren Soli. Die gute Alissa White-Gluz ist auch eine richtige Bühnenerscheinung, aber andrerseits auch eine kitschige Märchenfigur, eine Fantasiefrau für Metalfans mit Drachenflügel. Sie repräsentiert das Perfekte: Durchtrainiert, gesund lebend und aalglatt.  Da kommt halt wenig Echtes rüber. Die Fans nehmen es ihr aber ab. Arch Enemy kommen wie immer hervorragend an.

 

Amon Amarth zeigen erstmal eine komplett in schwarz gehüllte Stage, Berserker steht groß da, alles in schwarz, Ruhe vor dem Sturm.   Run to the Hills von Iron Maiden wird als Quasi-Intro gespielt und bei perfektem Sound eröffnen die Schweden die Show. Viel Theaterdonner, Feuer und Rauch und die Band sticht in See. Raven’s Flight, Runes to my Memory und Death in Fire eröffnen das Set.

 


Die große Show wird bei Amon Amarth mittlerweile sowieso erwartet, auch wenn erst die immer groß abgefeierten Ansagen von Sympathie-Träger Johan Hegg bewirken, dass wirklich große Stimmung aufkommt. Er könnte sich aber durchaus mal etwas Neues einfallen lassen, seit Jahren die exakt gleichen Sager. Wenigstens spricht er Österreich immer cool aus. 

Erster interessanter Show-Effekt neben den üblichen Feuer-Fontänen ist der große Wikinger-Kopf mit einem Gesichtsschleier, über den sich die Drums bis an die Decke der Halle erheben. Erinnert somit an Iron Maiden.

 

Wobei der Kitschfaktor natürlich mehr als groß ist. Die gebogenen Augen-Screens kommen zwar cool,  aber die darin abgespielten Animationen kommen etwas lächerlich rüber.

 

Der ganze Ozean in diesen traurigen Augen, mir kommen gleich die Tränen -

 

Noch beeindruckender sind aber die gigantischen, aufgeblasenen Stein-Gottes-Skulpturen links und rechts von der Bühne, die im doch hohem Gasometer gerade noch Platz gefunden haben.

 

Musikalisch passt der Gig. Fast alle Songs knallen. Die beiden furiosen Rausschmeißer The Pursuit Of Vikings und Twilight Of The Thunder God beschließen das Konzert. Die Live-Songauswahl sollte aber dennoch mal einer Frischzellenkur unterzogen werden. 

 

Gut war der Gig, Spaß hat er auch gemacht, aber wirklich brutal, fordernd und cool war es auch nicht. Wenn man sich all die braven Metalheads im Publikum ansieht, dann stellt man sich die Frage, ob die Band sich ans eher langweilige Publikum angepasst hat. Die Hälfte der Fans sind klassisches Metal-Publikum, die andere Hälfte besteht aus Mainstream-Publikum, denen man es nicht mal optisch ankennt, dass sie auf einem Metal-Gig sind. Hoffentlich ist das nicht die Zukunft des Metals. Nein, keine Sorge, im Underground läuft es besser denn je. Vielleicht sollten sich Amon Amarth daran orientieren zukünftig.

 

Zurück