Story

Disillusion - The Liberation

Erstellt von Aamon | |   Album Reviews

Diese Band aus Leipzig um Vordenker Andy Schmidt ist bekanntlich schon mehrmals positiv aufgefallen mit ausgefeilter und vor allem innovativ gesetzter Musik. Back to Times of Splendor aus dem Jahre 2004 war ein überragendes Debut, aber auch danach gab's mit Gloria noch ein sehr gutes Album, ehe es still geworden ist um die Band.

 

Vor ein paar Jahren gab's dann einen fantastischen Live-Gig in Wien, wo auch wir mit Andy Schmidt gesprochen haben und es kam in dieser Zeit wieder Schwung in die Band. Einige andere Gigs folgten und die Band wurde wieder aktiviert. Jetzt ist das lang ersehnte Album The Liberation endlich erhältlich.

 

Disillusion ist eigentlich nicht in ein Genre einzuordnen. Die Band spricht klarerweise Fans progressiv ausgerichteter Musik an, aber wo steht die Band wirklich musikalisch? ist es Art Rock? Nein, dafür ist die Band doch auch zu sehr im heftigen Metal verhaftet, doch auch im Metal gibt es kein eindeutiges Signal. Neben einiger sehr heftigen Groove-Riffs und Shouting gibt es aber auch sehr viel elegischen Stoff, Elektronik klassische Metal-Riffs, klaren Gesang und jazzige Passagen. Alles sehr verspielt, sehr verträumt, aber immer auf den Punkt, nie wirklich sinnlos ausufernd und vor allem immer äußerst ideenreich.

Hier sieht man den Unterschied zwischen einer Band, die etwas kreiert und Stil hat und reinen Genre-Bands. Niemals würde Songwriter Andy Schmidt einen Song im gewohnten Anstrich stehen lassen, auch wenn er mal 2 Minuten ein gängigeres Format durchzieht, immer kommen überraschende Wendungen und Stimmungsänderungen. 

 

Eine Grundstimmung gibt es aber und die ist sicher eher sentimental angelegt. Die Musik hat viel Tiefgang und strotzt vor Gedanken. Die Passagen, in denen Andy Schmidt klar singt, werden sicher auch jenen gefallen, die diesen klaren Gesang auch bei Opeth schätzen, auch wenn Andy anders intoniert und natürlich anders klingt.

 

Das Album hat einen sehr feinen Klang. Klar entspricht dieser nicht den Vintage-Produktionen aus diesem Bereich, die momentan so en vogue sind, sondern geht die Band geht eher den Weg, den auch Bands wie Haken gehen. Interessant wird sein, wie das Album auf Vinyl klingt, wo dann sicher noch etwas mehr Wärme durchkommt. Aber auch im Stream klingt das Ding nicht zu überkandidelt, sondern angenehm, auch wenn der elektronische Bereich, die Keyboards und die fetten Gitarren sehr volumniös rüberkommen.

 

Immer wieder gibt's Auflockerungen in Form von sehr melancholischen Parts, die oft durchzogen sind von sphärischen Gitarrenklängen.

 

Das Album ist durchwegs auf überdurchschnittlichem Level und eigentlich ragen alle Songs raus, auch wenn gerade der großartige Abschluss-Track The Mountain ein klein wenig heraussticht in seiner unheilschwangeren Art und gleichzeitig aus tiefster Tragik positiv stimuliert, dass man sich als Hörer einfach gehen lassen kann. Das ist einfach Emotions-Musik mit viel Leidenschaft und Kraft!

 

Ich denke doch, dass wir hier vom bisher besten Disillusion-Album sprechen. Persönlich höre ich einige typische groovigen Modern Metal-Arrangements dieses Albums in anderer Form bei anderen Bands gar nicht so gerne, hier aber schon, da immer ein großes Gewicht auf große Harmonien gesetzt wird und viel Ausdruck und sich ein Song nie auf derartige Passagen stützt.

 

Eines der ganz wichtigen Prog-Alben der Neuzeit!

 

10/10 Punkte

 

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https://disillusion.de

 

 

 

 

 

 

 

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